Der Markt für Übernahmen boomt. In den ersten sechs Wochen des Jahres 2006 wurden in Europa Fusionen und Übernahmen mit einem Wert von 154 Mrd. Dollar angekündigt – dreimal mehr als im Vorjahreszeitraum.
mm FRANKFURT. Trotz des Booms sehen die Experten im „Frankfurter Gespräch“ des Handelsblatts zum M&A-Markt noch keine Anzeichen für eine Überhitzung. Die Fachleute gehen davon aus, dass das Geschäft mit Fusionen weiter stabil wächst.
„Die fundamentalen Daten stimmen, die Unternehmen haben ihre Hausaufgaben gemacht und aus den Fehlern während der Hausse Ende der 90er-Jahre gelernt“, meint Daniel Stelter, Geschäftsführer bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG). Große Zukäufe würden heute sehr viel vorsichtiger und sorgfältiger vorbereitet als in den Jahren des Börsenbooms.
Inzwischen würden zwar wieder hohe Preise für Übernahmen bezahlt, sagt Stephan Krümmer, Deutschland-Chef der Beteiligungsgesellschaft 3i. Allerdings seien die Unternehmen nach der harten Sanierung der vergangenen Jahre auch wertvoller geworden.
Nach dem Platzen der großen Börsenblase 2001 hatten sich Unternehmen und Konzerne jahrelang Zurückhaltung in Sachen M&A auferlegt und das Feld weitgehend den Finanzinvestoren überlassen. Diese Phase ist vorüber, das zeigen Großprojekte wie das feindliche Angebot von BASF für den US-Konkurrenten Engelhard oder der Versuch von Linde, die britische BOC zu übernehmen. Aber auch abseits von diesen Mega-Deals kehren die Unternehmen an den M&A-Markt zurück. „Der Wettbewerb zwischen den Beteiligungsgesellschaften und den strategischen Investoren um lukrative Übernahmeziele wird härter“, meint Joachim Habetha, Partner der Rechtsanwaltskanzlei Lovells. Das räumt auch 3i-Manager Krümmer ein. Allerdings betont er, dass die Rückkehr der Strategen auch Vorteile für die Private-Equity-Gesellschaften biete. Immerhin kämen die Unternehmen jetzt wieder als Käufer für Beteiligungen in Frage.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Skeptiker sehen erste Anzeichen einer Überhitzung
„Da der Kuchen insgesamt größer wird, geht der Marktanteil der Finanzinvestoren zurück“, meint Stelter. Absolut betrachtet, werde das Volumen der von Private-Equity-Gesellschaften angestoßenen Transaktionen aber nicht sinken. Dazu sei der Anlagedruck der Fonds mit einem Volumen, das in den zweistelligen Milliardenbereich reichen kann, zu groß.
Allerdings können die immer größer werdenden Fonds zusammen mit den nach wie vor reichlich und günstig fließenden Krediten zur Übernahmefinanzierung auch für Probleme sorgen. Die Kaufpreise steigen, die Finanzierungsmodelle werden immer riskanter. Skeptiker sehen erste Anzeichen einer Überhitzung. Erst vor kurzem warnte die Ratingagentur Standard & Poor’s vor den sehr aggressiven Finanzierungsstrukturen. Die Schulden, die die Investoren zur Finanzierung von großen Zukäufen aufnähmen, seien – relativ zu den Gewinnen der Firmen – so hoch wie nie zuvor.
„Das ist in Ordnung, solange die Unternehmensplanungen solide sind und die Zinsen nicht deutlich steigen“, meint Private-Equity-Manager Krümmer. Doch genau daran hat Berater Stelter bisweilen seine Zweifel: „Im Schnitt werden in diesem Jahr wohl die Unternehmen die besseren Deals machen als die Finanzinvestoren“, sagt er.

