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11.07.2008 
Crédit Mutuel greift in Deutschland an

Franzosen stechen Deutsche Bank bei Citi aus

von Holger Alich und Tino Andresen

Mit der Crédit Mutuel mischt ein neuer Spieler auf dem deutschen Bankenmarkt mit. Durch den Kauf der deutschen Citibank bekommen die Franzosen hier zu Lande auf einen Schlag ein eigenes Filialnetz mit 340 Niederlassungen und einen beachtlichen Marktanteil im Konsumkreditgeschäft. Die Deutsche Bank setzt das unter Zugzwang.

Citibank-Logo: Die französische Bank Crédit Mutuel kauft die deutsche Tochter der Citigroup. Foto: dpaLupe

Citibank-Logo: Die französische Bank Crédit Mutuel kauft die deutsche Tochter der Citigroup. Foto: dpa

PARIS/NEW YORK. Crédit Mutuel legt 4,9 Mrd. Euro in bar auf den Tisch, wie die Citigroup am Freitag in New York mitteilte. Hinzu komme der bis zum Abschluss des Deals aufgelaufene Gewinn des auf Konsumentenkredite spezialisierten Instituts mit seinen fast 3,3 Millionen Kunden. Die Citibank erzielte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 365 Mill. Euro. Der Verkauf wird der Citigroup zufolge voraussichtlich im vierten Quartal über die Bühne gehen, die entsprechenden Behörden müssten aber noch zustimmen.

Für die Deutsche Bank steigt nun der Druck, im Poker um die ebenfalls zum Verkauf stehende Postbank zum Zuge zu kommen. Für die Postbank dagegen erhöhen sich die Chancen, das Bieterverfahren mit mehr Interessenten fortsetzen zu können. "Das verstärkt die Handlungsfähigkeit der Postbank", sagte Analyst Konrad Becker von Merck-Finck. Bei Postbank-Aktionären sorgte das für gute Stimmung: Das Papier setzte sich mit einem Plus von fast drei Prozent an die Spitze der Dax-Gewinner. Die Aktie der Deutschen Bank büßte dagegen ein Prozent ein.

Frankreichs - nach Filialen gerechnet - zweitgrößte Bank ist in Deutschland bisher kaum bekannt. Jetzt wird Crédit Mutuel mit einem Schlag zu einem wichtigen Spieler auf dem Privatkundenmarkt hier zu Lande. Und für den französischen Banken-Verbund ist der Deal mit Abstand der größte seiner Geschichte. Sie bekommen nun ein eigenes Filialnetz in Deutschland mit 340 Niederlassungen und einen Marktanteil im deutschen Konsumkreditgeschäft von etwa sieben Prozent.

Credit Mutuel ist im Vergleich zu anderen französischen Bankengruppe kaum von der Subprime-Krise betroffen. Im vergangenen Jahr erlitt die Gruppe lasten von insgesamt 300 Mill. Euro, davon sind 180 Mill. Euro Abschreibungen auf ein Porfolio an mit Aktiva besicherten US-Anleihen von 3,9 Mrd. Euro, die der Tochter CIC gehören. Zum Vergleich: Die genosseschaftliche Bankengruppe Crédit Agricole verlor bisher im Zuge der Finanzkrise knapp 5 Mrd. Euro und musste ihr Kapital um knapp 6 Mrd. Euro erhöhen.

"Es verwundert micht nicht, dass Crédit Mutuel in Deutschland zukauft, schließlich stammt der Gründer der Bankengruppe aus Deutschland. Das war Friedrich Wilhelm Raiffeisen", erklärte Pierre Flabbée, Banken-Analyst beim Broker Landesbanki Kepler in Paris. Raiffeissen zählte im 19. Jahrhundert zu den Begründern der genossenschaftlichen Bewegung in Deutschland.

Dem Citibank-Gesamtbetriebsrat zufolge hat Crédit Mutuel betriebsbedingte Kündigungen mindestens für die nächsten 18 bis 24 Monate ausgeschlossen und will auch keine Standorte in Frage stellen. Das französische Institut wolle in Deutschland Fuß fassen und dazu auch investieren. Die Franzosen planen derzeit nach Informationen von Handelsblatt.com keinen umfassenden Umbau des Managements; der neue Eigentümer wolle lediglich "mit einigen Vertretern" in den Vorstand einziehen.

Käufer der Citi Deutschland ist der Bankenverband Crédit Mutuel Centre-Est Europe-CIC, der größte der genossenschaftlichen Bankengruppe Crédit Mutuel. Der östliche Verbund mit Sitz in Straßburg trägt rund zwei Drittel zum Gewinn der gesamten Bankengruppe bei, der 2007 bei 2,7 Mrd. Euro lag.

