Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes Heinrich Haasis hält eine Verbindung der Landesbank Baden-Württemberg und der BayernLB in einer Südbank für eine "zukunftsweisende" Lösung. Doch es gibt Störpotenzial.
FRANKFURT. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Heinrich Haasis, ist ein mächtiger Mann. Doch er kennt seine Grenzen. "Ich werde nicht erleben, dass es nur noch eine Landesbank gibt", sagte er auf der Handelsblatt-Tagung "Banken im Umbruch" in Berlin. Aber eine Reduzierung der selbstständigen Landesbanken von derzeit sieben auf sechs sieht er schon.
"Die Verbindung von Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und BayernLB in einer Südbank wäre eine zukunftsweisende Lösung", sagte Haasis. Zu weiteren Details wollte er sich nicht äußern, "um die Handlungsspielräume der Verantwortlichen nicht unnötig einzuengen." Noch müsse ausgelotet werden, wie die Interessen der Trägergruppen, die beiden Länder, die Sparkassenverbände sowie die Stadt Stuttgart, ausreichend berücksichtigt werden können.
LBBW-Chef Siegfried Jaschinski, der eine Verbindung zur BayernLB durchaus als sehr reizvoll empfindet, hat bereits Störpotenzial geortet. Mit Blick auf die ernsthaften Versuche der BayernLB, Finanzinvestoren ins Boot zu holen, sagte er dem Handelsblatt Anfang der Woche: "Die Struktur wäre sehr kompliziert, wenn bei Gesprächen zwischen der BayernLB und der LBBW noch ein Dritter am Tisch säße."
DSGV-Präsident Haasis glaubt, die BayernLB wolle mit diesem Vorstoß nur ihre Optionen sichern. "Die Beteiligung von Finanzinvestoren ist nicht additiv zu sehen, sondern dürfte nur zum Tragen kommen, wenn es keine Lösung im Landesbankenlager gibt." Auf jeden Fall hat ein Sinneswandel bei der BayernLB stattgefunden. Denn die harsche Kritik des ehemaligen BayernLB-Chefs Werner Schmidt am Einstieg des US-Investmentbankers Christopher Flowers bei der HSH Nordbank ist noch in guter Erinnerung.
Ein Selbstläufer wäre die Verbindung von BayernLB und LBBW nicht. So rechnet Jaschinski damit, dass bei einer Zusammenführung von zwei Instituten, die kombiniert eine Bilanzsumme von 900 Mrd. Euro auf die Waage bringen, die Liquiditätslinien gekürzt würden. Zudem sei die LBBW bereits "atemlos" in der Konsolidierung tätig. Nach der Integration der SachsenLB konzentriere man sich jetzt auf die Eingliederung der Landesbank Rheinland-Pfalz. Das Projekt soll im November abgeschlossen werden. "Ich würde meinen Konzern gefährden, wenn ich ein noch schärferes Tempo angehen würde", sagte Jaschinski gestern.
Mehr Druck als ihr lieb ist, verspürt die Sparkassen-Finanzgruppe auch bei der WestLB, die auf der Suche nach Investoren ist. Die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hat das Restrukturierungskonzept der WestLB als nicht tragfähig zurückgewiesen. Und das, obwohl die Beihilfeprüfung noch nicht abgeschlossen sei und so eine Lösung konterkariert werde, kritisierte der DSGV. Auch die Bundesregierung fand das Vorgehen der Kommissarin "befremdlich". Das sei auch angesichts der labilen Situation der Finanzmärkte "risikobehaftet". Realistischerweise können Investoren für die WestLB erst dann gefunden werden, wenn man weiß, welche Auflagen die EU-Kommission mit der Gewährung der Beihilfen verbindet. "Keiner kauft doch die Katze im Sack", hieß es in sparkassennahen Kreisen.
Die von der EU-Kommission insgeheim im Rahmen des Sanierungskonzepts favorisierte Übernahme von Sparkassen durch die WestLB wird es aus Sicht von Haasis nicht geben. "Dann würden wir unser Verbundmodell auseinanderreißen." Für den Deutsche Bank-Chef
Josef Ackermann sind die Sparkassen übrigens tabu. "Ich stelle keine Bereitschaft seitens der Beteiligten fest, die Sparkassen zu verkaufen." Daher sei das für den Primus unter den deutschen Banken auch kein Thema.

