Es gibt Zeiten, da macht es doppelt Spaß, Banker zu sein. Und das vergangene Jahr gehörte mit Sicherheit dazu. Für Europas Großbanken lief es so gut wie lange nicht mehr. Die Zukunftaussichten trüben sich allerdings etwas ein.
FRANKFURT. Getragen von einer guten Weltkonjunktur gehörten bei den größten europäischen Banken zweistellige Gewinnsteigerungen und eine Rendite des eingesetzten Kapitals von mehr als 20 Prozent zur Selbstverständlichkeit – auch wenn die spanische BBVA mit mehr als 37 Prozent hier unangefochtener Spitzenreiter ist. Die gestiegene Profitabilität wirkt sich in höheren Bonizahlungen für die Banker aus. Und dann bringt die Übernahmeschlacht um ABN Amro, die größte Bankenübernahme aller Zeiten, zusätzlich Spannung in die Branche.
Doch wie lange hält die Hochwetterlage in Europas Finanzbranche an? Erste kleine Wolken ziehen bereits auf. Analysten erwarten für dieses Jahr zwar weiteres Gewinnwachstum. Die hohen Raten von 2006 dürften jedoch ihrer Meinung nach nicht mehr erreicht werden. Schon bei den Zahlen für das vierte Quartal 2006 vermissten die erfolgsverwöhnten Branchenanalysten positive Gewinnüberraschungen. Bei einigen Banken konnten nur höhere Provisionsüberschüsse sinkende Zinsüberschüsse ausgleichen. Die Kosten seien im vierten Quartal das große Problem der Banken gewesen, schreibt Analyst Stuart Graham von Merrill Lynch in einer Studie.
Jetzt führt die Immobilienkrise in den USA auch auf Märkten wie Großbritannien und Spanien zu Befürchtungen von vermehrten Zahlungsausfällen. Europas Topinstitut HSBC musste seine Risikovorsorge für das US-Geschäft schon drastisch erhöhen. Auch bei vielen anderen Instituten stieg die Risikovorsorge 2006 merklich. Bei dem steigenden Anteil von Fremdfinanzierung durch Banken bei Unternehmensübernahmen wächst die Skepsis.
Das gute Marktumfeld wird langsam schwieriger. So schreibt die Ratingagentur Standard & Poors etwa über die viel gelobten französischen Banken, dass sinkende Kreditvolumen und eine flachere Zinskurve, Druck auf günstigere Bankgebühren und „ein moderates Ansteigen der Kreditrisikokosten“ die Kapitaleffizienz der Banken unter Druck setzen dürften.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Eine Marke, von der deutsche Banken noch meilenweit entfernt sind.
Ein schwierigeres Marktumfeld könnte jedoch andererseits die Übernahmespekulationen weiter anfachen. Denn noch, so Pricewaterhouse Coopers in einer Studie, geht es den Banken operativ so gut, dass sie sich nicht unbedingt zu Fusionen getrieben sehen. So führte auch die Übernahme der Hypo-Vereinsbank durch Unicredit 2005 nicht zu der erwarteten europäischen Konsolidierungswelle. Analyst Graham betont, dass die Verkäufer, an denen es im Moment mangelt, durch eine Verschlechterung der Branchenlage hervorkommen könnten.
Im vergangenen Jahr 2006 waren die italienischen und französischen Banken am aktivsten mit Zusammenschlüssen. So haben sich die italienische Banca Intesa und Sanpaolo IMI mit einer Fusion zur derzeit siebtgrößten europäischen Bank nach Börsenwert hochkatapultiert. Auf eine Marktkapitalisierung von 100 Mrd. Euro, die in der Branche derzeit als langfristige Mindestmarke für eine globale Großbank gehandelt wird, kommt in Europa aber derzeit immer noch lediglich die britische HSBC.
Die deutschen Banken sind von dieser Marke meilenweit entfernt. Im operativen Geschäft aber haben sie aufgeholt. Die Kosten sinken im Verhältnis zum Ertrag. Während sich Personalkosten erhöhten, führten Effizienzprogramme zu weiter sinkenden Verwaltungskosten in anderen Bereichen, lobt die Ratingagentur Fitch.

