Die Krise an den Finanzmärkten hat jetzt auch die europäischen Versicherungsaufseher aufgeschreckt. Nachdem es seitens der deutschen Finanzaufsicht lange Zeit hieß, dass die Auswirkungen auf Versicherungsunternehmen "von untergeordneter Bedeutung" seien, fühlt die europäische Vereinigung der Versicherungs- und Pensionsfondsaufseher (Ceiops) in einer Gemeinschaftsaktion der Branche auf den Zahn.
DÜSSELDORF. "Wir sind dabei, die möglichen, internationalen Ansteckungswege zu analysieren. Das Ergebnis soll in Kürze an die Mitgliedsaufseher und die Kommission gehen", sagte Ceiops-Vorsitzender Thomas Steffen im Gespräch mit dem Handelsblatt.
Die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat bereits mehrere Umfragen zu den finanziellen Folgen der Finanzkrise bei ausgewählten Versicherungsunternehmen durchgeführt. Problemfälle, wie bei einigen Großbanken, scheint es demnach in der deutschen Versicherungsbranche nicht zu geben. Die aktuelle Situation der US-Kreditversicherer (siehe Seite 23) rät jedoch zur erhöhten Wachsamkeit.
Ceiops-Vorsitzender Steffen, in der Hauptfunktion erster Direktor der BaFin für die Versicherungsaufsicht, ist der Meinung, "dass alle Aufseher die weitere Marktentwicklung sehr aufmerksam beobachten müssen." Die Versicherer zählen immerhin zu den größten institutionellen Anlegern an den globalen Finanzmärkten. "Sie agieren nicht in einem Vakuum, sondern sind Teil der allgemeinen Marktentwicklung", betont Steffen.
Außerdem seien die Ansteckungswege zwischen Banken und Versicherern auf globaler Ebene zunehmend schwierig abzuschätzen. Es sei deshalb wichtig, "dass die Aufseher stärker zusammenarbeiten - gerade in turbulenten Zeiten - und zwar nicht nur in Europa, sondern auch mit den USA." Ceiops biete dazu eine wichtige europäische Plattform. Der deutsche Versicherungsaufseher hat seit März den Vorsitz in diesem europäischen Gremium inne.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Aufseher Steffen nennt gleich eine ganze Reihe von denkbaren und mögliche Risiken für Versicherer

