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10.05.2008 
Spekulationen sollen aufhören

Entscheidung zu KfW-Chef am Dienstag

von Robert Landgraf

Auf den letzten Metern kommt es zu einem Kopf an Kopf Rennen um den Chefposten der staatlichen KfW Bankengruppe. Dem Investmentbanker Andreas Dombret und dem Förderbanker Ulrich Schröder werden in informierten Kreisen gleich gute Chancen eingeräumt, die Nachfolge der zurückgetretenen Vorstandssprecherin der KfW, Ingrid Matthäus-Maier, anzutreten.

Die KfW steht zurzeit wegen ihrer Angeschlagenen Tochter IKB unter Druck. Foto: dpaLupe

Die KfW steht zurzeit wegen ihrer Angeschlagenen Tochter IKB unter Druck. Foto: dpa

FRANKFURT. Wie das Handelsblatt erfuhr, wird sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) voraussichtlich bereits am kommenden Dienstag für einen der beiden Kandidaten entscheiden, um die wochenlangen Spekulationen zu beenden.

Die schnelle Entscheidung hängt eng mit dem stockenden Verkauf der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB zusammen, der ursprünglich am kommenden Montag abgeschlossen sein sollte. Wegen der Fast-Pleite der Düsseldorfer Bank, an der die KfW zu 45 Prozent beteiligt ist, war Matthäus-Maier Anfang April zurückgetreten Falls die Angebote der neun Interessenten für die IKB wie befürchtet sehr niedrig sind, wird in Finanzkreisen eine vollständige Übernahme der IKB durch die KfW erwartet. Das würde gleichzeitig die Chancen für den derzeitigen Deutschlandchef der Bank of America, Andreas Dombret (48), erhöhen, der ein ausgewiesener Kapitalmarktexperte ist. Das langjährige CDU-Mitglied Dombret werde vom hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch favorisiert, zu dem er beste Beziehungen pflege, heißt es in informierten Kreisen. Auch von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) erhalte er Unterstützung. Steinbrück hatte stets betont, er suche einen Finanzfachmann. Bundeskanzlerin Merkel hegt hingegen leichte Präferenzen für den Förderbanker Schröder (56).

Der Deutsch-Amerikaner Dombret wäre aus der Sicht Frankfurter Banker eine gute Wahl. Er beherrsche durch seine Zeit bei der Deutschen Bank, zehn Jahren bei der Investmentbank JP Morgan, als Ko-Chef für Deutschland der Privatbank Rothschild und zuletzt bei der Bank of America das Kapitalmarktgeschäft von Grund auf. Selbst ein Buch hat Dombret über „Die Verbriefung als innovative Finanzierungstechnik“ geschrieben. Erfahrung wird er dringend benötigen, um das Management der milliardenschweren Zweckgesellschaft Rhineland Funding zu leiten. Das Investmentvehikel war im Sommer vergangenen Jahres von der IKB im Zuge der Rettungsaktion übernommen worden. Es soll noch in diesem Jahr in zwei neue Gesellschaften überführt und dann in der KfW konsolidiert werden.

Kapitalmarkt-Know-how ist ebenfalls bitter nötig, falls die IKB in der KfW aufginge. Das wird erwartet, wenn die ursprünglichen Preisvorstellungen der Regierung von 800 Mill. Euro weit verfehlt werden. Hessens Ministerpräsident Koch, der zugleich Mitglied des Verwaltungsrats der KfW ist, hatte bereits klar gemacht: Zu einem „schlechten Preis“ werde die IKB nicht verkauft. Die Stützung der Mittelstandsbank hat bei der Staatsbank im vergangenen Jahr zu einem Verlust von 6,2 Mrd. Euro geführt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Gratwanderund zwischen Wirtschaft und Politik

Das Fördergeschäft muss Dombret jedoch noch lernen. Allerdings wird das von Bankern als das kleinere Problem angesehen. Die Gratwanderung zwischen Wirtschaft und Politik, die mit dem sehr politisch bestimmten Posten des KfW-Chefs verbunden ist, trauen ihm Kollegen zu. Ohnehin arbeitet er beispielsweise im Ausschuss für Regierungsbeziehungen bei American Chamber of Commerce und ist Mitglied des Auslandsbankenausschusses im Bundesverband deutscher Banken. In seiner Zeit beim Bankhaus Rothschild hat er maßgeblich an der Fusion der Hypo-Vereinsbank mit der italienischen Unicredit mitgearbeitet. Für sein Engagement für den Finanzplatz Frankfurt erhielt er im vergangenen Jahr das Bundesverdienstkreuz. Die für einen Investmentbanker niedrige Bezahlung von rund 0,8 Mill. Euro, ist für Dombret dem Vernehmen nach kein Problem, da er in seiner langen Laufbahn gut verdient hat. So hat er etwa eine Stiftung an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster gegründet.

Sein Konkurrent Schröder galt seit Ende April zunächst als erste Wahl für die Nachfolge von Matthäus-Maier. Der derzeitige Chef der Förderbank NRW-Bank und studierte Jurist hat im Umgang mit der Politik große Erfahrung und gilt als ein umsichtiger Manager. Frank Schäffler von der FDP hielte Schröder „für keine schlechte Wahl, schließlich hat er die NRW-Bank gut aufgestellt“. Schröder ist ein Gewächs der Westdeutschen Landesbank, wo er nach verschiedenen leitenden Positionen in den Vorstand der Düsseldorfer Landesbank vorrückte. Nach der Aufspaltung der Westdeutschen Landesbank in die WestLB und die NRW-Bank auf Druck der Brüsseler Wettbewerbshüter wechselte Schröder in den Vorstand des neuen Förderinstituts, dem er seit 2006 vorsteht.

Der Dauerläufer ist Refinanzierungsexperte. Ihm trauen Beobachter am besten zu, Ängste zu entkräften, dass die Förderaktivitäten und die Unterstützung des Mittelstandes durch die KfW unter den aufgebrauchten milliardenschweren Reserven leiden könnten. Außerdem hat er es verstanden, Ärger mit Brüsseler EU-Kommission in seiner Zeit bei der NRW-Bank zu entgehen.

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