Das Geschäft der Investmentbanken in Deutschland bricht ein: Im ersten Quartal betrugen die Provisionen der Banken nicht einmal die Hälfte der Einnahmen des Vorjahres. In Deutschland ist der Negativtrend damit deutlich stärker als im weltweiten Vergleich.
HB FRANKFURT. Gebremst durch die Finanzkrise, sind die Gebühreneinnahmen der Investmentbanken in Deutschland im ersten Quartal massiv eingebrochen. Wie der Finanzdatenanbieter Thomson Financial exklusiv für das Handelsblatt errechnete, kassierten die Banken als Berater bei Fusionen und Übernahmen, Aktien- und Anleiheemissionen sowie bei großen Konsortialkrediten in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres lediglich rund 393 Millionen Dollar. Damit betrugen die Provisionen nicht einmal die Hälfte der Einnahmen des Vorjahres, als sie sich noch auf gut 892 Millionen Dollar belaufen hatten.
Damit spiegelt sich in Deutschland ein stärkerer Negativtrend wider als weltweit. Rund um den Globus fielen die Gebühreneinnahmen im laufenden Jahr um etwa ein Drittel auf gut 14 Mrd. Dollar.
Besonders hart waren die Auswirkungen der jüngsten Turbulenzen an den Märkten bei Aktienemissionen. In Deutschland wagte 2008 bislang kein einziges Unternehmen den Gang an die Börse. Im vergangenen Jahr hatte es noch insgesamt 23 Going-Publics gegeben. Massive Einbrüche sind auch bei dem Geschäft mit neuen Unternehmensanleihen zu verzeichnen sowie bei Fusionen und Übernahmen (M&A).
In der Königsdisziplin M&A werde das Volumen 2008 deutlich unter dem des Vorjahres liegen, sagt Dirk Notheis, Ko-Chef Investment-Banking bei Morgan Stanley in Deutschland. Er kann sich „einen Rückgang um 25 Prozent durchaus vorstellen“. Die Finanzinvestoren fielen zumindest bei größeren Transaktionen infolge der fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten „in der Regel noch bis auf weiteres aus“, ergänzt Alexander Gehrt, der bei UBS den Bereich Fusionen und Übernahmen in Deutschland leitet.
Hoffnungen setzen die Banker auf das grenzüberschreitende Geschäft. Angesichts des schwachen Dollars schauten sich viele Firmen Übernahmekandidaten in den USA an, so Notheis.

