Der Zusammenbruch des amerikanischen Kreditinstituts Washington Mutual erschüttert die Märkte. Heinrich Haasis, Chef des deutschen Sparkassen- und Giroverbandes erklärt im Handelsblatt-Interview, warum die Lage zwar ernst sei, verunsicherte Bankkunden sich aber keine Sorgen um die deutschen Sparkassen machen müssten.
Herr Haasis, Wie beurteilen Sie die jüngste Entwicklung in den USA?
Die Situation ist ernst, zur Panik besteht aber kein Anlass. Die amerikanische Regierung und die Aufsicht machen deutlich, dass sie den Ernst der Lage erkannt haben und entschlossen handeln wollen.
Was muss nach der Entscheidung zum Rettungspaket in den USA jetzt in Deutschland passieren?
Das ruhige,aber entschlossene Krisenmanagement von Regierung, Aufsicht und Marktakteuren muss fortgesetzt werden. Unser Finanzmarkt zeigt sich nach wie vor stabil. Das hat nicht zuletzt mit den Sparkassen und Genossenschaftsbanken zu tun. Wichtig ist, dass die vereinbarten Regulierungen konsequent umgesetzt werden. Das betrifft auch die Umsetzung von Basel II in den USA. Wir halten den Bundesfinanzminister Steinbrück vorgelegten 8-Punkte-Plan für richtig. Das betrifft auch die Verpflichtung, nicht alle Risiken durchhandeln zu können, sondern einen Anteil in den eigenen Büchern zu behalten.
Erwarten Sie nach Lehman neue Belastungen für die öffentlich-rechtliche Gruppe aus dem Zusammenbruch von Washington Mutual?
Kein Kreditinstitut bleibt unbetroffen, wenn eine große US-Bank in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät. Die Situation in unserer Gruppe ist aber so stabil, dass dies keinen wesentlichen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit hat.
Können die öffentlich-rechtlichen Institute vom US-Rettungspaket profitieren? Sehen Sie dadurch für die Landesbanken neue Chancen, über ihre US-Töchter schlechte Wertpapiere abstoßen zu können?
Bisher kennen wir die Einzelheiten des US-Rettungspakets noch zu wenig. Wichtig scheint mir allerdings, dass nicht eine Auktion zu einer neuen Abwärstspirale führt. Wenn der US-Staat Wertpapiere zum niedrigsten Preis ankauft und einzelne Institute ihre Papiere in jedem Falle loswerden müssen, dann gibt es Marktpreise, die mit dem tatsächlichen Werrtgehalt unter Umständen nur wenig zu tun haben. Es muss vermieden werden, dass es durch eine Auktion zum niedrigsten Preis zu unrealistischen Marktwerten kommt.
Auch die Sparkassenkunden sind jetzt zunehmend besorgt. Können Sie die Ängste verstehen?
Es gibt in Deutschland für solche Ängste keinen Grund. Bei den Sparkassen sind alle Einlagen unbegrenzt abgesichert. Alle Sparkassen und Landesbausparkassen stehen mit ihrem ganzen Vermögen füreinander ein. Dieser Fall wird aber nicht eintreten. Die Sparkassen sind trotz der Krise ein Hort der Stabilität. Manch einer hat in den vergangenen Jahren das Sparkassengeschäft für langweilige gehalten und uns kritisiert, weshalb wir und nicht so stark in der schönen neuen verbriefungswelt bewegt haben. Jetzt zeigt sich: Diese Geschäftspolitik und die Struktur der Sparkassen stabilisieren den deutschen Bankenmarkt.

