Gesundheitswesen: Ärzte und Krankenkassen streiten um falsche Abrechnungen

Gesundheitswesen
Ärzte und Krankenkassen streiten um falsche Abrechnungen

Immer mehr Krankenhausabrechnungen seien falsch, klagen die Krankenkassen in einem bisher unveröffentlichten Bericht. Fast die Hälfte der Kliniken rechneten falsch ab. Die Ärzte wehren sich gegen die Vorwürfe.

Passau/BerlinDie Krankenkassen beanstanden nach einem Zeitungsbericht fast jede zweite Krankenhausabrechnung. Dies gehe aus dem noch unveröffentlichten Bericht des Spitzenverbandes der Krankenkassen zur Korruption im Gesundheitswesen hervor, berichtet die Düsseldorfer „Rheinische Post“.

Nach Überprüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen sei der Anteil der Kliniken, die falsch abrechneten in den vergangenen Jahren stark gestiegen. 2006 habe er bei 35 Prozent gelegen, 2010 bereits bei 45,6 Prozent.

Der Medizinische Dienst prüft der Zeitung zufolge jeweils 10 bis 12 Prozent aller Krankenhausabrechnungen. Die Ärzte verteidigen sich gegen den Berich in der „Passauer Neuen Presse“ laut Vorabbericht. „Man darf Verdachtsfälle nicht mit abgeurteilten Fällen verwechseln“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery der Zeitung.

Er wies auf die rückläufige Zahl von Abrechnungsbetrügereien im Gesundheitswesen hin, die in der polizeilichen Kriminalstatistik erfasst wird. So sei die Zahl im Jahr 2011 auf 2.876 Fälle gesunken - 40 Prozent weniger als zwei Jahre zuvor. „Ärzte sind für klare Regeln, sie wollen nicht im Ruch des Betrugs oder der Korruption stehen“, versicherte Montgomery.

Die gesetzlichen Krankenkassen haben in den Jahren 2010 und 2011 rund 53.000 Fälle von Fehlverhalten von Ärzten, Apothekern, Krankenhäusern und anderen Dienstleistern aus dem Gesundheitsbereich verfolgt. In 2.600 Fällen sei die Staatsanwaltschaft unterrichtet worden, bestätigte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) am Freitag in Berlin auf dapd-Anfrage.

Auch der Gesundheitsexperte der Unionsfraktion, Jens Spahn hat sich in die Diskussion eingeschaltet. Spahn hat sich in den Dortmunder „Ruhr Nachrichten“ dafür ausgesprochen, den Ärzteorganisationen regelmäßiger Korruptionsberichte abzuverlangen. Die Krankenkassen haben dies erstmals getan, wie am Donnerstag bekanntwurde. „Wir sollten Ärztekammern und Kassenärztliche Vereinigung gesetzlich dazu verpflichten, ihrerseits spätestens alle zwei Jahre einen Bericht über Fehlverhalten und ihre Verfahren vorzulegen.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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dapd 
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