Die deutsche Derivatebörse Eurex steigt über eine Partnerschaft in den japanischen Markt ein. Ihre US-Tochter International Securities Exchange Holdings (ISE) werde mit der Börse Osaka ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, teilte das Unternehmen heute mit. Damit setzt sich die schnelle Interantionalisierung der japanischen Handelsplätze fort.
TOKIO. „Unsere Initiative wird den japanischen Markt für Optionen beleben und ein nützliches Werkzeug für Investoren schaffen“, sagte Osakas Börsenpräsident Michio Yoneda. Japanischen Medienberichten zufolge soll die neue Plattform 2009 öffnen. Die Osaka Securities Exchange (OSE) werde den Markt organisatorisch betreiben, das Handelssystem soll jedoch von der ISE kommen. Die Anzahl der in Osaka gehandelten Derivate soll etwa um den Faktor acht steigen und für die japanischen Kunden komfortabler werden, was neue Käufer anziehen dürfte. Bisher ist in Osaka der Handel mit Optionen auf 130 verschiedene Aktien möglich.
Die ISE mit Sitz in New York ist zusammen mit der Eurex nach Handelsumsatz die größte Derivatebörse weltweit. Derzeit läuft noch die Integration in die Deutsche Börse, einer der zwei Muttergesellschaften der Eurex. Die Software der ISE und die Struktur des Derivatehandels gelten als besonders fortschrittlich. Auf diese Technik könnte die Börse Osaka zugreifen, ohne selbst in Systementwicklung zu investieren. Die ISE würde im Gegenzug damit einen Fuß in die Tür des zweitgrößten Wertpapiermarkts der Welt bekommen.
Der Optionshandel spielt sich in Japan bisher auf geringerem Niveau ab als in Deutschland: Bisher sind dort komplexe Wertpapiere sowohl von institutionellen Investoren als auch von Privatanlegern noch nicht so gefragt. Finanzprodukte wie Zertifikate, die in Deutschland einen Massenmarkt für Optionen geschaffen haben, sind in Japan unbekannt. Vom potenziellen Wachstums dieses Anlagemarktes wollen die westlichen Börsenpartner nun profitieren.
Die Börse Osaka ist Japans größte Derivatebörse. Ihr wichtigstes Produkt sind Futures auf den Nikkei-Index der 225 wichtigsten japanischen Werte. Die OSE entwickelt sich derzeit langsam von einem Regionalspieler zu einem Konkurrenten des großen Bruders in Tokio. Die Tokyo Stock Exchange (TSE) knüpft jedoch ihrerseits neue Allianzen. Die Finanzplatzbetreiber Nyse Euronext und Chicago Board Options Exchange hätten die Börse Tokio ebenfalls nach dem Aufbau eines gemeinsamen Derivatemarkts gefragt, hieß es in Japan.
Nippons Handelsplätze holen derzeit im Schnellverfahren nach, was sie über Jahrzehnte verpasst haben: Sie internationalisieren ihr Geschäft. Die TSE verfügt bereits über Verbindungen in ganz Asien, nach London und nach New York. Auch in die Technik investieren die Betreiber derzeit. Die TSE plant für die kommenden zwei Jahre ihren eigenen Börsengang. Langfristig steuern die Börsen mit all diesen Allianzen auf den grenzenlosen Handel hin. Im bislang eher abgeriegelten Tokio ist beispielsweise seit diesem Jahr der Handel mit börsengehandelten Fonds aus dem Ausland möglich – es sind ausschließlich Produkte von Partnermärkten.

