Handelsblatt-Jahrestagung: „Niemals enden wie Dinosaurier“

Handelsblatt-Jahrestagung
„Der Wandel wird noch brutal unterschätzt“

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„Niemals enden wie Dinosaurier“

Viele Banken arbeiten inzwischen auch in großem Stil mit Fintechs zusammen. Man könne nicht gegen sie arbeiten, sondern müsse auch kooperieren, so Frank Nierhaus, Bereichsvorstand Mitte der Commerzbank. „Keiner wird in der Lage sein, alle Angebote selbst zu entwickeln.“

Wöhrmann sagte, das werde die Begegnung der Herausforderungen erleichtern. Aber auch die Digitalisierung der Bankprozesse sei wichtig, um schnell reagieren zu können und den Wandel zu schaffen. Wenn Banken sich dabei richtig aufstellten, müssten sie auch keine Angst vor Fintechs haben. Es drehe sich alles um den Kunden. Wer sich darauf einstelle, „wird niemals enden wie die Dinosaurier“.

Allerdings: Nicht jeder glaubt, dass die Geldhäuser sich den Veränderungen bereits ausreichend stellen. „Der Wandel wird noch brutal unterschätzt“, sagte Ralph Hientzch, Geschäftsführer der Beratungsfirma Consileon. Er werde von vielen Vorständen noch viel zu wenig ausgegangen. Dabei geht es seiner Ansicht nach aus darum, die richtigen Mitarbeiter zu bekommen. IT-Entwickler mit Ambitionen würden nicht zu einer Bank gehen, sondern zu Facebook, sagte Bajorat.

Zumindest wissen die Banken, dass sie sich von großen Technologiefirmen einiges abschauen können. Der Prozess, dass ein Kunde online nach Kreditoptionen sucht und dann tatsächlich in den Kreditprozess einsteigt, betrachtet Martin Schmidberger als einen Schlüsselmoment für die Banken. Dabei könne man zum Beispiel von Amazon sehr viel lernen, so der Leiter Produkt- und Zielgruppenmanagement der Onlinebank ING-Diba.

Anders als die Deutsche Bank und die Commerzbank kommt die ING-Diba ohne ein großes Filialnetz aus – wobei die Deutsche Bank derzeit ein Viertel ihrer Filialen schließt. Die Onlinebank, die zur niederländischen ING gehört, bietet nach wie vor ein kostenloses Girokonto an. „Das ist eine fantastische Chance, in einem Markt zu wachsen, der sich stark verändert“, sagte Schmidberger. Das Geldhaus hat fast neun Millionen Kunden, führt dabei 1,7 Millionen Girokonten, immerhin aber ein Viertel mehr als vor einem Jahr.

Auch die Commerzbank lockt Kunden mit einem Gratis-Konto, zuletzt auch mit einer Gutschrift von 200 Euro bei der Kontoeröffnung. Im vergangenen Jahr gewann sie in dem Segment Privat- und Unternehmenskunden rund 321.000 neue Kunden, seit dem Jahresende 2012 stieg die Kundenzahl um 1,1 Millionen. Auch für die Commerzbank sei das kostenlose Girokonto der wesentliche Wachstumshebel, sagte Nierhaus.

Hientzch betrachtet das Gratis-Konto jedoch skeptisch: „Ich würde das einer Commerzbank nicht raten.“ Sie könnte, würde sie einen Preis für die Kontoführung erheben, sehr viel verdienen. Er halte das nicht für eine „wahnsinnige Wachstumsgeschichte“. Auch Wöhrmann äußerte sich kritisch: Man müsse Mehrwerte für Kunden schaffen. Es sei nicht unbedingt nachhaltig, wenn es Angebote umsonst gebe.

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