Göker-Film vor Gericht: Eine Versicherung, ein Lob und die Scham

Göker-Film vor Gericht
Eine Versicherung, ein Lob und die Scham

Der Versicherungsverkäufer Mehmet Göker hat die Geldgier vieler Versicherungen öffentlich gemacht. Das ist manchem Ex-Partner peinlich. Die Alte Leipziger möchte daher acht Sekunden Lob über Göker für immer löschen.  

Keiner wird gerne an fragwürdige Auftritte erinnert. Doch wenn sie vor Gericht landen, wird die Peinlichkeit erst recht zum Gesprächsthema. So geht es nun Frank Kettnaker, der als Vertriebsvorstand für die Versicherungsgruppe Alte Leipziger Geschäfte mit dem schillernden Versicherungsverkäufer Mehmet Göker gemacht hat.   

Kettnaker geht im Namen seines Arbeitgebers gegen den Filmemacher Klaus Stern vor. Der profilierte und mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilmer hat den Streifen „Versicherungsvertreter“ gedreht und dabei auch Kettnaker gezeigt, wie er den umstrittenen MEG-Chef Göker lobt. 

Seit März läuft die Dokumentation über den Ex-Chef des insolventen Finanzvertriebs MEG, Mehmet Göker, bundesweit in den Kinos – mit unerwartet großem Erfolg. Knapp 19.000 Besucher wurden in elf Wochen bisher gezählt. Am 4. Juni läuft eine 45 Minuten lange Kurzfassung in der ARD. 

Der Film ist aus der Sicht von Stern so erfolgreich, weil er am Beispiel des Aufstiegs und Niedergangs einer Person und seines Unternehmens einen ungewöhnlichen Blick in die Versicherungsbranche gewährt. Göker hat mit zeitweise mehr als 1000 Mitstreitern private Krankenversicherungen verkauft. Das ist ein extrem lukratives Geschäft – für alle Beteiligten. 

Für die Vermittlung eines Kunden an einen Krankenversicherer bekam MEG bis zu 8000 Euro Provision oder mehr von den Versicherern. Das ist enorm viel Geld für einen Vertrag, wie ein Vergleich zeigt. Die Anwälte von Stern weisen auf die Regeln der Konkurrenz hin: Die gesetzlichen Krankenkassen durften nach einer Vorschrift der Aufsichtsbehörden nur maximal 76,65 Euro für ein neues Mitglied zahlen. 

In dem Film zeige Stern, „mit welcher Gier und überhöhten Provisionen die deutschen Versicherungskonzerne um Privatpatienten buhlen“, stellen die Anwälte des Filmemachers fest. Der Film portraitiere ferner die offenbar grenzenlose Eitelkeit des Alleinvorstandes und Alleinaktionärs der MEG AG, Mehmet Göker. Er habe persönlichen Reichtum und private Prasserei zur Schau gestellt – als wichtigen Teil des Geschäftsmodells im Versicherungsvertrieb. Im Herbst 2009 ging MEG in die Insolvenz, namhafte Versicherer blieben insgesamt auf zweistelligen Millionenbeträgen sitzen. 

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