Die befragten Institute, darunter die Deutsche Bank und ABN Amro, wollten sich nicht dazu äußern, ob die Linien bereits gezogen worden seien. ABN betonte, für die Linien sei bereits Kapital zurückgestellt worden. Weder die Bank noch ihre Finanzvehikel hätten Probleme, sich zu refinanzieren.
Einige Großbanken sind offenbar dazu übergegangen, am Markt angebotene CPs der Finanzierungsgesellschaften selbst zu kaufen und in den eigenen Handelsbestand zu nehmen. So sollen eine weitere Schädigung des Rufs und damit ein völliger Zusammenbruch des Marktes verhindert werden. „Ich rechne damit, dass alle großen Spieler inzwischen Milliarden von Commercial Papers in den Eigenhandelsbüchern haben, die sie von den Endinvestoren zurücknahmen“, sagte ein Investmentbanker. Bei weiter fallenden Märkten sammeln sich hier Verluste an. „Durch die Pflicht zur aktuellen Marktbewertung wird sich deren gesunkener Wert auch in den Bilanzen und Ergebnissen der Banken niederschlagen und den bis vor kurzem anhaltenden Trend steigender Gewinne ins Gegenteil umkehren“, urteilt Kreditanalyst Jens Huuk von der LBBW.
Erstmals bemerkbar machen wird sich dieser Effekt in den Quartalszahlen der großen Investmentbanken. Als eine der ersten berichtet Goldman Sachs am 20. September. Selbst ein konservativer Konzern wie die Schweizer UBS hatte bereits in ungewöhnlich deutlicher Manier gewarnt: „Sollten die aktuell turbulenten Bedingungen im ganzen dritten Quartal andauern, werden wir möglicherweise mit einem stark beeinträchtigten Handelserfolg rechnen müssen“, hatte Bankchef Marcel Rohner jüngst erklärt. Analysten erwarten, dass viele Banken die nächsten Quartale nutzen werden, um ihre Bilanzen zu bereinigen, und die Verluste entsprechend hoch ausfallen könnten. Die Alternative: Wer auf eine Erholung setzt, hält die Papiere bis zur Endfälligkeit und realisiert keine Verluste.
Die Erwartung eines schwachen 3. Quartals spiegelt sich im Verfall der Aktienkurse wider. So hat der Kurs der Deutschen Bank in den vergangenen drei Monaten 20 Prozent verloren. Zu Gerüchten über negative Überraschungen beim Ergebnis lehnt die Bank jeden Kommentar ab.

