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02.11.2007 
Krise an den Kreditmärkten

Für Citigroup-Chef wird die Luft dünn

Die Krise an den Kreditmärkten bringt Citigroup-Chef Charles Prince in immer größere Bedrängnis. Nach Für den ungebremsten Fall des Aktienkurses der weltgrößten Bank machen immer mehr Investoren und Analysten den Bankchef verantwortlich: Er gilt als Hauptschuldiger für den Vertrauensverlust, den sein Institut erlebt.

Charles Prince. Die Luft wird dünn für den Chef der Citygroup. Foto: rtrLupe

Charles Prince. Die Luft wird dünn für den Chef der Citygroup. Foto: rtr

HB/tor NEW YORK. Der Ruf der Investoren nach seinem Rücktritt wurde in dieser Woche lauter, nachdem Analystenstudien eine schwache Kapitalbasis der größten US-Bank angeprangert hatte. Die Aktien verloren daraufhin am Donnerstag knapp sieben Prozent und brachte Finanzwerte weltweit unter Verkaufsdruck. Vor allem diese Verluste hatten die Aktienmärkte in den USA und in Tokio in die Tiefe gezogen. Auch am Freitag lastete dies noch auf Finanztiteln. Am Donnerstag notierte Citi unter 39 Dollar. Die Citi-Papiere sind 2007 bereits um rund 30 Prozent eingebrochen.

CIBC-Analystin Meredith Whitney hatte am Donnerstag eine Kürzung der Dividende, Beteiligungsverkäufe oder eine Kapitalerhöhung als unausweichlich bezeichnet. Die Bank müsse so dringlich 30 Milliarden Dollar erlösen, um die Kapitalbasis zu stärken. Eine mit der Bank vertraute Person beziffert den Anteil der gesamten Eigenmittel an dem risikogewichteten Vermögen des Instituts auf 10,7 Prozent. Neben den Unwägbarkeiten aus der Kreditkrise werde der Börsenwert der Citigroup auch von der 25 Mrd. Dollar teuren Expansion unter Konzernchef Charles Prince belastet. "Die Aktie steht unter großem Druck und könnte in den niedrigen 30-Dollar-Bereich fallen", schreibt Whitney.

Wie Whitney stuften auch zwei weitere Analysten ihre Kaufempfehlungen für die Citigroup herab. Die Experten von Morgan Stanley und Credit Suisse sorgen sich ebenfalls über weitere Belastungen der Bank aus der Finanzkrise. Im Zentrum stehen sieben banknahe Investmentvehikel (SIVs), die Vermögenswerte unterschiedlicher Güte von etwa 80 Mrd. Dollar in ihrem Portfolio halten.

Citi hatte die Börse nach dem dritten Quartal mit Abschreibungen von 6,5 Mrd. Dollar geschockt. Der Gewinn der Großbank fiel auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren. Seit den enormen Wertberichtigungen beim Brokerhaus Merrill Lynch wird an der Wall Street über weitere böse Überraschungen bei Banken spekuliert. Schon bislang wurden gut 80 Mrd. Dollar an Börsenwert vernichtet.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Den Tanker nicht im Griff

Im Brennpunkt steht Citi vor allem, weil die Bank am stärksten bei SIVs engagiert ist. Dabei handelt es sich um Zweckgesellschaften außerhalb der Bilanz, die sich über kurzfristige Schuldverschreibungen finanzieren und das Geld in lang laufende, zum Teil riskante Schuldtitel wie Hypothekenanleihen investieren. Prince versucht das Problem mit einem neuen Rettungsfonds in den Griff zu bekommen, der den SIVs einen Teil der unverkäuflichen Schuldtitel abnehmen soll. Die Bank hat zudem mit Michael Raynes und Nestor Dominguez zwei führende Manager entlassen, die für strukturierte Kreditprodukte verantwortlich waren.

Ob diese personellen Konsequenzen den Citigroup-Chef entlasten können, erscheint jedoch immer unwahrscheinlicher. "Ein Rücktritt von Prince würde einige dunkle Wolken vertreiben, die seit Monaten über der Aktie hängen", sagte Marschall Front, Chef der an Citi beteiligten Investmentfirma Front Barnett Associates. Sollte Prince abtreten, könnten die Papiere umgehend um zehn Prozent steigen, prognostizierte Front. Lee Delaporte vom Handelshaus Dreman Value Management verwies auf den wachsenden Druck in Folge der Kursentwicklung: "Die Aktie kommt langsam an einen Punkt, an dem das Direktorium das Problem Prince nicht mehr ignorieren kann." Ein Citi-Sprecher lehnte einen Kommentar ab. Prince wäre nach Stan O'neal von Merrill Lynch der zwei prominente Wall-Street-Banker, der im Zuge der Hypothekenkrise seinen Hut nehmen müsste.

Prince steht nicht erst seit Ausbruch der Kreditmarktkrise im Feuer der Investoren. Auch schon vorher kritisierten sie die im Branchenvergleich schwache Kursentwicklung der Citi-Aktie. Seit dem Amtsantritt des gelernten Anwalts im Oktober 2003 sind die Papiere um mehr als 15 Prozent gesunken, während der entsprechende Bankenindex Philadelphia KBW um knapp 13 Prozent zulegte. Prince sei es nicht gelungen, den großen Tanker Citigroup nachhaltig voranzubringen, kritisieren Anleger.

Vor allem die Kosten seien aus dem Ruder gelaufen. Dem setzte Prince im Frühjahr ein Umstrukturierungsprogramm entgegen, das unter anderem den Abbau von 17 000 Stellen vorsieht. "Die Ergebnisse kommen aber nicht in Fahrt, daher werden die Forderungen nach einem Abtritt von Prince immer energischer", sagte Anton Schutz, Präsident des Wertpapierhauses Mendon Capital, das Citi-Aktien besitzt.

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