Erfolgsverwöhnt sind sie, erfolgreich waren sie: Schwedische Banken zählten in den vergangenen Jahren zu den rentabelsten in Europa. Doch nun hat auch im hohen Norden das Zittern eingesetzt: Die Folgen der Subprime-Krise und die starke Ausrichtung schwedischer Banken ins Baltikum sind die Ursache. Analysten erwarten einen Ergebnisrückgang.
STOCKHOLM. Wenige Wochen, bevor Handelsbanken,
Nordea, Swedbank
und die SEB ihre Zahlen für das vierte Quartal vorlegen, sieht man den einen oder anderen Analysten im Stockholmer Finanzzentrum rund um den Stureplan mit tiefen Sorgenfalten im Gesicht beim "Lunch", wie das Mittagessen mit Kollegen, Konkurrenten, ehemaligen oder zukünftigen Arbeitgebern in feinem Schwedisch heißt.
Es wird ein schwieriges Jahr 2008 für die schwedischen Banken. Da sind sich die Experten einig, und es reicht ein Blick auf die Entwicklung der Aktienkurse der großen vier seit Anfang des vergangenen Jahres, um das Ausmaß der Verunsicherung zu erkennen: Handelsbanken
ist mit einem Minus von 11,6 Prozent noch einigermaßen glimpflich davon gekommen, Nordea verzeichnet ein Minus von 17,4 Prozent. SEB musste einen Kursverfall von 31,7 Prozent einstecken, Swedbank
gar von minus 32,6 Prozent.
SEB und vor allem Swedbank
sind die führenden Banken in den baltischen Ländern Estland, Lettland und Litauen. Rund 40 Prozent des Gewinns der Swedbank
stammte in den vergangenen zwei Jahren aus dem Baltikum, wo die Bank mit ihrer Hansabank Marktführer ist. Doch während das Geschäft dort während der Boomphase satte Gewinne nach Stockholm in die Hauptzentralen gespült hat, leiden beide Institute jetzt unter der schwierigen wirtschaftlichen Situation vor allem in Lettland. In Lettland sind die Löhne im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent gestiegen, eine rekordhohe Inflation ist die Folge. Zudem beunruhigt Anleger die zu hohen Leistungsbilanzdefizite vor allem in Lettland (22 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) und Litauen (14 Prozent). Gepaart mit einer allzu bereitwilligen und großzügigen Kreditvergabe ist jetzt die Sorge deutlich gewachsen, dass die beiden Banken Kredite abschreiben müssen. "Das Problem ist, dass die einstige Wachstumsregion Baltikum möglicherweise gar nicht wachsen wird", sagt Fredrik Gutenberg, Analyst bei Cheuvreux in Stockholm.
Sind diese hausgemachten Probleme noch durch eine restriktivere Kreditvergabe zu lösen, gerieten alle nordeuropäischen Banken unverschuldet in den Subprime-Strudel. Zwar haben sie sich kaum oder gar nicht in den USA engagiert, doch spüren sie die Subprime-Krise indirekt durch höhere Zinsen auf dem Interbankmarkt, wo sich die Banken untereinander kurzfristig Geld leihen. "Das wird sich auf die Ergebnisse der Banken negativ auswirken", ist sich Standard & Poor?s-Analyst Mats Anderson sicher.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ein Großereignis steht bevor.
Größere Strukturgeschäfte sind im vergangenen Jahr ausgeblieben. Nur die norwegische Großbank DnB kaufte sich 2007 in den schwedischen Markt ein und übernahm den Versicherer Saluansvar, den Immobilienmakler Svensk Fastighetsförmedling sowie die Skandiabanken Bilfinans. Der nordeuropäische Bankenmarkt ist bereits weitgehend konsolidiert, außerdem ließen die internationalen Probleme an den Kreditmärkten kaum Zeit für neue Gedankenspiele.
Doch obwohl es im vergangenen Jahr relativ ruhig auf dem nordeuropäischen Bankenmarkt war, steht in diesem Jahr ein Großereignis an: Der schwedische Staat will seine 19,9-prozentige Beteiligung an der größten nordischen Bank Nordea verkaufen. Einziges Fragezeichen ist die weitere Entwicklung der internationalen Finanzkrise, die den zuständigen Minister Mats Odell in letzter Sekunde noch dazu verleiten kann, die Notbremse zu ziehen. Abgesehen von dieser Unsicherheit gibt es zwei mögliche Szenarien: Der Staat leitet mit dem Verkauf seines Postens eine Fusion mit einer anderen Bank ein oder der staatliche Ausstieg aus Nordea führt zu einer Aufteilung der im gesamten Ostseeraum operierenden Bank.
Der finnische Versicherungsriese Sampo
hat im vergangenen Jahr schrittweise seinen Nordea-Anteil auf rund acht Prozent erhöht. Sampo
-Chef
Björn Wahlroos liebäugelt nach Aussagen von Bankexperten mit einer Teilung von Nordea und soll sich derzeit nach bereitwilligen Mitinvestoren umschauen, um die notwendigen rund 35 Mrd. Euro stemmen zu können. Gelingt ihm das, würde er in einem zweiten Schritt Teile der Bank weiterverkaufen.
Mögliche Käufer für die einzelnen Nordea-Teile hat die Investmentbank Cheuvreux bereits ausgemacht: "Wir sehen die dänische Danske Bank
als natürlichen Käufer des schwedischen-norwegischen Bankgeschäfts von Nordea, die norwegische DnB als Käufer des schwedischen Teils und die SEB oder Handelsbanken
als Interessenten am finnischen-dänischen Teil", heißt es in einer kürzlich erschienen Analyse, die für 2008 ein spannendes Bankenjahr im hohen Norden verspricht.

