0 Bewertungen
15.01.2008 

Nüchtern sehen auch die Verantwortlichen in den betroffenen Ländern selbst die Situation. So sagte Wassili Titow, Vizechef der VTB Bank, des zweitgrößten Geldhauses in Russland, dem Handelsblatt: „Es ist möglich, dass wir gewisse Auswirkungen sehen. Das Wachstum in Russland und anderen osteuropäischen Ländern wird sich wahrscheinlich abschwächen.“

Gleiches gilt auch für die Aktienmärkte, wo Kurssteigerungen wie bisher für das Jahr 2008 nicht mehr zu erwarten sind. „Das etwas langsamere globale Wachstum wird 2008 wohl eine schwächere Aktienperformance nach sich ziehen“, glaubt Henning Esskuchen, Co-Chef der Equity-Research-Einheit bei der Ersten Bank. Optimismus schöpft Esskuchen daraus, dass die in Osteuropa engagierten Unternehmen in den vergangenen Jahren in der Region gut verdient und genügend Geld für Investitionen haben – trotz der „Dämpfung des Wachstums“. Eine überraschende Entwicklung sieht die Erste Bank in der aktuellen Situation nicht. Rückschläge habe es immer wieder gegeben, „allerdings immer nur auf ein Land bezogen“, wie ein Sprecher einräumt.

Während österreichische Finanzdienstleister zu den Marktführern in Osteuropa gehören, haben deutsche Kreditinstitute nach Stepics Einschätzung den Trend verschlafen und auch „keine Chance“ mehr, den Rückstand aufzuholen.

Aus Sicht der Deutschen Bank ist dies unter den gegenwärtigen Vorzeichen allerdings auch nicht besonders erstrebenswert. „Nach einer Phase starken Wachstums in Südosteuropa glauben wir, es ist Zeit, vorsichtiger zu werden“, schreibt Deutsche-Bank-Analystin Gaelle Cibelly in einer aktuellen Studie. Grund sei die aktuelle Schwäche der Weltwirtschaft in Kombination mit den Turbulenzen an den Märkten.

Dies in Verbindung mit geringeren Wachstumsaussichten könne zu einer harten Landung in Osteuropa führen. „Unserer Einschätzung nach ist Rumänien auf kürzere Sicht das Land mit dem höchsten Risiko, gefolgt von Bulgarien.“ Die Frankfurter haben deswegen die Kursziele für die in Osteuropa engagierten österreichischen Banken zum Teil deutlich gesenkt.


Gebremstes Wachstum

Teure Kredite
In vielen Ländern Osteuropas wird die hohe Kreditvergabe mehr und mehr zum Problem. Sie ist in einigen Ländern etwa doppelt so stark gestiegen wie die Einlagen. Das führt zu einem starken Refinanzierungsbedarf der Banken – was zu den aktuellen Konditionen teuer ist.


Tabelle  Tabelle: Kreditvergabe in ausgewählten Ländern Osteuropas


Frostiges Klima
Entsprechend zurückhaltend bezeichnen Bankökonomen die Wachstumsaussichten für Osteuropa: „frostig, heiter“. Darin spiegelt sich ihre gemischte Gefühlslage: Das Wachstum war schon besser, ist aber im Vergleich zu Westeuropa immer noch sehr gut.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Gefährdete Neubauten  Artikel in Merkliste

06.09.2008, 17:14 Uhr

Gestiegene Baukosten und schwierigere Finanzierung machen Projektentwicklern zu schaffen. Für das ein oder andere Projekt bedeutete das bereits das Aus. Die Unternehmen klagen, dass im Gegensatz zu den Preisen die Mieten konstant geblieben wären. Artikel


Anzeige