Handelsblatt-Leser fragen Josef Ackermann: „Ein Vorstandsvorsitzender ist nicht allwissend“

Handelsblatt-Leser fragen Josef Ackermann
„Ein Vorstandsvorsitzender ist nicht allwissend“

Wie legt Josef Ackermann sein Geld an? Wie steht er zum Steuerabkommen mit der Schweiz? Was sagt er zum Libor-Skandal? Handelsblatt-Leser haben gefragt, der Ex-Chef der Deutschen Bank zeigt sich auskunftsfreudig.
  • 11

Josef Ackermann hatte sich beim Deutschland-Dinner den Fragen von Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart gestellt. Im Anschluss daran durften Leser des Handelsblatt ihre Fragen an den ehemaligen Chef der Deutschen Bank einsenden, das Handelsblatt leitete sie weiter. Hier dokumentieren wir Ackermanns Antworten.

Sehr geehrter Herr Ackermann, wie war es möglich, dass Sie über Jahre nicht von der Libor-Manipulation gewusst haben?
Anders als manche offenbar glauben, ist ein Vorstandsvorsitzender nicht allwissend. In einer so großen und arbeitsteiligen Organisation wie der Deutschen Bank muss er sich immer auch darauf verlassen, dass die zuständigen Mitarbeiter ihren Bereich im Griff haben. Die Aufsichtsbehörden haben im Übrigen über Jahre ebenfalls nichts davon gewusst. Als sie  die Bank über den Manipulationsverdacht informierten, haben wir jedenfalls sofort gehandelt und umfangreiche  Untersuchungen eingeleitet.

Wenn wir auf FDP-Chef Philipp Rösler gehört und Griechenland kein Geld gegeben hätten? Wo wären wir heute, Herr Ackermann?

Wenn Deutschland Griechenland hätte fallen lassen, wäre die Krise in Europa heute noch viel größer und die Kosten für Deutschland noch viel höher als so schon.

Welche faktenbasierten Gründe gibt es für die Rettung Griechenlandes? Macht es Sinn, einen Absatzmarkt erst zu erschaffen, um ihn dann bedienen zu können? Müsste man nicht fragen: Wie viel muss ich investieren, um wie viele Kunden zu gewinnen? Welchen (kommerziell betrachteten) Nutzen zieht Deutschland aus dieser Rettung?

Der ökonomische Nutzen der Rettung Griechenlands ergibt sich schon allein aus der Tatsache, dass die Alternative noch wesentlich mehr kosten würde. 500 Milliarden Euro etwa, nur für Griechenland, Ansteckungsgefahren für andere Problemstaaten nicht eingerechnet. Wir profitieren im Übrigen nicht nur direkt von unseren eigenen Exporten nach Griechenland, sondern auch indirekt von den Exporten anderer Länder dahin, mit denen wir wiederum Handel treiben. Und schließlich lassen sich politische und ökonomische Effekte nicht so sauber trennen, wie Sie das tun. Deutschland profitiert gerade auch ökonomisch sehr stark von einem vereinten Europa. Ohne ein solche Europa gerät das Land gegenüber Staaten wie den USA oder China in der Zukunft immer weiter ins Hintertreffen, weil die dann weitgehend alleine die Standards bestimmen, unter denen sich der Wettbewerb abspielt.

Deutschland profitiert angeblich von der günstigen Kreditaufnahme des Bundes. Das finde ich nicht: Wenn alle zehn Jahre eine Schuldenumwälzung mit einem drei Prozentpunkte günstigeren Steuersatz stattfindet als im Durchschnitt der EU Länder, kommt Deutschland bei einer Gesamtverschuldung von 2,1 Billionen Euro nur auf eine Ersparnis von 6 Milliarden Euro im Jahr. Die Ersparnis bewegt sich also zunächst im Promillebereich. Wo sind da Bund-Benefits für Deutschland?

Wie viel der deutsche Staat bisher von den niedrigen Zinsen und der entsprechend günstigen Kreditaufnahme in Euro und Cent profitiert hat, kann Ihnen nur das Finanzministerium beantworten. Aber ich halte den Vorteil für beträchtlich. Selbst in Ihrer Rechnung kommen ja in wenigen Jahren bereits beachtliche Milliardensummen zustande .

