Auch die brasilianischen Banken bekommen die internationale Finanzkrise zu spüren - allerdings gedämpfter als ihre internationalen Konkurrenten: Geringe Schulden im Ausland und ein lukrativer Heimatmarkt haben ihr Wachstum gerettet.
SÃO PAULO. Erstmals seit vier Jahren wuchsen die Quartalsgewinne der brasilianischen Banken nicht mehr zweistellig. Der Gewinn der privat geführten Banken blieb ungefähr auf Vorjahresniveau. Das ergab eine Untersuchung der Halbjahresergebnisse brasilianischer Finanzinstitute von der Unternehmensberatung Austin Ratings. Die drei brasilianischen Marktführer konnten ihren Gewinn sogar leicht steigern, Bradesco
um 2,5 Prozent, Itaú
um 1,7 Prozent und Unibanco sogar um 5,3 Prozent. An den Aktienmärkten wurden die Ergebnisse honoriert: Unter den weltweit 25 größten Banken nach Marktkapitalisierung zählen die Aktien der brasilianischen Marktführer zu den wenigen, die nach einem Jahr Krise positiv abschneiden: Die in New York gehandelten Aktien von Itaú
gewannen in zwölf Monaten 19,4 Prozent, die Papiere von Bradesco
legten um 18,2 Prozent zu.
Die Banken kommen besser durch die Finanzkrise, weil sie sich kaum im Ausland verschuldet hatten. "Das Schwergewicht der Aktivitäten der brasilianischen Banken liegt im eigenen Land", beobachtet Peter Shaw, Bankexperte für Lateinamerika von Fitch Ratings. Die Geldhäuser hatten es nicht nötig, sich im Ausland nach hochverzinsten, risikoreichen Anleihen umzuschauen - sie verdienen prächtig an ihrem Inlandsgeschäft: Einerseits, weil der brasilianische Staat ihnen weltweit die höchsten Zinsen zahlt, wenn sie ihm Geld leihen. Der Leitzins liegt derzeit bei 13 Prozent, bei einer Inflation von rund sechs Prozent. Gleichzeitig hat das Kreditvolumen stark zugenommen, von 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) vor fünf Jahren auf inzwischen 50 Prozent des BIP. Auch an den Gebühren konnten die Banken bis vor kurzem noch prächtig verdienen, bis ihnen die Regierung Grenzen gesetzt hat. "Brasiliens Banken haben die höchste Eigenkapitalrendite weltweit", sagt Celina Vansetti, Bankenexpertin von der Ratingagentur Moody?s für Lateinamerika.
Dennoch hinterlässt die Finanzkrise auch bei den brasilianischen Geldhäusern ihre Spuren, denn ihre Finanzierungskosten haben sich erhöht. Für die großen Banken wird es schwerer, Kapital im Ausland aufzunehmen. "Die Folge ist, dass sie für ihre Finanzierung auf den Inlandsmarkt ausweichen", beobachtet Fábio Barbosa, Präsident der Bankenvereinigung Febraban. "Dort sind die Kosten gestiegen, weil die höhere Nachfrage nach Kapital auf ein gleichbleibendes Angebot gestoßen ist." Zusammen mit gesetzlich verfügten, niedrigeren Gebühren und höheren Steuern hat das zu schrumpfenden Margen geführt: Nach der Untersuchung von Austin Rating sank die Rentabilität im Bankensektor im ersten Halbjahr im Schnitt von 28 auf 24 Prozent - was im weltweiten Vergleich immer noch Spitzenwerte sind. "Die Rentabilität wird aber weiter abnehmen", erwartet Antonio Borges Matias von der Universität Inepad in São Paulo.
Die größeren Institute kommen über die Einlagen ihrer Kunden besser an Kapital als mittlere und kleine Geldhäuser, die bei der Finanzierung stark von institutionellen Investoren abhängen. Von den neun Banken, die im letzten Jahr an die Börse gegangen sind, verzeichnen deswegen inzwischen alle Kursverluste seit ihrem IPO. Den mittleren Banken fehlt auch der finanzielle Atem, um die Erträge aus dem Kreditgeschäft zu steigern - eine der Möglichkeiten, um die schrumpfenden Margen auszugleichen. Das haben die großen Universalbanken vor: Sie rechnen mit einem weiter steigenden Kreditvolumen. Sowohl Bradesco
als auch Itaú
rechnen 2008 mit einem Kreditwachstum von 25 bis 30 Prozent.
Das steigende Ausfallrisiko angesichts höherer Zinsen und einer schwächeren Konjunktur bereitet ihnen wenig Sorgen. "Die brasilianischen Banken sind gut kapitalisiert und bestens vorbereitet auf höhere Finanzierungskosten", sagt Mario Pierry von der Deutschen Bank
. Auch das widrige Szenario steigender Zinsen und höherer Inflation brauchen sie nicht zu fürchten: "Die brasilianischen Banker haben jahrelange Erfahrung mit Instabilität", sagt Vansetti von Moody?s.

