Rasche Erfolge sind bei der Konsolidierung der noch sieben eigenständigen Landesbanken derzeit nicht abzusehen. Zumindest kann sich der Vorstandsvorsitzende der Landesbank Baden-Württemberg, Siegfried Jaschinski, nur schwer einen Einstieg bei der BayernLB vorstellen, wenn sich ein Finanzinvestor beteiligen sollte. Die mögliche Fusion der beiden Finanzhäuser rückt damit offenbar in weite Ferne.
LBBW-Chef Siegfried Jaschinski glaubt, dass ein Finanzinvestor Fusionsgespräche mit der BayernLB erschweren wird. Foto: AP
fmd/hgn/hjk/oli STUTTGART. „Die Struktur wäre sehr kompliziert, wenn bei Gesprächen zwischen der BayernLB und der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) noch ein Dritter am Tisch säße“, gab Jaschinski in einem Gespräch mit dem Handelsblatt zu verstehen. Selbst brauche die LBBW kein Kapital.
Bislang gingen Finanzkreise davon aus, dass nach der Landtagswahl in Bayern am 28. September ernsthafte Versuche von den Eignern unternommen werden, die beiden größten Landesbanken zu fusionieren. Doch diese Hoffnung schwindet. Anders als zunächst kolportiert, scheinen die Gespräche bei der BayernLB über eine Minderheitsbeteiligung durch einen Finanzinvestor durchaus in einem strukturierten Rahmen stattzufinden. So sollen bis 2. Oktober unverbindliche Angebote bei der Investmentbank Goldman Sachs eingehen, die Finanzkreisen zufolge mit dem Prozess betraut wurde. Über die bekannten Interessenten JC Flowers und Cerberus hinaus soll zumindest auch das US-Haus Kohlberg Kravis Robert (KKR) ein Engagement prüfen. Goldman und KKR lehnten eine Stellungnahme ab.
Das Werben der BayernLB um Finanzinvestoren überrascht Jaschinski „überhaupt nicht“. Die BayernLB lote alle Optionen aus und prüfe dabei auch einen Einstieg von Finanzinvestoren. „Das unterstreicht ja auch, dass die Dinge im Süden längst noch nicht fixiert sind“, sagte Jaschinski.
Beide Landesbanken haben bedingt durch die Finanzmarktbelastungen ein negatives Halbjahresergebnis ausgewiesen. Doch während die LBBW die Belastungen bislang aus eigener Kraft schultern konnte und zudem noch die krisengeschüttelte SachsenLB übernahm, musste die BayernLB auf die Hilfe ihrer Eigner zurückgreifen. Ein etwa 20 Mrd. Euro schweres Wertpapierportfolio soll ausgegliedert und mit einer milliardenschweren Bürgschaft der Sparkassen, des Landes Bayern und eines Finanzinvestors – wahrscheinlich Goldman Sachs – versehen werden. Bei der Kommission wurde dieses Vorhaben mittlerweile angezeigt. Wenn die Kommission die Bürgschaft als Beihilfe wertet, ist mit Auflagen zu rechnen.
Für Jaschinski gibt es in der Finanzmarktkrise keinen zwingenden Druck, Fusionsthemen zu beschleunigen. „Wir brauchen Geschäftsmodelle, die krisenfest sind“, so Jaschinski. Ratingagenturen hätten der Landesbank eine schlechtere Bonitätsbewertung in Aussicht gestellt, wenn nach einer Fusion mit einer anderen Landesbank kein überzeugendes Geschäftsmodell vorliegen sollte. Wenn sich das Rating verschlechtert, verteuert sich die Refinanzierung. Derzeit stuft die Ratingagentur Standard & Poor’s die LBBW mit einem auskömmlichen A+ ein. Damit verfügt die LBBW, die sich als Hausbank für den Mittelstand und den gehobenen Privatkunden versteht, über das beste Rating unter den Landesbanken. Allerdings würde das Rating der LBBW deutlich schlechter ausfallen, wenn das Land Baden-Württemberg nicht hinter dem Institut stände.
Jaschinski verhehlt nicht, dass er einer Liaison mit der BayernLB durchaus Charme abgewinnen könnte. Durch eine Verbindung zur BayernLB würde sich beispielsweise das Eigenkapital verdoppeln. „Und mit mehr Eigenkapital könnten wir auch größere Kunden bedienen“, sagt der LBBW-Chef. Transaktionen wie die Finanzierung von Schaeffler für die Übernahme von Conti hätten die Bedeutung des Eigenkapitals für die Großkreditgrenze nach dem Kreditwesengesetz gezeigt.
Die gegenwärtige Zeit sei eine Zeit des Abtastens unter den Landesbanken. „Wir testen, wie man aus den bestehenden Modellen einen Mehrwert für ein kundenorientiertes Geschäftsmodell schaffen könnte.“

