0 Bewertungen
05.12.2007 
Teure Kundenansprüche

Globale Rück will zwangsabfinden

von Rita Lansch

Die Globale Rück, der 2002 stillgelegte, einst sechstgrößte Rückversicherer der Welt, will Kundenansprüche zwangsabfinden. Nach deutschem Recht ist das nicht möglich, wohl aber nach britischem. Die Globale wäre damit die erste Gesellschaft, die ein englisches „Solvent Scheme of Arrangement“ von Deutschland aus durchführt.

KÖLN. Das bestätigte Globale-Vorstand Volker Weisbrodt am Rande einer Tagung in Köln. Die Einstellung des aktiven Geschäfts der ehemals zum Gerling-Konzern gehörenden Gesellschaft gilt als größter „Run-off“ (Abwicklung) in der Geschichte der Branche.

Die Versicherer stehen unter verstärktem Druck, seit sie neue europäische Eigenmittelanforderungen erfüllen müssen. Gleichzeitig hat sich der Wettbewerb verschärft und die Prämien sind im Keller. Deshalb suchen immer mehr Versicherer nach Wegen, um unrentable Geschäfte loszuwerden. Dabei kann es für einen Konzern lukrativer sein, eine Tochter oder ein Geschäftsfeld einzustellen, als es zu verkaufen. Spätestens, wenn die Investmentbanker keinen Käufer finden, steht die Stilllegung an.

Die Abwicklung von stillgelegten Versicherungsbeständen zieht sich allerdings ähnlich lange hin wie die Schließung eines Atomkraftwerks. Sie ist erst abgeschlossen, wenn alle Ansprüche aus den Policen erloschen sind. Insbesondere aus Haftpflichtpolicen können noch nach Jahrzehnten Nachforderungen kommen. Das hängt mit ständig verfeinerten medizinischen Analysemethoden und dem US-System der Sammelklagen zusammen. Die Anwälte suchen noch Jahre später zum Beispiel nach Asbest-Geschädigten, um sie erfolgsabhängig vertreten zu können.

Die Kunden stillgelegter Rückversicherungen, allesamt selbst Versicherungsunternehmen, müssen abwägen, ob sie auf die Zahlungskraft ihres Ex-Rückversicherers vertrauen oder sich ihren Anspruch abkaufen lassen. Das nennt sich im Fachjargon Commutation.

Die Globale Rück veranstaltet zusammen mit dem Abwicklungsspezialisten Cavell gestern und heute zum dritten Mal das Cologne Commutations Rendez-Vous, eine Art Begräbnismesse für Versicherungen. Dabei kann die Globale auf eigene Erfahrung zurückgreifen. Bei Gerling musste damals dicht gemacht werden, weil die Gesellschaft sich mit ihrer US-Tochter verhoben hatte.

Als Folge dieser Schieflage musste Familieneigentümer Rolf Gerling seinen Konzern an die Talanx-Gruppe verkaufen. Die Globale ist an den Investor Achim Kann gegangen. Das Restrisiko aus der Abwicklung trägt aber nach wie vor Rolf Gerling. Er dürfte ein vitales Interesse an einer schnellen Beendigung des Kapitels haben.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: So machen es die Briten.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Andere Regeln für private Banken  Artikel in Merkliste

29.08.2008

Was für Unternehmer rechtens ist, muss der Verbraucher nicht immer billigen. Die Vertragsordnung für Bauleistungen, die für Unternehmer angewandt wird, enthält bei Verträgen mit Privatleuten unwirksame Klauseln, die im Einzelfall geprüft werden müssen. Artikel


Anzeige