Mit der Crédit Mutuel mischt ein neuer Spieler auf dem deutschen Bankenmarkt mit. Durch den Kauf der deutschen Citibank bekommen die Franzosen hier zu Lande auf einen Schlag ein eigenes Filialnetz mit 340 Niederlassungen und einen beachtlichen Marktanteil im Konsumkreditgeschäft. Die Deutsche Bank
setzt das unter Zugzwang.
Citibank-Logo: Die französische Bank Crédit Mutuel kauft die deutsche Tochter der Citigroup. Foto: dpa
PARIS/NEW YORK. Crédit Mutuel legt 4,9 Mrd. Euro in bar auf den Tisch, wie die Citigroup am Freitag in New York mitteilte. Hinzu komme der bis zum Abschluss des Deals aufgelaufene Gewinn des auf Konsumentenkredite spezialisierten Instituts mit seinen fast 3,3 Millionen Kunden. Die Citibank erzielte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 365 Mill. Euro. Der Verkauf wird der Citigroup zufolge voraussichtlich im vierten Quartal über die Bühne gehen, die entsprechenden Behörden müssten aber noch zustimmen.
Für die Deutsche Bank steigt nun der Druck, im Poker um die ebenfalls zum Verkauf stehende Postbank zum Zuge zu kommen. Für die Postbank dagegen erhöhen sich die Chancen, das Bieterverfahren mit mehr Interessenten fortsetzen zu können. "Das verstärkt die Handlungsfähigkeit der Postbank", sagte Analyst Konrad Becker von Merck-Finck. Bei Postbank-Aktionären sorgte das für gute Stimmung: Das Papier setzte sich mit einem Plus von fast drei Prozent an die Spitze der Dax-Gewinner. Die Aktie der Deutschen Bank büßte dagegen ein Prozent ein.
Frankreichs - nach Filialen gerechnet - zweitgrößte Bank ist in Deutschland bisher kaum bekannt. Jetzt wird Crédit Mutuel mit einem Schlag zu einem wichtigen Spieler auf dem Privatkundenmarkt hier zu Lande. Und für den französischen Banken-Verbund ist der Deal mit Abstand der größte seiner Geschichte. Sie bekommen nun ein eigenes Filialnetz in Deutschland mit 340 Niederlassungen und einen Marktanteil im deutschen Konsumkreditgeschäft von etwa sieben Prozent.
Credit Mutuel ist im Vergleich zu anderen französischen Bankengruppe kaum von der Subprime-Krise betroffen. Im vergangenen Jahr erlitt die Gruppe lasten von insgesamt 300 Mill. Euro, davon sind 180 Mill. Euro Abschreibungen auf ein Porfolio an mit Aktiva besicherten US-Anleihen von 3,9 Mrd. Euro, die der Tochter CIC gehören. Zum Vergleich: Die genosseschaftliche Bankengruppe Crédit Agricole verlor bisher im Zuge der Finanzkrise knapp 5 Mrd. Euro und musste ihr Kapital um knapp 6 Mrd. Euro erhöhen.
"Es verwundert micht nicht, dass Crédit Mutuel in Deutschland zukauft, schließlich stammt der Gründer der Bankengruppe aus Deutschland. Das war Friedrich Wilhelm Raiffeisen", erklärte Pierre Flabbée, Banken-Analyst beim Broker Landesbanki Kepler in Paris. Raiffeissen zählte im 19. Jahrhundert zu den Begründern der genossenschaftlichen Bewegung in Deutschland.

