Vor allem in Großbritannien steht die Private-Equity-Branche derzeit am Pranger. Bisher hat die Beteiligungsbranche eher unkoordiniert und vor allem über die Verbände versucht, sich gegen die Vorwürfe zu wehren. Jetzt fordern die Manager von Private Equity mehr Rückendeckung von ihren institutionellen Geldgebern.
Man arbeite hart daran, unbegründete Kritik zu widerlegen, sagte Javier Loizaga im Vorfeld des Genfer Investorentreffens der EVCA. Foto: PR
FRANKFURT. Die Beteiligungsbranche fordert ihre institutionellen Geldgeber auf, sich stärker in die öffentliche Diskussion um die Rolle von Private Equity einzumischen. Pensionsfonds, Versicherungskonzerne und die Banken profitierten von den hohen Renditen der Branche. Deshalb könne man mehr Unterstützung in der aktuellen Debatte erwarten, sagte der Generalsekretär des europäischen Verbands EVCA, Javier Echarri, gegenüber dem Handelsblatt. Im Vorfeld des Genfer Investorentreffens der EVCA in dieser Woche ergänzte Verbandskollege Javier Loizaga, die Branche stehe im Rampenlicht der Politiker und der öffentlichen Meinung. Man arbeite hart daran, unbegründete Kritik zu widerlegen, jedoch könne dies der Verband nicht alleine bewältigen.
Vor allem in Großbritannien steht die Private-Equity-Branche derzeit am Pranger. Ein Auslöser waren Entlassungen beim Automobilclub AA, der von zwei Finanzinvestoren übernommen worden war. Nun fordern Gewerkschaften, Politiker und sogar der Industrieverband CBI mehr oder weniger offen eine stärkere Regulierung der Fonds.
Bisher hat die Beteiligungsbranche eher unkoordiniert und vor allem über die Verbände versucht, sich gegen die Vorwürfe zu wehren. Jetzt sollen offenbar stärker die institutionellen Geldgeber wie Versorgungswerke und Versicherungen mobilisiert werden. Sie profitierten auch im vergangenen Jahr nach vorläufigen Zahlen des Verbandes ganz erheblich von den Finanzinvestoren. Die Nettorendite der Fonds lag 2006 im Mittel bei 21,3 Prozent nach 33 Prozent im Jahr zuvor. Interessanter sind aber Langfristvergleiche, weil die Daten einzelner Jahrgänge stark schwanken. Seit Beginn der Berechnungen vor 27 Jahren habe die Rendite pro Jahr bei 10,3 Prozent gelegen, mit Aktien und Anleihen seien dagegen jährlich nur 5,5 Prozent erzielt worden, erläuterte David Bernard, Private-Equity-Experte beim Informationsanbieter Thomson Financial. Die Pensionsfonds seien auf die Finanzinvestoren angewiesen, weil sie sonst die Rentenzusagen für die Generation der „Baby-Boomer“ nicht einhalten könnten, so Bernard. Deshalb sei auch in Zukunft mit einem stetigen Zufluss neuer Gelder in die Beteiligungsfonds zu rechnen. Außerdem hätten die professionellen Vermögensverwalter die Anteile für Private Equity auf Jahre hinaus festgelegt, hier sei nicht mit abrupten Kursänderungen zu rechnen.
Auf der Investitionsseite will der Verband EVCA wegkommen von der Medienkonzentration auf die Mega-Deals und mehr das Tagesgeschäft herausstellen. Generalsekretär Echarri verweist darauf, dass 2006 rund 8 500 Investments getätigt wurden, das durchschnittliche Transaktionsvolumen habe dabei nur bei 17 Mill. Euro gelegen. Hierüber werde zu wenig gesprochen, obwohl kleinere Beteiligungen das Kerngeschäft seien. Für Hans Bethge, Partner bei Angermann M&A International, wird Private Equity etwa im deutschen Mittelstand kontinuierlich bekannter werden, verbunden mit einer häufigeren Nutzung bei Finanzierungen und Nachfolgeregelungen. „Der Mittelstand gewinnt für Beteiligungsfirmen an Attraktivität, da hier die Preise nicht so hochgegangen sind wie bei den Großunternehmen“, ergänzt Bethge.

