Gontard & Metallbank: Neues Leben für die Bank der Untoten

Gontard & Metallbank
Neues Leben für die Bank der Untoten

Die Vergangenheit ist nur einen Mausklick entfernt: „Die Gontard & Metallbank ist eine moderne Privat- und Investmentbank, die insbesondere junge innovative mittelständische Unternehmen an die Börse begleitet und sich auf Basis individueller Beratung und Betreuung einen guten Ruf erworben hat“, meldet unverdrossen noch heute das populäre Börsenportal Onvista – vier Jahre nach der Insolvenz der Traditionsbank.

HB FRANKFURT. Sie erlebte mit dem Boom der New Economy einen kurzzeitigen Höhenflug. Nach deren Niedergang und Pleite geistert sie heute noch als Untoter durch den Börsensaal, belebt allenfalls von der Phantasie unbeirrbarer Penny-Stock-Zocker.

Aber vielleicht überholt ja die glanzvolle Vergangenheit wieder die triste Gegenwart: In der sind noch sieben Mitarbeiter der Bank unter Aufsicht des Hamburger Insolvenzverwalters Klaus Pannen damit beschäftigt, die finanziellen Restbestände der 280 Jahre alten Bank zu entsorgen und endgültig abzuwickeln.

Denn es gibt erneut einen Versuch, die Bank, bei der sich Tradition, Dichtung und Pleite zu einem phantasievollen Stück deutscher Wirtschafts- und Sozialgeschichte vermengen, wieder zu beleben. Darum jedenfalls bemüht sich der Kölner Finanz- und Unternehmensberater Alexander Lichtenberg (44): Er lädt per Zeitungsanzeigen die Aktionäre der Bank, allerdings nur ernsthafte mit einem Depotwert von mehr als 5 000 Euro, zum 9. Februar zu einer Informationsveranstaltung in das Kölner Nobel-Hotel Excelsior. Dann will er sich und seine Mitstreiter vorstellen, die die Traditionsbank aus der Insolvenz heraus- und in eine moderne Direktbank für den Mittelstand überführen möchten. Die Aktionäre sollen dazu gewonnen werden, mit den Gläubigern der Bank einen Forderungsverzicht zu Gunsten eines Besserungsscheins auszuhandeln. Gelingt dies, soll die Bank aus der Insolvenz geführt werden, und eine Hauptversammlung über Satzungsänderung, Kapitalerhöhung, Geschäftsmodell und Ausgabe vinkulierter Namensaktien bestimmen.

Lichtenberg, einst leitender Angestellter der Dresdner Bank, arbeitet seit vier Jahren auf diesen Tag hin und hat nach eigenen Angaben bislang sechs Millionen Euro in Vorbereitung, Computerprogramme und in die zu drei oder vier Cent gehandelten Aktien investiert. Dazu hat er zwei Aktienclubs organisiert, die im Herbst vergangenen Jahres meldeten, dass sie 28,57 Prozent der Aktien eingesammelt hätten. Wie Recherchen des Handelsblatts ergaben, hält die Gruppe um Lichtenberg über zahlreiche kleine Privatdepots aber annähernd 60 Prozent der Aktien.

Denn noch wird das Papier an der Frankfurter Wertpapierbörse geführt – weil Konkursverwalter Pannen hofft, in einigen Jahren nach Abschluss des langwierigen Insolvenzverfahrens auch noch den Börsenmantel verscherbeln zu können. Solange aber wollen Lichtenberg und Partner nicht warten. Sie wollen noch im Herbst oder Winter diesen Jahres den Relaunch der Bank geschafft und sie mit 80 Millionen Euro frischen Kapitals ausstaffiert haben. Insgeheim hofft er auf die noch bestehende, einst moderne und weit überdimensionierte EDV der ehrgeizigen Bank, Verlustvorträge, Börsenzulassung und schlummernde Vermögenswerte, die darauf warten, wachgeküsst zu werden. Tatsächlich war die Bank bei ihrer Schließung keineswegs hoffnungslos überschuldet oder illiquide – nach Angabe von Beteiligten am Konkursverfahren fehlten lediglich rund 25 Millionen Euro. Bis heute wurden die Gläubiger mit 57 Prozent ihrer Forderungen bedient. Derzeit werden noch strittige Kredite in Höhe von rund 20 Millionen Euro abgewickelt, zudem sollen Forderungen aus der Organhaftung von Versicherungen erstritten werden. Mitglieder des Gläubigerausschusses halten daher eine Quote von bis zu 70 Prozent für realistisch. Hauptgläubiger ist der Einlagensicherungsfonds der deutschen Banken, der fast 700 Millionen Euro Kundeneinlagen abgelöst hat.

Dem Einlagensicherungsfonds kommt damit bei einem Insolvenzplan, der einen weitgehenden Forderungsverzicht für die Beträge jenseits der Insolvenzmasse bedeutet, eine Schlüsselstellung zu. Beim Einlagensicherungsfonds gibt man sich eher amüsiert über die Wiederbelebungsversuche. Zwar könne man sich einem Insolvenzplan mit einem Aufschlag im Vergleich zur Abwicklung kaum entziehen. Aber der Weg sei bislang noch nie umgesetzt worden, rechtlich kompliziert und teurer als Kauf und Übernahme einer bestehenden Bank, sagen die Profis des Geldgewerbes.

Seite 1:

Neues Leben für die Bank der Untoten

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%