In den kommenden Tagen legen die wichtigsten US-Banken ihre Zahlen für das erste Quartal vor. Das Zittern beginnt von neuem. Analysten erwarten insbesondere bei der Citigroup
und beim Brokerhaus Merrill Lynch
weitere Abschreibungen in Milliardenhöhe.
Das Citigroup Cener in New York. Bei der Großbank werden besonders hohe Abschreibungen erwartet. Foto: ap
tor/HB NEW YORK. Am Montag hat die viertgrößte US-Bank Wachovia bereits einen überraschenden Quartalsverlust von netto 350 Mill. Dollar bekannt gegeben. Ohne Sonderposten habe der Verlust bei 270 Mill. Dollar oder 14 Cent je Aktie gelegen, mit Sondereinflüssen sogar bei 393 Mill. Dollar oder 20 Cent je Aktie. Analysten hatten trotz der Belastungen durch die Kreditkrise einen Gewinn von 48 Cent je Aktie erwartet. Vor einem Jahr hatte die Bank, die jetzt eine Kapitalerhöhung von sieben Milliarden Dollar plant, noch einen Gewinn von 2,3 Mrd. Dollar oder 1,20 Dollar je Anteilsschein verbucht. Der Aktienkurs von Wachovia fiel nach Börsenbeginn in New York um fast neun Prozent.
Der Doppelschlag von Finanzkrise und Rezession trifft die Citigroup
als Allfinanzdienstleister besonders hart. Meredith Whitney, Analystin beim Investmenthaus Oppenheimer in New York, sieht im ersten Quartal einen Abschreibungsbedarf von 13 Mrd. Dollar. Und da ist die Vorsorge für Ausfälle aus dem klassischen Kreditgeschäft noch gar nicht enthalten. Bislang hat die Bank, die ihre Zahlen am Freitag vorlegt, bereits mehr als 20 Mrd. Dollar abgeschrieben.
Die Geschäftsbanken leiden nicht nur unter der Kreditkrise, sondern müssen sich jetzt auch für die finanziellen Folgen einer Rezession rüsten. In wirtschaftlich schlechten Zeiten steigen die Kreditausfälle bei Verbrauchern und Unternehmen. Eine Anstieg der Arbeitslosigkeit könnte zudem die Zahlungsausfälle im Hypothekengeschäft noch weiter in die Höhe treiben. Nur die Großbank JP Morgan Chase dürfte in der Finanzkrise erneut deutlich besser abschneiden als die Konkurrenz.
Um die Verluste aufzufangen hat Citi ihre Dividende gekürzt und ihre Kapitalbasis mit Hilfe ausländischer Investoren um rund 30 Mrd. Dollar gestärkt. Das reicht offenbar immer noch nicht. "Es braucht mehr, um Citi zu retten", sagte vor kurzem Sameer Al Ansari, Chef des staatlichen Investmentfonds Dubai International Capital.
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Tausende Stellen streicht
Konzernchef Vikram Pandit hat deshalb weitere Notmaßnahmen ergriffen. Kreditpakete für Übernahmefinanzierungen in Höhe von gut zwölf Mrd. Dollar sollen mit schmerzhaften Abschlägen an die "Geierfonds" von Private-Equity-Firmen verkauft werden.
Für das angeschlagene Verbrauchergeschäft in den USA hat sich Pandit die ehemalige Lloyds-Bankerin Terri Dial als Verstärkung geholt. An der Wall Street wird damit gerechnet, dass die Bank rund fünf Prozent ihrer weltweit 300 000 Arbeitsplätze abbauen wird.
Angesichts dieser Rückschläge haben viele Investoren den Glauben an das Geschäftsmodell der Citigroup
aufgegeben. An der Börse hat Citi längst den Anschluss an seine Hauptrivalen JP Morgan Chase und Bank of America verloren und ist gemessen am Marktwert auf den dritten Platz abgerutscht. Selbst Ex-Chef John Reed hält die von ihm selbst vorangetriebene Idee von einem Finanzsupermarkt inzwischen für einen "Fehler".
Jamie Dimon, Chef des Konkurrenten JP Morgan, dürfte das Schicksal der Citi mit einer klammheimlichen Genugtuung betrachten. Wurde er doch vom damaligen Citi-Chef Weill gefeuert und hat seitdem erst bei Bank One in Chicago und jetzt bei JP Morgan gezeigt, dass sich eine Großbank mit einem diversifizierten Geschäftsmodell sehr wohl managen lässt. "Die Kultur der beiden Institute ist sehr verschieden", sagte Gail Fosler, Ökonomin bei der New Yorker Denkfabrik Conference Board, "JP Morgan hat ein viel stärkeres Risikobewusstsein als Citi." Die bisherigen Abschreibungen liegen deshalb unter vier Mrd. Dollar. Aus dieser Position der Stärke heraus nutzt Dimon die Krise für Zukäufe. Nicht nur die Investmentbank Bear Stearns hat er zum Schnäppchenpreis von zehn Dollar je Aktie geschluckt, er soll auch sieben Mrd. Dollar für die Bausparkasse Washington Mutual geboten haben.
Als letztes der großen Brokerhäuser wird Merrill Lynch
am Donnerstag seine Zahlen vorlegen. Obwohl Analysten mit neuerlichen Abschreibungen von rund fünf Mrd. Dollar rechnen, hat Merrill-Chef John Thain noch einmal bekräftigt, dass er ohne neue Kapitalhilfen über die Runden kommen will. Merrill musste bisher gut zwölf Mrd. Dollar aufnehmen, etwa aus Korea und Singapur.

