Kemmer bekannte sich aber ausdrücklich zu seiner Mitverantwortung für die Turbulenzen. Er sei seit zwei Jahren im Vorstand. Jetzt sei entscheidend, „dass die heilsame Kraft, die in jedem Fehler steckt, auch aktiviert wird“.
Nach dem Vorbild der WestLB will auch die BayernLB riskante Wertpapiere im Nennwert von 24 Mrd. Euro in eine Tochtergesellschaft auslagern. Zur Abschirmung möglicher Ausfälle will sie selbst 1,2 Mrd. Euro bereitstellen. Der Freistaat und die Sparkassen sollen weitere 4,8 Mrd. zur Verfügung stellen. Ob das Manöver mit dem Europarecht vereinbar ist, ist allerdings strittig.
Wegen der geplanten Auslagerung der riskanten Wertpapiere sei eine Erhöhung des Grundkapitals „nach menschlichem Ermessen“ auszuschließen, sagte der BayernLB-Chef. Die Kernkapitalquote lag Ende 2007 bei 7,4 Prozent und damit deutlich über der kritischen Schwelle von fünf Prozent. Falls sich für die Bank aber Wachstumsmöglichkeiten ergäben, könne er sich vorstellen, dass die Eigentümer zusätzliches Geld zur Verfügung stellen würden, sagte Kemmer.
Die BayernLB prüft trotz Milliardenbelastungen im Zuge der Finanzmarktkrise weiter eine Übernahme der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB. „Wir wollen im Mittelstand wachsen und die IKB ist auf dem Markt. Es wäre also fahrlässig, sich so etwas nicht anzuschauen.“
Die BayernLB hält nach Kemmers Worten sogenannte strukturierte Wertpapiere in Höhe von 32 Mrd. Euro, „vorwiegend erster Bonität“. Der Vorwurf der Zockerei sei völlig verfehlt. Das Problem sei, „dass es für diese Papiere keinen Markt mehr gibt“. Über die künftige Entwicklung sei keine seriöse Aussage möglich.
Landtag will Untersuchungsausschuss einsetzen
Der bayerische Landtag will am Nachmittag einen Untersuchungsausschuss einsetzen, um die Rolle von Finanzminister Erwin Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein im Aufsichtsgremium der BayernLB zu durchleuchten. SPD und Grüne werfen CSU-Chef Huber vor, den Landtag über das Ausmaß der Schäden belogen zu haben. Der Untersuchungsausschuss soll bis zur bayerischen Landtagswahl im September tagen.
Beckstein verteidigte seinen Finanzminister, der stellvertretender Verwaltungsratschef der BayernLB ist. „Es ist ein Schmarrn zu glauben, das habe Erwin Huber in fünf Monaten verschuldet“, sagte er dem Bayerischen Rundfunk.
Huber hatte Berichte über Milliardenschäden aus zweitklassigen US-Anleihen noch am 12. Februar als Spekulationen abgetan. Einen Tag später hatte die BayernLB überraschend Belastungen in Höhe von 1,9 Mrd. Euro bekannt gegeben. Seither fordern SPD und Grüne Hubers Rücktritt.
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