Herbert Stepic findet, dass der Kapitalmarkt tot ist und Staatshilfen notwendig sind. Im Interview mit dem Handelsblatt verrät der Chef der österreichischen Raiffeisen International Bank, wie die Krise den Bankenmarkt verändert und welche Schritte jetzt wichtig sind.
Herr Stepic, gerade haben mit Unicredit
und der Ersten Bank
zwei stark in Osteuropa engagierte Institute Gewinnwarnungen abgegeben. Wann rudern Sie zurück?
Gar nicht. Wir haben als Ziel einen Nettogewinn von rund einer Milliarde Euro für dieses Jahr definiert und wiederholt bestätigt. Dabei bleiben wir. Unser Geschäftsmodell ist gut, Risiko und Erträge verteilen sich über alle Länder in Osteuropa. Auch beim Kundenprofil - Konsumenten, Mittelständler und Konzerne - sind wir exzellent diversifiziert. Deshalb wird es auch keine negative Überraschung geben, wenn wir die Zahlen für das dritte Quartal präsentieren.
Diversifizierung in allen Ehren - aber derzeit haben alle Banken Schwierigkeiten, sich Liquidität zu verschaffen. Wie sieht das bei Ihnen aus?
Raiffeisen International ist für 2008 durchfinanziert. Wir haben genügend Reserven gebildet.
Ihr Aktienkurs spricht eine andere Sprache. Binnen eines Jahres hat er drei Viertel verloren, mehr als bei der Konkurrenz.
Da sind wir in Sippenhaft. Seit Wochen wird alles verkauft, was irgendwie Bank heißt. Und wenn ich ganz ehrlich bin - da steckt in Wirklichkeit auch viel Spekulation dahinter. Fundamental betrachtet geht es uns gut. Ich möchte aber nicht den Eindruck vermitteln, dass uns die Krise völlig kalt lässt.
Leidet Ihre Aktie nicht auch gerade darunter, dass Sie stark in Russland engagiert sind, wo die Börsen abschmieren?
Lassen Sie mich erst einmal eine Lanze für die Russen brechen: Sie haben im Unterschied zu den EU-Ländern viel rascher auf die Bankenkrise reagiert und viel Geld in das System gepumpt. 130 Milliarden US-Dollar sind schon sehr, sehr ordentlich.
Aber wo stecken in Russland denn nun die Probleme genau?
Wegen der hohen Wachstumsraten haben manche Russen ein Problem mit der Refinanzierung. Sie läuft dort im Wesentlichen über Aktien. Diese werden oft als Sicherheit im Gegenzug für Liquidität hinterlegt. Wenn dann die Kurse an den Börsen abstürzen, gibt es natürlich auch ein massives Problem für einige Banken. Zum anderen haben die Russen ein strukturelles Bankenproblem. Etwa 1 200 Banken gibt es dort, das ist viel zu viel.
Wie geht es insgesamt in Osteuropa weiter?
Natürlich muss man jedes einzelne Land unterschiedlich sehen. Es gibt gewaltige Unterschiede. Aber eine Rezession sehe ich in keinem der Länder dieser Region.
Wie sieht es in Russland aus?
Russland bleibt ein Rohstoff-Land, keine Frage. Und daraus resultiert auch eine Stärke. Die Devisenreserven liegen bei 560 Milliarden US-Dollar, das Land hat einen hohen Außenhandelsüberschuss, und die Wirtschaft wird auch im nächsten Jahr wahrscheinlich mit fünf Prozent wachsen. Die Russen sind auf jeden Fall besser dran als die meisten anderen Länder im Osten.

