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15.10.2008 
Aktie bricht ein

Fortis verliert das Vertrauen der Anleger

von Robert Landgraf

Der belgisch-niederländische Finanzdienstleister Fortis steckt tief in der Krise. Der Konzern wird wahrscheinlich zerschlagen, die Aktie verliert an einem Tag über 78 Prozent. Mit Spannung werden die aktuellen Quartalszahlen erwartet.

Die Anleger wenden sich vom Finanzdienstleister Fortis ab. Foto: dpaLupe

Die Anleger wenden sich vom Finanzdienstleister Fortis ab. Foto: dpa

FRANKFURT. Die Aktien des wegen der Finanzkrise schwer angeschlagenen belgisch-niederländischen Finanzdienstleistungskonzerns Fortis sind nach der Wiederaufnahme des Handels um mehr als 78 Prozent eingebrochen. Gestern Abend kostete der Titel an der Börse Euronext in Brüssel nur noch 1,22 Euro. Damit kommt Fortis inzwischen auf eine Marktkapitalisierung von knapp 2,9 Mrd. Euro. Die Wertpapiere des Finanzdienstleisters waren zuvor sechs Tage vom Handel ausgesetzt worden. Das Institut hat mitgeteilt, dass es die Quartalszahlen nicht plangemäß publizieren könne.

Die Veröffentlichung hatte Fortis für den 3. November vorgesehen. Es gebe aus der jüngsten Entwicklung für die vergangenen drei Monate noch Risiken, so das Unternehmen. Die belgische Finanzaufsicht erklärte, Fortis müsse keinen vollständigen Zwischenbericht ablegen. Das Institut sei aber verpflichtet, eine Äußerung zum dritten Quartal zu machen.

Da Fortis vor der Zerschlagung steht, will das Unternehmen zudem die jüngsten Anteilsverkäufe den Aktionären kurzfristig zur Genehmigung vorlegen. Die geplante neue Struktur solle auf einer außerordentlichen Hauptversammlung gebilligt werden. Nach den Plänen des Konzerns soll das Aktionärstreffen „möglichst schnell“, spätestens aber in acht Wochen stattfinden, kündigte Fortis in Brüssel an. Zuvor müsse jedoch Klarheit über die neue Aufstellung des Finanzinstituts herrschen.

Im vergangenen Monat musste das Finanzhaus einräumen, dass es infolge der Finanzkrise in eine Schieflage geraten war. Am 28. September kam es zu einer gemeinsamen Rettungsaktion der Regierungen in Belgien, den Niederlanden und Luxemburg. Der kombinierte Versicherungs- und Bankkonzern erhielt ein Rettungspaket über 11,2 Mrd. Euro. Das reichte jedoch nicht aus, so dass sich die Niederlande am 3. Oktober gezwungen sahen, die Fortis-Sparte im eigenen Land für 16,8 Mrd. Euro zu übernehmen, zu der auch die niederländische Großbank gehörte, deren Finanzierung den Konzern in Schwierigkeiten gebracht hatte.

Das Fortis-Geschäft in Belgien und Luxemburg erwirbt die französische Bank BNP Paribas für 14,4 Mrd. Euro. Damit behält der restliche Fortis-Konzern einen Anteil von 66 Prozent an einem Portfolio von strukturierten Produkten, einige verbliebene Vermögenswerte, Schulden von rund 9,4 Mrd. Euro und die internationalen Versicherungsaktivitäten. Das Unternehmen geht davon aus, dass es alle Restschulden zurückzahlen kann. Doch „die Unsicherheit bleibt, was der internationale Versicherungsbereich letztlich wert ist und welcher Restwert bei den strukturierten Produkten zu erzielten ist“, sagte Albert Ploegh, Analyst der ING Groep, zu Bloomberg.

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