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25.07.2008 
Aktien geben nach

Finanzkrise erfasst Rückversicherer

Die Finanzkrise Deutschlands größte Rückversicherer Münchener Rück und Hannover Rück mit voller Wucht erfasst. Die Münchner senkten am Freitag überraschend ihre Gewinnprognose für 2008, der hannoversche Konzern stellte seine Ziele zumindest in Frage. Die Aktien der beiden Unternehmen stürzten daraufhin ab

Die Münchener Rück kämpft mit den Auswirkungen der Finanzkrise. Foto: dpaLupe

Die Münchener Rück kämpft mit den Auswirkungen der Finanzkrise. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Auch die Papiere anderer Branchengrößen wie der Allianz kamen unter die Räder. Versicherer gehören zu den größten Anlegern an den Aktienmärkten, die von der Finanzkrise ausgelöste Baisse schlägt deshalb auf die Bilanzen der Assekuranzen durch.

Die Münchener Rück rechnet im laufenden Jahr nur noch mit einem Nettogewinn von „deutlich“ mehr als zwei Mrd. Euro, bisher hatte sie 3,0 bis 3,4 Mrd. angepeilt. 2007 hatte der weltweit zweitgrößte Rückversicherer - begünstigt von Sondereffekten - noch einen Rekordgewinn von 3,9 Mrd. Euro eingefahren. Die Aktien der Münchner brachen um neun Prozent auf rund 106 Euro ein und waren größter Verlierer im Leitindex Dax. Die Papiere der Allianz büßten fünf Prozent auf unter 109 Euro ein.

Der Überschuss der Münchener Rück fiel vorläufigen Zahlen zufolge im zweiten Quartal auf rund 600 Mill. (Vorjahr 1,16 Milliarden) Euro, im ersten Halbjahr waren es rund 1,4 (2,1) Mrd. Euro. „Maßgeblicher Grund hierfür sind die Turbulenzen an den Kapitalmärkten, die im ersten Halbjahr 2008 zu einem spürbaren Rückgang des Kapitalanlageergebnisses geführt haben“, hieß es in einer Mitteilung. Details will das Unternehmen am 6. August vorlegen. Einen Tag später sollen die Zahlen der Allianz folgen.

Die Hannover Rück äußerte sich wegen der Talfahrt an den Börsen - der Dax ist von Januar bis Ende Juni um knapp ein Viertel gesunken - ebenfalls skeptisch zum Geschäftsverlauf: „Die Prognose stand unter Vorbehalt sich beruhigender Kapitalmärkte“, sagte ein Sprecher des weltweit viertgrößten Rückversicherers. „Die Beruhigung hat sich bislang nicht eingestellt.“ Daher könne es schwierig werden, die angepeilten Ziele eines Nettogewinns von fünf Euro je Aktie und einer Eigenkapitalrendite von über 15 Prozent zu erreichen. Hannover-Rück-Aktien stürzten mehr als sieben Prozent auf rund 30 Euro ab und waren Tagesverlierer im Nebenwerte-Index MDax.

Die Münchener Rück ist mit Kapitalanlagen von rund 166 Mrd. Euro einer der größten Investoren der Welt. Knapp sieben Prozent liegen in Aktien. Hier sei es zu erheblichen Abschreibungen gekommen. Geringere Wertkorrekturen mussten bei festverzinslichen Wertpapieren vorgenommen werden, die traditionell den Anlageschwerpunkt von Versicherern bilden.

Weitere Abschreibungen auf Aktien schlossen die Münchner nicht aus. „Dies gilt nicht, wenn es zu der von einigen Marktteilnehmern erwarteten signifikanten Kurserholung kommen sollte.“ Bislang war die Münchener Rück von der US-Hypothekenkrise und ihren heftigen Nachwehen an den Börsen kaum betroffen. Es wurden bis Ende März nur Abschreibungen von 171 Mill. Euro fällig. Finanzchef Jörg Schneider bekräftigte aber, den Gewinn je Aktie bis 2010 auf mehr als 18 Euro steigern zu wollen. Er hielt auch an den angekündigten Aktienrückkäufen fest.

Die Münchener-Rück-Tochter Ergo senkte ebenfalls ihre Prognosen. Das Konzernergebnis werde 2008 zwischen 320 und 380 Mill. Euro liegen, bisher waren 480 bis 600 Mill. vorgesehen. Bis 2012 sollen es 900 Mill. Euro werden. Auch Deutschlands zweitgrößter Erstversicherer nach der Allianz hat im ersten Halbjahr die Börsenflaute gespürt. Der Gewinn lag mit 269 Mill. Euro ein Drittel unter dem Vorjahreswert.

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