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06.08.2008 
Der „Corrigan-Report“ prangert kollektives menschliches Fehlverhalten an

Fünf Kernregeln im Kampf gegen die Finanzkrise

von Rolf Benders

Die US-Finanzindustrie hat umfangreiche Vorschläge zur Selbstregulierung als Folge der Finanzkrise vorgelegt. Unter Führung von Gerald Corrigan, einem Top-Manager der US-Investmentbank Goldman Sachs, versucht die Branche, die aus ihrer Sicht offenbar drohenden staatlichen Eingriffe in die Unternehmensführung abzuwehren.

Verkaufsplakat für Immobilien. Die US-Banken versuchen staatliche Eingriffe in die Unternehmensführung abzuwehren. Foto: ReutersLupe

Verkaufsplakat für Immobilien. Die US-Banken versuchen staatliche Eingriffe in die Unternehmensführung abzuwehren. Foto: Reuters

„Öffentliche Aufsicht ist kein Ersatz für effektives Management von Finanzinstituten. Das Management sollte weiter eine Aufgabe des privaten Sektors bleiben“, heißt es in dem „Corrigan-Report“. Er trägt den offiziellen Titel „Eindämmung von Systemrisiken – Die Wege zur Reform“. Die Bankengruppe, der alle großen US-Investmentbanken angehören, schlägt darin eine Hand voll Kernregeln und eine Vielzahl konkreter Handlungsempfehlungen zur Krisenvermeidung vor, die vor allem das Risikomanagement betreffen.

Die weltweite Finanzbranche war Mitte 2007 – ausgehend von den USA – in eine schwere Krise gerutscht, die mittlerweile Europa und Amerika in eine Rezession zu stürzen droht. US-Banken hatten risikoreiche Kredite an Häuslebauer (Subprimekredite) vergeben und diese in Form komplexer Derivate an Banken weltweit verkauft. Als die Kredite wertlos wurden, brach der Markt und eine Reihe von Instituten zusammen. Die weltweiten Abschreibungen auf diese Kredite stehen kurz davor, die 500-Mrd.- Dollar-Marke zu übersteigen. In den USA kursieren nun Listen mit vielen Dutzend angeblich vor dem Konkurs stehenden Banken. Einige Institute mussten bereits durch die öffentliche Hand mit Milliardensummen aufgefangen werden.

Als Folge der Krise hat US-Präsident George W. Bush eine bei ihm angesiedelte Arbeitsgruppe zu dem Thema eingesetzt. Der Corrigan-Bericht macht „kollektives menschliches“ Fehlverhalten für die „größte Krise seit dem 2. Weltkrieg“ verantwortlich. Um eine Wiederholung zu verhindern, müsse die Branche bereit sein, auch teure Sicherungsmaßnahmen in Kauf nehmen. Das sei immer noch billiger als die Abschreibung der vergangenen Monate und die immensen volkswirtschaftlichen Verwerfungen durch die Krise.

Die Bankengruppe habe zwar keine Möglichkeit, die Vorschläge im einzelnen Durchzusetzen, räumte Corrigan ein. „Aber die Aufseher werden die Banken in Zukunft daran messen“, fügte er hinzu. Die meisten Empfehlungen sollten bereits 2008 umgesetzt werden. Bei einigen dürfte es aber bis ins nächste Jahr dauern.

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