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10.09.2007 
Geldmarktsatz schießt nach oben

Finanzmärkte fürchten neue Turbulenzen

Mit höchster Nervosität starten die Finanzmärkte in die neue Woche. Nach den starken Kursverlusten in Europa und den USA zum Wochenausklang erwarten Experten weiter stark schwankende Notierungen. Die US-Arbeitsmarktdaten, die schwächer als erwartet ausgefallen waren, schüren die Angst, dass die Krise der Finanzmärkte auf die Realwirtschaft überspringt. Britische Banker sehen die Finanzbranche in der schlimmsten Krise seit 20 Jahren und warnen vor einer weiteren Verschlechterung der Lage in den kommenden Tagen.

Skeptischer Blick eines Börsianers in Frankfurt - symbolisch für die Gefühle, mit denen die meisten Händler in die Börsenwoche gehen. Foto: dpaLupe

Skeptischer Blick eines Börsianers in Frankfurt - symbolisch für die Gefühle, mit denen die meisten Händler in die Börsenwoche gehen. Foto: dpa

kol/mm DÜSSELDORF/LONDON. Am Dienstag trifft sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, um über das Ausmaß der Kreditkrise und die Risiken für die internationalen Finanzmärkte zu sprechen. Thema des Treffens soll sein, wie solche Krisen künftig vermieden werden können. Merkel sieht dabei insbesondere die Rolle der Ratingagenturen kritisch. Das häufig zu positive Rating für mit Hypotheken besicherte Anleihen wird als ein Grund für die aktuelle Krise gesehen.

Nach Angaben aus Bankenkreisen werden in den kommenden zehn Tagen rund 20 Prozent aller kurzfristigen von europäischen Instituten begebenen Kredite fällig. Das Volumen dieser sogenannten Commercial Papers summiert sich auf 140 Mrd. Dollar. Banker befürchten, dass ein Großteil der Papiere nicht verlängert wird und dass die Geldhäuser erhebliche Teile dieser Darlehen auf die eigenen Bücher nehmen müssen. Dies könnte die Verwerfungen am Geldmarkt noch verschärfen.


Bildergalerie Bild für Bild: Die großen Finanzmarktkrisen seit 1987


Weiter Öl ins Feuer goss am Wochenende der ehemalige US-Notenbank-Chef Alan Greenspan. Er sagte in einem Interview, die derzeitige Kreditmarktlage erinnere ihn an die Krisen 1987 und 1998. Im Jahr 1987 hatte der Dow Jones am sogenannten "Schwarzen Montag" fast ein Viertel seines Wertes verloren. Bernanke und zahlreiche andere amtierende Notenbanker dagegen versuchten erneut, die Märkte zu beruhigen.

Die Summe der in den kommenden zehn Tagen zur Verlängerung anstehenden Commercial Papers übersteigt deutlich die Mitte August fällig gewordenen 100 Mrd. Dollar, die bereits zu massiven Verwerfungen am Geldmarkt geführt hatten. In den vergangenen Tagen war der Satz, zu dem sich Banken am Finanzplatz London gegenseitig Geld für drei Monate leihen (London Interbank Offered Rate, Libor), für das britische Pfund mit 6,8 Prozent auf den höchsten Stand seit 1998 gestiegen. Damit lag der Dreimonats-Libor mehr als einen vollen Prozentpunkt über dem aktuellen Leitzins der Bank of England. Die Zentralbank versprach in der vergangenen Woche erstmals Liquiditätshilfen für den krisengeschüttelten Finanzsektor. Die Zusage, zusätzlich 4,4 Mrd. Pfund in den Markt zu pumpen, sorgte allerdings nur bei den Tagesgeldzinsen für Beruhigung, die Sätze für mittelfristige Darlehen verharrten auf ihrem Rekord-Niveau.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Wir stehen vor einer kritischen Phase."

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