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17.03.2005 
Geldmarktprodukte und Anleiheportfolios beflügeln den Absatz

Europäischen Fondsanbietern gelingt die Wende im Vertrieb

von Ingo Narat, Handelsblatt

Im Januar kamen die Anlagegesellschaften auf den europäischen Fondsmärkten wieder ins Geschäft. Laut den Daten des Londoner Researchhauses Feri Fund Market Information (Feri FMI) verkauften die Anbieter in Europa netto (abzüglich Rückgaben der Anleger) Anteile im Gegenwert von 39,2 Milliarden Euro.

FRANKFURT/M. Im Vormonat Dezember waren noch per saldo knapp 0,3 Mrd. Euro abgeflossen. Grund des Umschwungs sind starke Investments in Geldmarktfonds, aber auch Zuflüsse in Anleiheprodukte. „Der Januar ist zwar aus saisonalen Gründen tendenziell ein guter Monat“, sagt Feri-FMI-Chefin Diana Mackay in London. Aber die Absatzzahlen liegen auch deutlich über dem Vergleichswert des Vorjahres. Dabei bleiben die Anleger laut Mackay relativ vorsichtig.

Vertreter großer Fondshäuser bestätigen diese Einschätzung. Sie registrieren ebenfalls Zulauf zu risikoarmen Produkten. „Ein Großteil des Nettoabsatzes in Frankreich und Deutschland geht auf Dispositionen von Firmen zurück, die sich aus bilanziellen Gründen zu Jahresbeginn wieder bei Geldmarktfonds engagieren“, sagt Gilles Guerin, Vorstandsmitglied bei Ixis Asset Management Groupe Caisse d’Epargne. Die Anlagegesellschaft der französischen Sparkassen führt die europäische Verkaufshitliste für Januar mit knapp 2,2 Mrd. Euro an.

Auch bei den folgenden Adressen Deutsche Bank/DWS und Allianz Global Investors spielen Geldmarktfonds eine große Rolle. „Vor dem Jahresende gehen die Unternehmen raus, im neuen Jahr steigen sie wieder ein“, bestätigt Sven-Erik Knoop. Er leitet den europäischen Vertrieb bei der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS. Arnd Thorn, in ähnlicher Position bei Allianz Global Investors, schreibt „rund zwei Drittel unserer Nettoverkäufe Geldmarktfonds und Anleiheportfolios zu“. Während der Absatz von Geldmarktfonds europaweit von minus 18,3 Mrd. Euro im Dezember auf plus 16,6 Mrd. Euro im Januar sprang, stiegen die Zuflüsse bei den Rentenfonds von 9,9 auf 11,6 Mrd. Euro.

Für die nächsten Monate erwarten die Experten eine anhaltende Nachfrage nach risikoarmen Angeboten. „Die Anleger suchen Sicherheit und wollen oft einen Schnaps Mehrrendite“, beobachtet Knoop. In diese Gruppen fallen seiner Meinung nach spezielle Anleiheprodukte für höher verzinsliche Bonds etwa aus dem Unternehmensbereich oder solche mit so genanntem Total-Return-Ansatz, die gezielt auch Währungs- oder Bonitätsverschiebungen nutzen wollen.

Der DWS-Mann registriert außerdem Nachfrage nach Aktienfonds mit konservativer Ausrichtung, die auf Titel mit hoher Dividende setzen. Allianz-Mann Thorn stimmt zu: „Damit machen wir ein Drittel unserer Verkäufe, das sehe ich auch als Branchentrend zumindest bis zur Jahresmitte.“ Dennoch lagen die Nettoverkäufe von Aktienfonds im Januar europaweit bei 7,2 Mrd. Euro und damit leicht über dem Dezemberwert von 5,7 Mrd. Euro.

Knoop räumt ein: „Einen massiven Run auf Aktienfonds erwarte ich nicht.“ Doch hier ist Guerin anderer Meinung. „Die Anleger werden allmählich wieder Appetit bekommen.“ Der Franzose beruft sich auf das „allgemeine Gefühl, dass das Schlimmste bei Aktien ausgestanden ist und gleichzeitig die Sorgen über die weitere Entwicklung bei den Anleihen wachsen“. Sein Ausblick: „Die zurückhaltenden Anleger werden Produkte mit Garantien kaufen, die mutigen reinrassige Aktienfonds.“

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