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01.07.2008 
Neue Geschäftsfelder

Finanzinvestoren auf Abwegen

von Michael Maisch

Weil ihr Kerngeschäft geradezu eingebrochen ist, muss die Private-Equity-Branche zunehmend in neue Bereiche vorstoßen. Doch oft haben die Manager wenig Ahnung, worauf sie sich da einlassen. Nun fürchten viele Großanleger um ihr Geld.

Der New Yorker Sitz des Finanzinvestors Blackstone: Das Kerngeschäft reicht nicht mehr. Foto: APLupe

Der New Yorker Sitz des Finanzinvestors Blackstone: Das Kerngeschäft reicht nicht mehr. Foto: AP

LONDON. Immer mehr Investoren sehen die Private-Equity-Branche mit Misstrauen. Die Großanleger fürchten um ihre Investitionen, weil sich die Finanzinvestoren gezwungen durch die Kreditkrise von ihrem Kerngeschäft entfernen und in neue Bereiche vorstoßen, auf denen sie weniger Erfahrung haben.

Einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Coller Capital zufolge sehen fast drei Viertel aller Großinvestoren die Gefahr, dass die Renditen ihrer Private-Equity-Anlagen leiden, weil sich die Beteiligungsgesellschaften neuen Strategien zuwenden. In der Fachsprache nennt sich dieses Phänomen „Style Drift“. Vermögensverwalter verlagern ihren Anlageschwerpunkt und verfolgen Strategien, die sie für renditeträchtiger halten als ihren klassischen Ansatz, die aber Verlustrisiken bergen, weil vielen Managern die Expertise für die neuen Gebiete fehlt.

Die Private-Equity-Branche gehört zu den großen Leidtragenden der Kreditkrise. Zu Beginn der Verwerfungen blieben die internationalen Großbanken auf mehreren hundert Milliarden Dollar Übernahmefinanzierungen für Beteiligungsgesellschaften sitzen, die sie plötzlich nicht mehr wie geplant über den Markt weiter verkaufen konnten. Auch ein Jahr nach Ausbruch der Krise sind die Banken noch damit beschäftigt, diesen Rückstau abzuarbeiten. Darüber hinaus sind die Institute nach bislang über 400 Mrd. Dollar Abschreibungen für Schäden aus der Finanzkrise deutlich risikoscheuer geworden.

Beide Effekte führen dazu, dass es Beteiligungsgesellschaften immer schwerer fällt, Finanzierungen für große Übernahmen mit einem Volumen von mehreren Milliarden Dollar zusammen zu bekommen, wie sie während des Buy-Out-Booms der vergangenen Jahre an der Tagesordnung waren. Während der Hochphase bescherten gute Private-Equity-Fonds ihren Investoren regelmäßig Renditen von 20 Prozent und mehr. Nach sechs Jahren kontiniuierlichem Wachstum sackte das Volumen von Übernahmen durch Beteiligungsgesellschaften im zweiten Quartal dieses Jahres allerdings weltweit auf 62 Mrd. Dollar ab. Das sind 80 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. „Die Zeit der großen Private-Equity-Übernahmen ist auf absehbare Zeit einmal vorbei“, konstatiert ein Londoner Investmentbanker. „Die Beteiligungsgesellschaften müssen nach neuen Anlagemöglichkeiten für die Milliarden in ihren Fonds suchen, und das bereitet vielen Anlegern Sorgen“.

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