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12.04.2007 
Übernahmekandidat aus Österreich

Erste Bank: Ein lohnender Fang

von Oliver Stock

Die österreichische Erste Bank hat in letzter Zeit alles richtig gemacht. Die Expansion in den Osten Europas schlägt sich in Rekordgewinnen nieder. Experten sehen die Bank daher als eines der bevorzugten Ziele für eine Übernahme durch ein großes Finanzinsitut. Größtes Problem dabei: Die Erste Bank möchte nicht mitziehen.

WIEN. Merrill Lynch platziert sie unter den ersten fünf einer Liste mit Übernahmekandidaten, die Analysten der Société Générale kommen zur gleichen Einschätzung: Die Erste Bank in Österreich, eines der zwei verbliebenen börsennotierten Kreditinstitute des Landes, wäre ein lohnender Kandidat. Wachstum und Werthaltigkeit stimmen jedenfalls, meint Alan Webborn von der Société Générale. Den Analysten von Merrill Lynch haben es vor allem die Wachstumsaussichten der Ersten Bank in Mittel- und Osteuropa angetan. Sie glauben, dass diejenigen Institute, die „an den Rändern Europas“ operieren, zurzeit die größten Wachstumschancen haben.

Tatsächlich wäre die österreichische Bank ein lohnender Fang: Sie profitiert von den sprudelnden Gewinnen ihrer Tochtergesellschaften in Osteuropa. Das Betriebsergebnis kletterte zuletzt um 20,7 Prozent auf rund zwei Mrd. Euro. Der Nettogewinn erhöhte sich um knapp ein Drittel auf 932,2 Mill. Euro, worin sich allerdings bereits der Kauf der größten rumänischen Bank, der BCR, niederschlägt, der im vergangenen Oktober unter Dach und Fach gebracht werden konnte. Die Erwartungen der Analysten, die mit höheren Restrukturierungskosten in Rumänien gerechnet hatten, konnte die Bank bei der Vorlage ihres Jahresergebnisses übertreffen. Für dieses Jahr hat sich Konzernchef Andreas Treichl eine Gewinnsteigerung um 25 Prozent vorgenommen. Er will die Bank weiter auf Expansionskurs halten. Länder wie Polen, Russland und die Türkei will er sich näher anschauen. Auch eine Expansion nach Deutschland schließt der Bankchef langfristig nicht aus.

Allerdings ist das Wachstum, das in Deutschland möglich ist, verglichen mit dem Potenzial in Osteuropa gering. Der Anteil der Banktöchter in Zentral- und Osteuropa am Gesamt-Konzernnettogewinn der Ersten Bank lag im vergangenen Jahr bei 60,5 Prozent. Er ist damit leicht zurückgegangen. Dies liegt aber nicht an mangelnden Aussichten im Osteuropageschäft, sondern daran, dass es auch auf dem österreichischen Markt, wo die Margen traditionell niedrig sind, 2006 besser lief. Hier hat die Erste Bank nicht zuletzt davon profitiert, dass die Bawag als Konkurrentin wegen zahlreicher Skandale, in die sie verwickelt war, praktisch ausfiel und Kunden scharenweise andere Kreditinstitute aufsuchten. Der Effekt dürfte in diesem Jahr nachlassen, wenn Cerberus als neuer Eigner der Bawag wieder Ruhe ins Geschäft der ehemaligen Gewerkschaftsbank bringt.

Doch die guten Ergebnisse machen die Österreicher auch selbstbewusst. Als Übernahmekandidat sehen sie sich ganz und gar nicht. Drei Gründe sprechen aus Sicht der Ersten Bank dagegen: zunächst der Preis. Rund 20 Mrd. Euro wiegt die Bank an der Börse. Um die Aktionäre ins Wanken zu bringen, müsste ein Käufer einen Aufschlag zahlen, der jenseits der 20 Prozent liegen dürfte. Damit kommen nur die ganz Großen im Finanzgeschäft oder kapitalkräftige Private- Equity-Firmen in Frage. Dies ist der zweite Grund, der gegen eine Übernahme spricht: Aus Sicht der Aktionäre entsteht kein Mehrwert durch eine Übernahme. Im Gegenteil: Würde die Bank beispielsweise in eine Citigroup eingegliedert, wäre ihr Wert verwässert. Dann würden nicht mehr 60 Prozent der Gewinne aus wachstumsstarken Regionen in Osteuropa kommen, sondern erheblich weniger. Die Wachstumsaussichten wären damit geringer. Und schließlich, so stellen die Österreicher beruhigt fest, läuft nichts ohne Zustimmung einer Stiftung, die 30,5 Prozent an der Bank hält und deren Präsident Bankchef Andreas Treichl selbst ist.

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