Französischer Onlinebroker: Cortal Consors erwägt Rückzug aus Italien

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Cortal Consors erwägt Rückzug aus Italien

Der französische Onlinebroker Cortal Consors, eine Tochter der Großbank BNP Paribas, erwägt, sich aus Italien zurückzuziehen. Das Unternehmen habe nicht die „kritische Masse“ erreicht, begründete eine Unternehmenssprecherin die Überlegungen. Eine endgültige Entscheidung will der Direktbroker Ende März treffen.

PARIS. „Wir haben dort nicht die kritische Größe erreicht, um eine angemessene Rentabilität zu erzielen“, begründete eine Unternehmenssprecherin die Überlegungen. Nach eigenen Angaben hat Cortal Consors in Italien rund 12 500 Kunden. Diese handeln indes nicht direkt auf der Plattform des Brokers, sondern kaufen Produkte über unabhängige Finanzberater, so genannte „Promotori“.

„In Italien sind die Courtagen extrem niedrig, daher haben wir uns auf das Geschäft mit den Beratern konzentriert“, erklärte die Sprecherin die Unternehmensstrategie in Italien. Die endgültige Entscheidung, ob das Italiengeschäft aufgegeben werde, solle bis Ende März fallen, hieß es.

Cortal Consors ist einer der größten Onlinebroker Europas. Das Unternehmen ging 2002 aus der Übernahme von Consors durch die BNP-Tochter Cortal hervor. Abgesehen von Italien laufen die Geschäfte dank der Börsenhausse glänzend. In den ersten neun Monaten des Jahres stieg das Vorsteuerergebnis von 18 Mill. auf 49 Mill. Euro. Das Volumen des verwalteten Geldes wuchs von 28 Mrd. auf 32 Mrd. Euro. 95 Prozent seiner Einnahmen erzielt der Broker in den Kernländern Deutschland und Frankreich.

Da die Einnahmen aus dem klassischen Internet-Brokergeschäft, bei dem Privatanleger Aktien und Derivate über das Web handeln, stark mit der Marktverfassung schwanken, versuchen die Broker seit längerem, stabilere Einnahmequellen etwa aus Fondssparplänen und dem Absatz von Lebensversicherungen zu erzielen. Dabei verlangen die Kunden indes auch Beratung.

Um den Beratungsbedarf der Kunden zu befriedigen, greifen die Anbieter zu unterschiedlichen Lösungen. Cortal Consors verfährt sogar je nach Land anders.

In Frankreich betreibt der Broker bereits ein Dutzend so genannter Investmentshops, in dem sich Kunden über die Rente oder die Finanzierung eines Hauses beraten lassen können. Diese Shops liegen zum Teil in Top-Lagen, etwa im Pariser Zentrum in der Nähe der Oper. Die Beratung zahlt der Kunde dabei über Provisionen, die auf die verkauften Produkte erhoben werden. Wettbewerber Boursorama, Tochter der Société Générale, ging noch einen Schritt weiter und kaufte die französischen Filialen der Caixa-Bank.

„Aus Kostengründen haben wir uns in Deutschland gegen Shops in Top-Lagen entschieden“, sagte ein Sprecher von Consors in Deutschland. Stattdessen können sich hier zu Lande Kunden in 15 Berater-Büros nach terminlicher Absprache beraten lassen. Diese Büros „befinden sich indes in normalen Bürogegenden und nicht in Fußgängerzonen“, sagte der Sprecher. Darüber hinaus beraten die 65 Consors-Berater die Kunden zu Hause. Auch in Deutschland zahlt der Kunde für die Beratung mittels Provisionen.

Consors-Gründer Karl Matthäus Schmidt, mittlerweile in Diensten der CCB Bank, setzt dagegen auf die Honorarberatung plus eine leistungsbezogene Vergütung im Privatkundengeschäft. Bei Consors hält man diesen Ansatz für „interessant“. Aber der Beweis, dass Honorarberatung wirtschaftlich tragfähig sei, stehe noch aus.

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