0 Bewertungen
23.11.2007 
Verhandlungen laufen

Frankreichs Banken planen Superfonds

von Holger Alich

Die französischen Großbanken verhandeln derzeit über einen gemeinsamen „Conduit“, einen außerbilanziellen Superfonds. Finanzkreise vermuten, dass die Kreditinstitute damit hochwertige Wertpapiere, die von den Märkten abgestraft wurden, günstig einsammeln wollen. Die Banken schweigen.

BNP Paribas wollte zum Superfonds keine Stellungnahme abgeben. Foto: apLupe

BNP Paribas wollte zum Superfonds keine Stellungnahme abgeben. Foto: ap

PARIS. Frankreichs Großbanken diskutieren derzeit die Schaffung eines gemeinsamen außerbilanziellen Superfonds (Conduits). Einen entsprechenden Bericht der Zeitung „Les Echos“ bestätigten Donnerstagabend Bankenkreise dem Handelsblatt. Entgegen dem Bericht von Les Echos ginge es bei diesen Überlegungen aber nicht um die Sicherstellung von Liquidität, wie etwa in den USA. Ferner seien die Beratungen noch nicht beendet oder gar gescheitert, betonten die Kreise.

BNP Paribas wollte zu dem Thema keine Stellungnahme abgeben und erklärte lediglich „jede allgemeine Überlegung aufmerksam zu verfolgen.“ Société Générale wollte auf Anfrage keinen Kommentar abgeben.

Conduits sind außerbilanzielle Investmentvehikel, die Wertpapiere wie forderungsbesicherte Anleihen kaufen, und diese Käufe über die Ausgabe an kurzlaufenden Anleihen (Commercial Papers) finanzieren. Da diese Investmentvehikel an eine Großbank angelehnt sind, die für die Liquiditätsversorgung steht, genießen die Commercial Papers gute Ratings und können mit vergleichsweise niedrigen Zinsen platziert werden.


Bildergalerie Bild für Bild: Die Opfer der Subprime-Krise


Da im Zuge der US-Hypothekenkrise Investoren sowohl forderungsbesicherte Anleihen als auch Commercial Papers meiden, sind einige dieser Investmentvehikel in Schwierigkeiten geraten. In den USA arbeiten Großbanken mit Unterstützung des Staates daran, einen gemeinsamen Superfonds zu gründen, in denen die Banken ihre Conduit-Engagements einbringen können. Durch diese Bündelung von Risiken soll das Vertrauen der Anleger in das Finanzsystem wieder hergestellt werden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Frankreichs Banken sind bisher mit einem blauen Auge davon gekommen

In Frankreich scheinen die Überlegungen dagegen in eine andere Richtung zu gehen. Da Frankreichs Banken vergleichsweise geringe Conduit-Engagements haben, könnte ein gemeinsames Investmentvehikel dafür gedacht sein, von den Märkten abgestrafte, hochwertige Wertpapiere günstig einzusammeln, heißt es aus Finanzkreisen.

Die Veröffentlichung der Quartalsergebnisse zeigte, dass Frankreichs Großbanken bis dato mit einem blauen Auge davon gekommen sind, die Gewinnrückgänge fielen zumeist geringer als vom Markt erwartet aus.

Dennoch sind auch die französischen Institute bei außerbilanziellen Investmentvehikeln aktiv. Laut den Unterlagen zu den Quartalsergebnissen betreibt BNP Paribas sechs sogenannter Conduits, die wiederum Aktiva in denen Wertpapiere im 9,6 Mrd. Euro halten. Diese Vehikel hat die Bank mit Liquiditätslinien von über zehn Mrd. Euro unterlegt. Die Société Générale sponsort ebenfalls sechs solcher Vehikel, in denen Aktiva im Wert von 20 Mrd. Euro investiert sind. Calyon, die Investmentbank von Crédit Agricole, betreibt vier Conduits mit 18 Mrd. Euro Aktiva. Calyon hatte bereits mitgeteilt, dass keines der Conduits bisher auf die bereit gestellten Liquiditätslinien zurück greifen musste. Die Großkundenbank Natixis unterhält Conduits mit rund neun Milliarden Euro Aktiva.

Die Aktie von Natixis legte am Donnerstag gegen den Trend 18 Prozent zu. Auslöser war die Mitteilung der beiden Großaktionäre von Natixis, die Bankengruppe Banque Populaire und Caisse d'Epargne, die Kreditversicherungstochter CIFG Natixis abkaufen zu wollen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Vorsorgen statt konsumieren  Artikel in Merkliste

04.12.2008

Dies ist keine Zeit für Anschaffungen und Vergnügungen, glauben viele Deutsche. Das geht jedenfalls aus aktuellen Umfragen hervor. Hoch im Kurs steht hingegen die Vorsorge – für schlechte Zeiten und den Ruhestand. Artikel


Anzeige