Die beiden Hypothekengiganten Freddie Mac und Fannie Mae stehen nach Ansicht von Experten offenbar vor der Pleite. Derweil fordern Fed-Chef Ben Bernanke und Finanzminister Henry Paulson eine umfassende und langfristig ausgerichtete Reform der Banken- und Finanzaufsicht, damit sich die Finanzkrise nicht wiederholt.
Hauptverwaltung von Freddie Mac in McLean, Virginia: Der zweitgrößte US-Immobilienfinanzierer sorgt für Nervosität. Foto: dpa
HB NEW YORK/WASHINGTON. Der frühere Präsident der Notenbank Fed von St. Louis, William Poole, sagte, der Kongress „erlaubt es ihnen nur aus Prestigegründen weiter zu existieren.“ Gleichzeitig warben am Donnerstag Fed-Chef Ben Bernanke und Finanzminister Henry Paulson vor Abgeordneten des US-Kongresses für eine umfassende und langfristig ausgerichtete Reform der Banken- und Finanzaufsicht, damit sich die jüngste Kreditkrise nicht wiederholt.
Bei Freddie Mac überstiegen im ersten Quartal die Verbindlichkeiten die Vermögenswerte um 5,2 Mrd. Dollar (3,3 Mrd. Euro). Damit wäre der Hypothekenfinanzierer nach den Bilanzierungsvorschriften gemäß fairem Wert insolvent. Der faire Wert der Vermögenswerte des größeren Schwesterinstituts Fannie Mae ist um 66 Prozent auf 12,2 Mrd. Dollar gesunken und dürfte nächstes Quartal negativ werden, erwartet Poole.
Die Wahrscheinlichkeit nehme zu, dass die USA den beiden Hypothekenfinanzierern zur Hilfe eilen müssten, sagte Poole weiter. „Der Kongress sollte zugeben, dass die Gesellschaften insolvent sind.“
Die US-Aufsichtsbehörde für Hypothekenfinanzierer (Ofheo) ist Gerüchten entgegengetreten, wonach die zwei angeschlagenen Institute vor der Pleite stehen sollen. Die beiden Hypothekenverleiher verfügten über ausreichend Kapital, um ihre Aufgaben zu erfüllen, teilte die Behörde am Donnerstag mit. „Wir haben eine Eigenkapitalposition, mit der wir unsere vom Kongress erteilte Mission jetzt und in Zukunft erfüllen können“, sagte ein Fannie-Mae-Sprecher. „Poole ist ein langjähriger Kritiker“, ergänzte eine Sprecherin bei Freddie Mac. „Wir sind kapitalmäßig gut ausgestattet.“
Dennoch setzten die Aktien der beiden Hypothekenverleiher ihre Talfahrt fort und schlossen am Donnerstag mit deutlichen Verlusten an der New Yorker Börse.
Fannie Mae und Freddie Mac besitzen beide eine implizite Staatsgarantie. Sie nehmen Kapital am Anleihemarkt auf und reinvestieren es in höher verzinsliche Hypotheken und Hypothekenanleihen. Sie besitzen oder garantieren etwa die Hälfte der Eigenheim-Hypotheken im Volumen von zwölf Bill. Dollar, die es am US-Markt gibt.

