Die Royal Bank of Scotland
(RBS) könnte Branchenkreisen zufolge in der kommenden Woche Wertberichtigungen in Milliardenhöhe wegen der internationalen Kreditkrise bekanntgeben. Bislher hatte die Großbank die Krise vergleichsweise gut überstanden, aber jetzt droht ein massiver Rückschlag.
Schalterangestellte in einer RBS-Filiale in Wales. Der Großbank droht ein massiver Rückschlag. Foto: Archiv
HB LONDON. Im Zuge einer Buchbereinigung könnte das Geldhaus fünf bis sieben Milliarden Pfund (6,3 bis 8,8 Milliarden Euro) abschreiben, wie Informanten am Wochenende erklärten. Das Direktorium des zweitgrößten britischen Geldhauses wolle die Summe in diesen Tagen absegnen.
Bislang hatte die Bank die internationale Finanzkrise relativ glimpflich überstanden: Ende Februar berichtete sie von diesbezüglichen Abschreibungen in Höhe von 1,6 Milliarden Pfund (zwei Milliarden Euro). Im Zuge der Kreditkrise hat sich zuletzt der Druck auf die internationalen Großbanken verstärkt, ihre Bilanzen zu bereinigen.
Am Freitag hatte es aus Branchenkreisen geheißen, die RBS plane eine massive Kapitalerhöhung. Diese könnte sich Analysten zufolge auf mehr als zwölf Milliarden Pfund (15 Milliarden Euro) belaufen und eine ganze Reihe von Kapitalerhöhungen bei anderen Instituten nach sich ziehen. Es wäre die erste größere Mittelbeschaffung einer britischen Bank seit Beginn der Kreditkrise und eine Kehrtwende für die RBS. Das Geldinstitut könnte jedoch auch den Verkauf von Vermögenswerten erwägen, um die Kosten für die Buchbereinigung zu senken und seine Kapitaldecke zu stärken.
Die RBS lehnte eine Stellungnahme zu den Informationen ab und verwies auf eine Firmenmitteilung am kommenden Mittwoch, wenn auch die Hauptversammlung ansteht.
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Um an Kapital zu kommen, erwägt die RBS der "Financial Times" (FT) zufolge den Verkauf von Vermögenswerten. Die Bank verhandle bereits über einen Verkauf von Angel Trains, ihrer Tochter für den Bereich Eisenbahn-Leasing. Ein Verkauf von Angel Trains könnte der Bank an die 3,5 Mrd. Pfund einbringen.
Zudem stünden auch die Versicherungsbereiche Direct Line und Churchill auf der Verkaufsliste. Dieses könnte zwischen sieben Mrd. und zehn Mrd. Pfund wert sein, berichtet die FT unter Berufung auf informierte Personen weiter. Ebenso könnte sich die RBS auch von der National Insurance Guarantee Corporation trennen und damit mehr als einer Mrd. Pfund einnehmen.
Spekulationen über eine offenbar dringend notwendige Kapitalerhöhung bei der RBS halten sich schon seit einiger Zeit. Die Bank wird noch von den Folgen der von ihr angeführten 71 Milliarden Euro teuren Übernahme und Zerschlagung der niederländischen Bank ABN Amro belastet. Zudem hat sie im europäischen Bankenvergleich eine der dünnsten Eigenkapitalausstattungen.