"Der Preis ist nicht zu hoch, da Citi sehr rentabel ist und uns die Bank eine doppelte Diversifizierung erlaubt", erklärte ein Sprecher des Crédit Mutuel gegenüber Handelsblatt.com. "Zum einen bekommen wir Zugang zum wichtigen deutschen Markt, zum anderern werden wir ein Player im Bereich Konsomentenkredite." Gerade dieses Wachstumsgeschäft fehlte bisher dem Crédit Mutuel. Das Filialnetz der genossenschaftlichen Bankengruppe ist vor allem in Immobilienkrediten stark, so der Sprecher, die Bank-Tochter CIC bei Firmenkrediten. "Es ist möglich, dass wir das Know How der deutschen Citi nutzen, um das Konsumentenkreditgeschäft auch in Frankreich auszubauen."

Crédit Mutuel ist vor allem stark im Bereich Retail und Versicherungen für Privatkunden; diese beiden Pole steuern rund zwei Drittel zu den Einnahmen bei. Allerdings kann die Bankengruppe ihr Know How hier nicht nach Deutschland exportieren. "Die Hannoveraner Talanx-Gruppe bleibt exklusiver Versicherungspartner, das können wir leider nicht ändern", erklärte der Sprecher.

Der Name "Citi" wird auf jeden Fall nach Abschluss der Transaktion verschwinden. "Welche neuen Namen wir der Bank in Deutschland geben werden, steht noch nicht fest", erklärte der Sprecher. Dies solle mit dem Vorstand besprochen werden, auch eine Kundenumfrage sei geplant.

Den Kaufpreis will das Centre Est-CIC aus dem Eigenkapital bestreiten - inwieweit noch eine Fremdfinanzierung nötig sei, hänge von den Gesprächen mit der französischen Bankenaufsicht ab. Derzeit verfügt das Centre Est nach Angaben des Sprechers über 16 Mrd. Euro Bank-Eigenkapital. Weitere vier Milliarden Euro decken die Versicherungsrisiken ab. Die Bank-Eigenkapitalquote gerechnet nach Tier One läge bei 8,8 Prozent, erklärte der Sprecher.

Bisher sind die Kreditgenossen im Ausland so gut wie abwesend - sie besitzen nur einige Minderheitsbeteiligungen. "Der Kauf der Citibank in Deutschland wäre daher eine große strategische Wende", sagte Bernard de Longevialle, Leiter des Teams Finanzdienstleister der Pariser Niederlassung von Standard & Poor's (S&P), bevor bekannt worden war, dass Crédit Mutuel sich durchgesetzt hat.

Arbeitnehmervertreter der deutschen Citigroup-Tochter Citibank haben sich erfreut über den angekündigten Verkauf ihres Instituts an die französische Bank gezeigt. "Das ist eine gute Entscheidung", sagte der Vorsitzende des Citibank-Gesamtbetriebsrates, Rolf Dahmen, am Freitag . Sie werde vom Betriebsrat ausdrücklich begrüßt. Auch die Stimmung in der Belegschaft sei gut.

Der amerikanischen Citibank-Mutter Citigroup spült der Verkauf einen satten Gewinn in die klammen Kassen. Nach Steuern realisiert sie damit einen Gewinn von voraussichtlich vier Mrd. Dollar. Die größte Bank der USA kämpft seit Ausbruch der Finanzkrise vor einem Jahr mit milliardenschweren Abschreibungen und Verlusten. Bankchef Vikram Pandit will sich deswegen weltweit von Beteiligungen trennen, um die Kapitaldecke zu stärken. "Der Citibank-Verkauf trägt dazu bei, unsere Gruppe auf einen Pfad des zukünftigen Wachstums zu führen, das von unseren Kerngeschäftsfeldern angetrieben wird", erklärte Pandit. Mit Abschreibungen von über 45 Mrd. Dollar ist die US-Bank am weltweit stärksten von den Marktverwerfungen betroffen.

Crédit Mutuel sei eine hervorragende Wahl, um den Privatkunden in Deutschland auch weiterhin einen exzellenten Service gewährleisten zu können, sagte Citigroup-Chef Vikram Pandit. Die Citigroup betonte, sie stehe zu ihrem restlichen deutschen Geschäft, dem Firmenkundengeschäft und Investmentbanking ebenso wie dem europäischen Daten-Center.

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