Kommentare zu "„Ein Vorstandsvorsitzender ist nicht allwissend“"

Alle Kommentare
  • Der Interviewte hätte auch Quackermann heißen können ....

  • Das Orakel von Delphi hat gesprochen. Die Interpretation grenzte schon vor 2000 Jahren an Kaffeesatzlesen.

  • Wir wollen doch nicht hoffen, dass der nicht allwissende Herr Ackermann nicht weiß wo er sein Geld "privat" angelegt hat. Vielleicht bei einer "Unternehmung" namens Libor.
    Darf ich das auch? Wäre doch zu schön.

  • Die Antwort war doch wohl so klar wie die Frage. Ackermann legt sein Geld bei sich selber privat an. Lol.
    Sie müssen sich bemühen den subtilen Humor des HB zu verstehen. Nicht immer leicht zugestandenerweise aber wenn der "Groschen" gefallen ist macht´s klick...

  • >> Sehr geehrter Herr Ackermann, wie war es möglich,
    >> dass Sie über Jahre nicht von der Libor-Manipulation gewusst haben?
    > Anders als manche offenbar glauben,
    > ist ein Vorstandsvorsitzender nicht allwissend.

    Also gemessen an den Gehältern, hätte ich nicht nur Allwissenheit, sondern sogar ein gewisses Maß an Hellsichtigkeit erwartet.

    > In einer so großen und arbeitsteiligen Organisation
    > wie der Deutschen Bank muss er sich immer auch darauf
    > verlassen, dass die zuständigen Mitarbeiter ihren
    > Bereich im Griff haben.

    Also darauf, dass ANDERE ihre Arbeit ordentlich erledigen.
    Aber bei den vielen Management-Schichten, die alles im Griff haben, bis herunter zu der Ebene, wo gearbeitet wird, kann die Kontrolle schon ein Stück weit abhanden kommen, gell?

    > Die Aufsichtsbehörden haben im Übrigen über Jahre
    > ebenfalls nichts davon gewusst.

    Naja wennn das so ist, dann kann man sich ja Haus-intern auch zurücklehnen.

    > Als sie die Bank über den Manipulationsverdacht
    > informierten, haben wir jedenfalls sofort gehandelt
    > und umfangreiche Untersuchungen eingeleitet.

    Ich faß' mal zusammen:
    Im Aufsichtsrat hocken also Gestalten, die dafür bezahlt werden, zu reagieren, wenn externe Kontroll-Instanzen Dinge aufdecken, von denen sie selbst nix gewußt haben. Die Reaktion beschränkt sich dann darauf andere zu instruieren, sich darum zu kümmern. Ach was sag' ich denn: nicht "kümmern", sondern "Untersuchungen". Und die bitte nicht durchführen, sondern erst mal nur "einleiten". Dafür dann aber "umfangreiche". Herr Koch hätte Ihnen da noch "brutalstmöglich" für anbieten können.

    Danke für den Lacher des Abends!

  • Aber wirklich! Die Luft der Schweizer Berge ist erfrischender! Das war nur ein Föhn von Genua.

  • Lieber HB: eine Stufe seriöser bitte! Auf Eure Schlagzeile "Wie legt Josef Ackermann sein Geld an" folgt der Hinweis desselben, dass dies Privatsphäre ist. Einwenig seriöser ginge auch - noch, hm? Ansonsten ein Luftinterview, das keinem das Überleben ermöglichen würde..

  • Wow 1 zu 1 was die Politiker immer von sich geben. Ja warum wohl?

  • Harmlose Fragen, harmlose Antworten. Zur europäischen Staatsschuldenkrise nichts wesentliches und auch nicht dazu, dass wir es bei der Euro-Zone mit einem suboptimlen Währungsraum zu tun haben. Die TargetII Problemaik mit bloßem Wunschdenken abgetan u.s.w.
    Aber so dünn müssen wohl Banker reden, wenn sie sich in der Öffentlichkeit bewegen.

  • Super Interview: Nix genaues weiß man nicht, gell? Geschenkt!

Serviceangebote