2 Bewertungen *****
17.09.2008 
Löwenanteil stammt aus Derivate-Transaktionen

Frankreichs Banken haben nur geringe Lehman-Risiken

von Holger Alich

Die Lehman-Pleite scheint Frankreichs Banken nur in geringem Ausmaß zu treffen. Diesen Schluss lassen die Veröffentlichung der großen Institute über ihre Engagements bei der US-Investmentbank zu. „Die Verluste dürften begrenzt bleiben“, meinen auch die Analysten des Brokers Oddo. Sie betonen aber zugleich, dass das Gesamt-Umfeld für Banken nach wie vor schlecht sei.

PARIS. Gleichwohl zogen die Finanzwerte in Frankreich gestern den Leitindex Cac40 nach oben; insgesamt reagierte der Pariser Aktienmarkt aber verhalten optimistisch auf die Rettung von AIG.

Größter Risiko-Posten bei Frankreichs Banken sind jeweils sogenannten Gegenpartei-Risiken. Lehman war Handelspartner bei Derivate-Geschäften. Einfaches Beispiel: Lehman sichert eine Bank per Derivat gegen das Risiko ab, dass der Dax unter die Marke von 5 000 Punkte fällt. Bei solchen Geschäften muss die absichernde Partei, also Lehman, regelmäßig Sicherheitsleistungen (Margins) zahlen. Da Lehman nun unter Gläubigerschutz steht, ist offen, ob die französischen Banken alle ihnen zustehenden Zahlungen bekommen werden. Das hängt unter anderem davon ab, was Lehman bei den Verkäufen seine Unternehmensteile erlöst.

Die Société Générale bezifferte gestern das maximale Verlustrisiko aus solchen Transaktionen mit Lehman auf 400 Mill. Euro. Ferner hält die Bank 76 Mill. Euro Senior-Schuldtitel von Lehman (also gut besicherte) und hat der Bank weitere drei Mill. Euro per Kredit vergeben. BNP Paribas hat insgesamt 400 Mill. Euro bei Lehman im Feuer; 200 Mill. Euro aus Derivate-Deals plus 200 Mill. Euro ausstehende Kredite. Crédit Agricole hat eine Risikoposition von 250 Mill. Euro aus Derivate-Transaktionen mit der US-Pleite-Bank, teilte das Institut mit. Hinzu kommen 20 Mill. Euro Kredite.

Bei der Investmentbank Natixis besteht der größte Posten aus Wertpapier-Leihe-Geschäften mit Lehman in einem nominalen Volumen von 267 Mill. Euro. Die Bank betont aber, dass diese Geschäfte durch liquide Papiere abgesichert seien, also kein echtes Verlustrisiko bestehe. Brisanter als das direkte Lehman-Engagement ist für Natixis die neu entfachte Unsicherheit bei Finanzwerten insgesamt. Denn heute will Natixis das Orderbuch für die Kapitalerhöhung um 3,7 Mrd. Euro schließen. Im Zuge der Krise ist die Natixis-Aktie bedrohlich nahe dem Ausgabepreis für die jungen Aktien gekommen, der mit 2,25 Euro schon sehr niedrig angesetzt worden war. Laut Natixis steht das Bank-Konsortium aus Credit Suisse, Lazard und Merrill Lynch aber zu seinem Versprechen, die Kapitalstärkung zu garantieren.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Vorsorgen statt konsumieren  Artikel in Merkliste

04.12.2008

Dies ist keine Zeit für Anschaffungen und Vergnügungen, glauben viele Deutsche. Das geht jedenfalls aus aktuellen Umfragen hervor. Hoch im Kurs steht hingegen die Vorsorge – für schlechte Zeiten und den Ruhestand. Artikel


Anzeige