Finanzwirtschaft: Auf der Suche nach dem guten Banker

Finanzwirtschaft
Auf der Suche nach dem guten Banker

Nach vielen Skandalen und mitten in der Krise soll bei den Banken Ehrlichkeit einziehen. Ein Besuch bei der Targo-Bank zeigt, wie sich die Manager neu erfinden wollen - und ob das funktionieren kann.
  • 1

DüsseldorfWarum er Banker geworden ist, habe er sich nie gefragt, sagt Berthold Rüsing. „An einem gewissen Punkt war meine Frage eher: Möchte ich Banker bleiben?“ Er ist seit vier Jahren Vertriebsvorstand bei der Targobank. Als er begann, hieß sie noch Citibank. Die Mutter in Amerika, die Citigroup, ist während der Finanzkrise fast pleitegegangen, wegen der Immobilienkredite, die plötzlich nichts mehr wert waren. In Deutschland ist die Citibank berühmt geworden durch die Zahl der Lehman-Zertifikate, die sie verkauft hat. Viele der Kunden waren alte Leute. Es laufen deswegen noch Prozesse gegen die Targobank.

Rüsing sagt, es sei ihm unangenehm, wie die Leute reagieren, wenn er erzählt, dass er Banker sei. 2008 hat die französische Crédit Mutuel, eine große Genossenschaftsbank, die deutsche Citibank gekauft. Seitdem nennt sie sich Targobank. Unter dem neuen Eigentümer hat sich der Vorstand ein neues Leitbild verpasst. Rüsing sagt jetzt: „Bei uns stehen Werte im Fokus. Transparenz, Einfachheit, Zuverlässigkeit und Qualität“. Er meint, seine Bank sei jetzt eine gute Bank.

Was aber ist eine gute Bank? Antworten auf diese Frage zu finden, ist jetzt Rüsings Aufgabe. Rüsing jedoch kann das nicht allein verwirklichen. Er braucht dafür Leute, die die Botschaft aus dem Vorstandsbüro hinab in die Hierarchieebenen tragen, Leute wie Bernhard Freytag oder Ulrich Wickler.

Man kennt das aus anderen Konzernen: Die Ergo-Versicherung oder die Wüstenrot-Bank hatten auch Verhaltensrichtlinien, vom Vorstand verabschiedet. Die Vertreter gingen dennoch auf Betriebsfahrten ins Bordell. Und so ist Rüsing auch Leiter eines Experiments: Gelingt es, mehr Moral nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Alltag umzusetzen? Die Targobank ist nicht das einzige Institut, das sich bemüht. Auch die Commerzbank wirbt mit einer Kundencharta und einer neuen Anreizstruktur für die Berater. Die Banken tun das nicht, weil sie ein schlechtes Gewissen haben. Vielmehr weil die Kunden misstrauisch geworden sind.

„Eine gute Beratung ist: wenn beide Seiten zufrieden sind. Der Kunde muss eine fachlich gute Beratung bekommen und er muss sie auch verstehen“, meint Rüsing. Das klingt einfach. So einfach, dass man fragen muss: Warum brauchte es zu dieser Erkenntnis erst eine Krise?

Kommentare zu " Finanzwirtschaft: Auf der Suche nach dem guten Banker"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Tja, Alfred Herrhausen war wohl so einer. "Schuldenerlass" und "wer Macht hat, hat auch Veranwortung."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%