Ex-HSH-Nordbank-Chef: Nonnenmacher darf Millionen-Abfindung behalten

Ex-HSH-Nordbank-Chef
Nonnenmacher darf Millionen-Abfindung behalten

Mehr als vier Millionen Euro hat Dirk Jens Nonnenmacher bei seinem Abschied von der HSH Nordbank erhalten. Angeklagt wegen Untreue, muss er auch bei Verurteilung nicht um das Geld bangen – dank des Aufhebungsvertrags.

DüsseldorfDirk Jens Nonnenmacher werden Untreue und Bilanzfälschung vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat den Ex-Chef der HSH Nordbank Anfang des Jahres angeklagt. Finanziell hat Nonnenmacher dennoch ausgesorgt. Ob er verurteilt wird oder nicht, die Abfindung der Landesbank in Höhe von mehr als vier Millionen Euro darf Nonnenmacher behalten.

Berichten des NDR und der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge fehlt im Aufhebungsvertrag des Kreditinstituts mit Nonnenmacher eine entsprechende Klausel, nach der die HSH Nordbank die Abfindung bei einer Verurteilung des 49-Jährigen zurückerhält. Und das, obwohl die Eigentümer der Bank, die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, dies vor dem Abschluss des Vertrages ausdrücklich gefordert haben sollen.

„Es kann nicht sein, dass die HSH Nordbank im Fall einer Verurteilung einem Arbeitnehmer Millionen zahlt, dem eine Straftat nachgewiesen worden ist“, wird Wolfgang Kubicki, FDP-Fraktionsvorsitzender im Kieler Landtag, in den Berichten zitiert. In der Schusslinie steht nun Hilmar Kopper. Der Aufsichtsratschef der Landesbank war für den Aufhebungsvertrag verantwortlich.

Kopper soll laut den Recherchen von NDR und „Süddeutscher Zeitung“ vom damaligen schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister Jost de Jager im November 2010 schriftlich dazu aufgefordert worden sein, eine entsprechende Regelung zur Rückzahlung von Abfindungszahlungen im Vertrag aufzunehmen, „wenn es im Nachhinein zu einer strafrechtlichen Verurteilung in Zusammenhang mit der Ausübung der Vorstandstätigkeit kommen sollte“.

Kubicki sieht bei Kopper einen „Anfangsverdacht der Untreue“. Die Länder sollten „darüber nachdenken, ob Herr Kopper seinen Aufgaben gewachsen ist“, wird der FDP-Politiker zitiert. Auch der Hamburger Strafrechtler Gerhard Strate sieht einen Pflichtverstoß des ehemaligen Deutsche-Bank-Chefs Kopper: „Der Aufhebungsvertrag wahrt nur die Interessen von Herrn Nonnenmacher.“

Nonnenmacher und weitere Vorstandsmitglieder der HSH Nordbank wurden Anfang des Jahres von der Staatsanwaltschaft Hamburg angeklagt. Sie sollen mit komplizierten Finanztransaktionen dem Institut einen Schaden von mehr als 150 Millionen Euro zugefügt haben. Die früheren Vorstände wiesen die Anschuldigungen zurück. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, würden nach Angaben aus Kreisen die Schadenersatzansprüche der Bank die Summe der Abfindung um ein Vielfaches übersteigen.

Auf Druck der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein hatte Nonnenmacher seinen Posten Anfang 2011 verloren. Kopper soll sich stets für einen Verbleib des Mathematikprofessors ausgesprochen haben. Die Millionen-Abfindung führte schon damals zu heftigen Diskussionen. (mit dpa)

 
Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
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