Die Verhandlungen der Vierländerbörse Euronext mit der Mailänder Börse über einen Zusammenschluss kommen voran. Gleichzeitig erscheint eine Fusion mit der Deutschen Börse aber noch nicht komplett ausgeschlossen.
HB PARIS. Ein Sprecher der Borsa Italiana beschrieb ein erstes Treffen zwischen hochrangigen Vertretern am Dienstag als „extrem positiv“. Im Umfeld der Börse wurden allerdings italienische Medienberichte dementiert, wonach Euronext schon Mitte Juni ein Übernahmeangebot abgeben werde.
Sollte sich die Mailänder Börse der französisch dominierten Euronext anschließen, würde die Deutsche Börse einen weiteren potenziellen Partner verlieren. Ende letzter Woche hatte Euronext-Chef Jean-François Théodore bereits eine Fusion mit der New York Stock Exchange (Nyse) angekündigt. Perfekt ist dieser Zusammenschluss allerdings noch nicht, denn Politiker in Deutschland und Frankreich werben für eine Fusion der Euronext mit Frankfurt.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sagte gestern nach einem Treffen mit seinem französischen Kollegen Thierry Breton, es gebe in beiden Ländern das „klare Interesse, eine kontinentaleuropäische Konstruktion in den Vordergrund zu stellen“. Breton galt bisher als Kritiker einer Fusion von Paris und Frankfurt. Schon am Dienstag hatte sich Frankreichs Präsident Jacques Chirac für eine deutsch-französische Lösung ausgesprochen. Experten bezweifeln indes, dass die Politik die Fusion Euronext/Nyse stoppen kann. „Die Äußerungen Chiracs haben keine Relevanz“, sagte ein Euronext-Aktionär dem Handelsblatt. Auch Senator Philippe Marini von der französischen Regierungspartei UMP sagte, dass die Politik in dem Fall wenig Entscheidungsgewalt habe. Auch Steinbrück räumte ein, beide Regierungen hätten keinen Einfluss, weil sie nicht Anteilseigner der Börsen seien.
Ganz ausgeschlossen scheint eine deutsch-französische Fusion aber nicht mehr. „Vorher galt es als sicher, dass Euronext und Nyse sich annähern, Chirac hat einen winzigen Zweifel eingestreut“, sagte ein Analyst bei Kepler Securities. Wie Marini sieht er aber nur dann Chancen für die Deutsche Börse, falls sie sich von ihren Abwicklungsaktivitäten trennt, was die Frankfurter nicht wollen.
Derweil warnte der Chef der französischen Axa-Versicherung, Henri de Castries, das Management der Euronext davor, auf eine Fusion mit der Nyse zu drängen, solange noch nicht klar sei, ob die Deutsche Börse ihr Angebot nicht nachbessere. Parallel dazu hat Reto Francioni, Chef der Deutschen Börse, am Mittwoch offenbar Gespräche mit Aktionären der Euronext geführt.

