Großinvestoren: UBS bittet um Vertrauen

Großinvestoren
UBS bittet um Vertrauen

Die Schweizer Großbank UBS bittet ihre Aktionäre, dem geplanten Einstieg von Großinvestoren bei der außerordentlichen Hauptversammlung Ende Februar zuzustimmen. Der Grund: Das gesamte Jahr 2008 werde voraussichtlich schwierig. Damit schwenkt die UBS auf die Linie derer ein, die in den nächsten Monaten keine Beruhigung an den Finanzmärkten erwarten.

ZÜRICH. Um die UBS durch „turbulente Märkte zu navigieren“ seien die „vorgeschlagenen Maßnahmen zur Stärkung der Kapitalbasis“ wichtig, schrieb die Bank in einem Brief an die Anteilseigner. Es sei denkbar, dass die Kapitalerhöhung zu hoch ausfalle. Das sei jedoch auf jeden Fall besser, als wenn sie sich im Falle einer weiterer Marktverschlechterung als ungenügend erweisen sollte.

Die UBS schwenkt damit auf die Linie derer ein, die in den nächsten Monaten keine Beruhigung an den Finanzmärkten erwarten. Die UBS hat bislang umgerechnet knapp zehn Mrd. Euro vor allem wegen ihres Engagements im krisengeschüttelten US-Hypothekenmarkt verloren und gehört damit weltweit zu den Finanzdienstleistern, die am stärksten vom Abwärtstrend bei den Investmentbanken betroffen sind. Die Bank hat nach einer Phase, in der sie die Risikokontrolle zu Gunsten schnellen Wachstums hinten anstellte, umgerechnet 25 Mrd. Euro in Wertpapiere investiert, die inzwischen illiquide sind. Einen höher als bisher kalkulierten Abschreibungsbedarf schließen deshalb UBS-Chef Marcel Rohner und Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel nicht aus.

Während Rohner erst kurz vor Ausbruch der Krise im Sommer seinen Posten als CEO und vorübergehend auch als Chef des Investmentbereichs übernommen hatte, steht Ospel unter Druck, weil er als Präsident und Mitglied des dreiköpfigen Risikokomitees im Verwaltungsrat die riskanten Investitionen genehmigt hat. Dass er dennoch nicht wie andere Kollegen der Branche zurückgetreten ist, dürfte vor allem daran liegen, dass Ersatz nicht in Sicht ist.

Zudem wird Ospel intern als Manager dargestellt, der gute Kontakte hat. Vor allem seinen Beziehungen, so heißt es aus der UBS, sei zu verdanken, dass die Bank im Dezember, als sich weitere Verluste abzeichneten, schnell zwei Investoren gefunden habe. Diese stellten der UBS über eine gut verzinste Wandelanleihe Kapital über mehr als acht Mrd. Euro zur Verfügung stellen. Der größere der beiden Investoren ist ein Staatsfonds aus Singapur, der zwar nach eigener Aussage keine strategischen Interessen bei der UBS vertritt, aber dennoch möglicherweise einen Sitz im Verwaltungsrat der Bank erhalten soll. Zweiter Geldgeber ist laut Finanzkreisen ein regierungsnaher Investor aus Saudi Arabien.

Durch den Einstieg der Investoren, den Wiederverkauf von Aktien aus Eigenbeständen und den vorgeschlagenen Verzicht auf eine Bardividende für die Aktionäre, will die Bank ihr Kapital um rund zwölf Mrd. Euro stärken. Die Vorgänge haben bei einigen Aktionären Unmut hervorgerufen. So will die Schweizer Anlagestiftung Ethos, die zahlreiche Pensionskassen vertritt, auf der Hauptversammlung nachhaken, wieso die Risikokontrolle der Bank derart versagt hat. Andere Aktionäre bemängeln das Geschäftsmodell der UBS, die unter einem Dach die stabile Vermögensverwaltung und den volatilen Investmentbereich vereint und fordern, die Bereiche zu trennen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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