Gewinne lassen Kritiker verstummen: Schweizer Kantonalbanken im Glück

Gewinne lassen Kritiker verstummen
Schweizer Kantonalbanken im Glück

Das gesamte System der Kantonalbanken war bereits in der Kritik. Doch angesichts von anhaltenden Rekordgewinnen müssen sich Kritiker zunehmend selbst das Wort verbieten. Eine Analyse zeigt solide Grundfesten.

ZÜRICH. Die Zufriedenheit auf beiden Seiten ist mal wieder groß: Die Zürcher Kantonalbank, die mächtigste unter den 24 Kantonalbanken der Schweiz, hat am vergangenen Freitag das beste Ergebnis ihrer Firmengeschichte vorgelegt. Der Überschuss stieg im vergangenen Jahr um 15,7 Prozent auf 937 Mill. Franken (586 Mill. Euro).

Wie bei allen Kantonalbanken, die mit ihrer Staatsgarantie im Rücken in der Schweiz das sind, was in Deutschland die Sparkassen darstellen, trägt auch bei den Zürchern das Zinsgeschäft am meisten zum Betriebsertrag bei. Den größten Zuwachs erzielte die Bank diesmal allerdings auf einem anderen Feld: Das Handelsgeschäft, darunter vor allem der Aktienhandel, verbesserte seinen Ertrag um 38,6 Prozent auf 458 Mill. Franken. Freuen können sich über die Ergebnisse nicht nur die Bank und ihr scheidender Chef Hans Vögeli, sondern auch Kanton und Gemeinden: Auf sie prasselt ein Geldregen von 341 Mill. Franken nieder, der allerdings geringere Einnahmen aus dem innerschweizer Finanzausgleich zufolge haben wird.

Dennoch: Angesichts solcher Ergebnisse ist es in der Schweiz still geworden in der Diskussion, wie lange das Modell der Kantonalbanken noch zu halten ist, während ringsherum in der EU Staatsgarantien für Banken wegen ihrer wettbewerbsverzerrenden Auswirkungen abgeschafft werden. Auch die Schweiz war unter Druck geraten: 2002 hatte der Internationale Währungsfonds in einer Studie über das eidgenössische Finanzsystem die gleich mehrfache Bevorzugung der Kantonalbanken durch Staatsgarantie, Steuervorteile und erleichterte Eigenmittelvorschriften kritisiert. In diese Phase fiel auch die formale Trennung zweier westschweizer Kantonalbanken von ihrem Kanton, die allerdings in der Praxis kaum Folgen hatte, da die Banken dennoch auf die Unterstützung der Kantone bauen können, wenn sie in Schwierigkeiten geraten.

Die Rekordergebnisse, die nicht nur die Zürcher Kantonalbank seit Jahren einfährt, haben dazu geführt, dass sich die Analysten von Standard & Poor’s das System jüngst näher angeschaut haben. Ihr Fazit: Die Kantonalbanken haben in ihren Regionen hohe Marktanteile, profitieren von einem soliden Markt für Wohnimmobilien, auf dem sie als Finanzierer auftreten, und bleiben trotz Wettbewerbern, die es anders machen, bei sehr konservativen Kreditvergaberichtlinien. Große Wachstumsschritte etwa durch Zukäufe sind nicht in Sicht, wie kürzlich beispielsweise die Glarner Kantonalbank erfahren musste, die mit ihrem Angebot für eine führende ostschweizer Regionalbank an einer besseren Offerte aus Liechtenstein scheiterte.

Die Staatsgarantie, so meint Standard & Poor’s-Direktor Bernd Ackermann, werde schon deswegen nicht fallen, weil dazu eine Volksbefragung nötig würde, in der regionale Politiker nicht zuletzt das Argument ausspielen könnten, dass die Kantonalbanken als Arbeitgeber unersetzlich seien.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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