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23.07.2008 
Versicherungen

Ergo droht Umbau

von Thomas Schmitt

Torsten Oletzky ist Anfang des Jahres mit großen Zielen bei Ergo angetreten. Bis 2012 will der neue Chef den Gewinn der großen Düsseldorfer Versicherungsgruppe fast verdoppeln. Gleichzeitig sollen die Einnahmen aber nur um etwa ein Drittel steigen. Verdi befürchtet einen Stellenabbau.

Ergo-Unternehmenszentrale in Düsseldorf: Die Versicherungsgruppe soll profitabler werden. Foto: dpaLupe

Ergo-Unternehmenszentrale in Düsseldorf: Die Versicherungsgruppe soll profitabler werden. Foto: dpa

FRANKFURT. Das Ziel von Oletzky ist schon ehrgeizig. Doch aktuell kommt hinzu, dass die Gewinne des Konzerns mit den Marken Hamburg-Mannheimer, Victoria, DKV und DAS zurückgehen. Erstens läuft das Versicherungsgeschäft schleppend. Schlimmer noch ist, dass die Kapitalerträge wegen der Finanzkrise drastisch sinken. Im ersten Quartal 2008 war der Ergo-Ertrag gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 40 Prozent auf 150 Mill. Euro geschrumpft.

Wenn Oletzky die zweistelligen Renditeziele der Muttergesellschaft Münchener Rück erreichen will, bleibt ihm also gar nichts anderes übrig, als drastisch und schnell die Kosten zu drücken. Diese sind bei Ergo ohnehin traditionell höher als im Marktdurchschnitt. Sparen bedeutet dabei automatisch Stellenabbau. Denn mehr als zwei Drittel der Kosten entfallen bei Versicherungen auf das Personal.

Wieviele Arbeitplätze genau wegfallen werden, ist unklar. Darüber soll im Ergo-Vorstand am kommenden Dienstag entschieden werden, wie ein Ergo-Sprecher sagte. Die Gewerkschaften befürchten bereits das Schlimmste, weil bisher intern keine Zahlen auf dem Tisch liegen. Deshalb sind sie auf Schätzungen angewiesen.

Der Gewerkschafter Frank Fassin glaubt, dass rund 2500 Vollzeitstellen bis 2009 wegfallen werden. Fassin sitzt als Arbeitnehmervertreter im Ergo-Aufsichtsrat und ist bei Verdi in Nordrhein-Westfalen für Versicherungen zuständig. Nach Berechnungen der Arbeitnehmer sollen schätzungsweise 200 Mill. Euro bei dem Düsseldorfer Konzern eingespart werden. Angesichts dessen wundert es nicht, dass andere Gewerkschafter sogar auf noch höhere Zahlen kommen. So ist intern bereits davon die Rede, dass das Sparprogramm bis zu 4 000 Arbeitnehmer den Job kosten wird, Teilzeitkräfte eingeschlossen.

Solch ein starker personeller Einschnitt im Innendienst der Ergo-Gruppe würde gravierende Änderungen in den Abläufen mit sich bringen. Dies zeigt die Erfahrung in anderen Versicherungen, etwa der Allianz. Gewerkschafter glauben daher, dass ein völliger Umbau der Ergo-Gruppe bevorsteht, der in „eine interne Demontage des Konzerns“ münden könnte.

Hintergrund der Sparbemühungen ist ein Renditedruck, der durch den Kapitalmarkt ausgeübt wird. In Präsentationen für Analysten räumt das Management freimütig ein, dass Ergo seit Jahren zu hohe Kosten hat. Zugleich wird dies mit Sparzielen für die Verwaltungs- und Abschlusskosten in den einzelnen Segmenten – Leben, Kranken und Schaden – verbunden. Die entsprechenden Quoten für die Verwaltungskosten sollen bis 2010 deutlich sinken.

Zur Ergo-Reform zählt auch das Projekt „Ergo – ein Unternehmen“. Es sieht einen Umbau im Personalbereich vor: Mehr als 10 000 Mitarbeiter im Innendienst dürften demnach künftig Ergo-Verträge erhalten. Dies soll 2009 umgesetzt werden, schrieb Oletzky an die Mitarbeiter. Bisher besteht das Arbeitverhältnis mit den Tochtergesellschaften Hamburg-Mannheimer, Victoria, DKV und DAS. Ende 2007 hatten erst gut 500 Mitarbeiter einen Ergo-Vertrag.

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