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26.06.2008 
Genossenschaftsbanken planen Zusammenschluss

Fusionsdruck auf Banken steigt

Der Konsolidierungsdruck in der Finanzbranche erhält einen neuen Schub. Die beiden genossenschaftlichen Spitzeninstitute DZ Bank und WGZ Bank wagen nach mehreren missglückten Versuchen einen erneuten Anlauf für eine Fusion. Gleichzeitig startet die Post den Verkauf der Postbank. Doch es gibt noch einige Hürden.

Konsolidierung, aber wie? Foto: dpaLupe

Konsolidierung, aber wie? Foto: dpa

bas/hgn/saf/sos FRANKFURT/BERLIN. DZ Bank und WGZ Bank nehmen offiziell einen neuen Anlauf hin zu einem einzigen Zentralinstitut für die Volks- und Raiffeisenbanken. Das teilten beide Banken gestern überraschend mit. Durch einen Zusammenschluss entstünde hinter der Deutschen Bank und der Commerzbank das drittgrößte Geldhaus des Landes.

Fast zeitgleich zur Ankündigung neuer Gespräche im Lager der Genossen kündigte die Deutsche Post gestern vertiefende Gespräche mit Interessenten über den Verkauf ihrer Tochter Postbank an. Einen konkreten Zeitplan für den Verkaufsprozess nannte die Post aber ebenso wenig wie die Zahl potenzieller Bieter.

DZ und WGZ indes wollen spätestens in der ersten Hälfte des kommenden Jahres zu einer Vereinbarung gelangen. Nach drei gescheiterten Fusionsversuchen in den vergangenen Jahren ist beiden Instituten Beobachtern zufolge bewusst, dass sie nur noch „einen Schuss frei“ haben. Die meisten Mitglieder des Finanzverbundes traf die Ankündigung „überraschend und unerwartet“, wie mehrere Raiffeisen- und Volksbank-Vorstände dem Handelsblatt sagten.

In direktem Zusammenhang zu den neuerlichen Fusionsabsichten wird der gestrige Rücktritt des obersten Genossenschaftsbankers, Christopher Pleister, gesehen. Er bleibt als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) nur noch bis zum 15. Juli im Amt. Pleister wurde wiederholt vorgeworfen, die Fusionsverhandlungen im Jahr 2006 durch gezielte Indiskretionen torpediert zu haben, weil er um seinen Posten als Aufsichtsratschef der DZ Bank fürchtete. Er hatte dies stets bestritten. Der BVR-Verwaltungsrat erhofft sich vom Weggang Pleisters, dass sich die genossenschaftliche Organisation „strukturell weiterentwickele“.

Doch nicht nur im Lager der Genossen wird intensiv über Fusionen und Übernahmen gesprochen. Auch die deutsche Citibank und die Dresdner Bank stehen zum Verkauf. Und bei den Landesbanken drängen die Sparkassen als Eigentümer auf eine Konsolidierung.

All diese Überlegungen erhöhen auch den Druck auf die Post, einen Käufer für die Postbank zu finden. Postchef Frank Appel will Finanzkreisen zufolge nun vertiefende Gespräche mit rund einer Handvoll Interessenten führen. Die bisher als Favorit gehandelte Bieterkombination aus Commerzbank und Dresdner Bank gehört nicht zu diesem Kreis. Was nicht heißt, dass das Duo am Ende nicht doch noch zum Zuge kommt. Finanzkreisen zufolge überprüfen Commerzbank und Dresdner derzeit ihr gemeinsames unverbindliches Angebot, das einen Kaufpreis von neun bis elf Mrd. Euro für die Postbank vorsieht. Als weitere Interessenten gelten die Deutsche Bank, Lloyds aus Großbritannien, ING aus den Niederlanden und Santander aus Spanien.

Postbank-Verkauf gilt als schwierig

Die Bundesregierung ist optimistisch, dass der Verkauf der Postbank noch in diesem Jahr realisiert werden kann. „Der Zeitrahmen ist ehrgeizig, aber absolut realistisch“, heißt es in der Spitze des Finanzministeriums. Selbst wenn eine der beteiligten Banken eine Kapitalerhöhung auf einer Hauptversammlung beschließen müsse, um zusätzliches Kapital für den Zukauf zu mobilisieren, könne der Deal im November oder Dezember abgeschlossen werden.

Mit dem Verkauf der Postbank will der Bund nicht nur einen zweiten nationalen Champion in der Finanzwelt schaffen, sondern zudem einen Beitrag zur Konsolidierung im Bankensektor leisten. Ein Scheitern der Verkaufsverhandlungen will Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) deshalb unter allen Umständen vermeiden.

Doch gilt der Postbank-Verkauf als schwierig. Die Konkurrenz anderer, parallel zum Verkauf stehender Banken erschwert die Verhandlungen ebenso wie die sinkende Eigenkapitalquote der Postbank und der im Dreimonatsschnitt hohe Aktienkurs, zu dem ein möglicher Käufer alle Kleinaktionäre abfinden müsste. Vielleicht setzt Appel deshalb auf bilaterale Gespräche statt auf das klassische Verkaufsverfahren, bei dem die Interessenten tief in die Bücher schauen dürfen.

Das Finanzministerium betonte, dass sich Steinbrück in diese Sondierungsgespräche nicht einschalten werde. Erst Ende Juli oder Anfang August will er sich nach Informationen aus Regierungskreisen mit Appel zu einem Gespräch treffen. Dann soll der Postchef dem Minister mitteilen, an wen die nach Kunden größte deutsche Privatkundenbank verkauft werden soll. Bis Anfang 2009 besitzt die Regierung ein Vetorecht beim Verkauf.

Organisatorisch hat sich die Post auf die Verhandlungen bereits eingestellt: Postbank-Chef Wolfgang Klein lasse sein Mandat im Vorstand der Post ruhen, teilte die Post gestern mit. Damit ist klar, dass Konzernboss Appel die Verkaufsgespräche zur Chefsache macht.


Fantasie blüht

Das Drei-Säulen-System

Das deutsche Bankensystem ist gekennzeichnet durch seine Unterteilung in die öffentlich-rechtlichen Spar- und Girokassen, die genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken und die privaten Banken. Derzeit gibt es rund 460 Sparkassen und sieben selbstständige Landesbanken, rund 1 300 Genossenschaftsbanken und mehr als 280 private Banken.

Konsolidierung, aber wie?

Innerhalb jeder der drei Segmente laufen Fusionsgespräche. Auffällig ist, dass über deren Grenzen hinweg nicht miteinander gesprochen wird.

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