Hauptversammlung : Deutsche Bank im Kreuzverhör der Aktionäre

Hauptversammlung
Deutsche Bank im Kreuzverhör der Aktionäre

Premiere bei der Deutschen Bank: Das Haus ruft außer Plan seine Aktionäre zusammen. Der Streit mit den Kirch-Erben macht das nötig. Nun steht die Führungsriege wegen der Skandale und der Bilanzkorrektur in der Kritik.
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Frankfurt/DüsseldorfStehen die Stühle dicht an dicht in der Jahrhunderthalle in Frankfurt am Main, passen bis zu 4800 Menschen in das Anfang der 1960er-Jahre eröffnete Gebäude. Lange nicht so dicht gedrängt ist die Tagesordnung für die Hauptversammlung der Deutschen Bank. Bei dem Treffen der Aktionäre in der Kongresshalle stehen nur drei Punkte auf der Tagesordnung. Doch die bergen Sprengstoff.

Denn zum ersten Mal in seiner neueren Geschichte ruft der deutsche Branchenprimus die Anteilseigner zu einer außerordentlichen Hauptversammlung in den Frankfurter Stadtteil Höchst zusammen. Die Aktionäre müssen erneut über die Verwendung des Gewinns, die Bestellung des Wirtschaftsprüfers und die Wahl des Aufsichtsrats, darunter Chefaufseher Paul Achleitner, abstimmen. Ein Aktionär hatte die Beschlüsse der letzten Versammlung angefochten – und mit seiner Klage Erfolg gehabt.

Der Grund des Streits liegt lange zurück: Im Jahr 2002. Wieder einmal geht es um das Interview, in dem der damalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf Breuer, die Kreditwürdigkeit der Medienunternehmers Leo Kirsch angezweifelt hat. Seither überziehen Kirch – und nach dessen Tod die Familienangehörigen – die Bank mit Schadenersatzklagen und fechten die Beschlüsse der Aktionärstreffen an.

Zuletzt errang die Kirch-Dynastie in dem jahrelangen Streit wichtige Siege. Das Münchener Landgericht verurteilte das Geldhaus zur Zahlung von Schadenersatz. Wie hoch die Buße ausfällt, steht noch aus. Auch die Anfechtung der Hauptversammlung 2012 ist ein Punktsieg für die Kirch-Riege. Der Aktionär fühlte sich in der Ausübung seines Rederechts beschränkt.

Die Deutsche Bank hat zwar Berufung gegen das Urteil eingelegt. Doch das Geldhaus geht auf Nummer sicher und beruft die außerordentliche Hauptversammlung ein. Mit einer Entscheidung der nächsten Instanz über die Berufung rechnete die Führung das Duo um Anshu Jain und Jürgen Fitschen nicht vor der planmäßigen Hauptversammlung im Mai. Daher wollten die Banker Rechtssicherheit haben und entschlossen sich, die Beschlüsse nun nachzuholen.

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  • Kirch hatte die geniale Idee, trotz Pleite mit seiner Klage gegen die DBk noch Geld zu bekommen,
    Kirch ist nicht wegen Breuer pleite gegangen, sondern weil er sich in seinem Größenwahn übernommen hat.
    Das Gericht liegt in Bayern, Kirchs Firma war in Bayer ansässig.
    Vielleicht erklärt das die abstrusen Urteile.

  • Transparenz zu schaffen bei der Deutschen Bank - einer wirklichen Großbank mit diversen nationalen und internationalen Verflechtungen - ist eigentlich nicht wirklich möglich. Sich als Außenstehender ein Urteil zu bilden über die Bewertungskriterien bei der Risikobildung in den Quartals- und Jahresabschlüssen ist wirklich unmöglich (dies sage ich aus der Kenntnis eines pensionierten Vorstandes einer genosenschaftlichen Regionalbank). Die (ab)wertenden Kommentare zu den Vorgängen bei der Deutschen Bank sehe ich daher als unsachlich an. Vertrauen ? es stellt sich mir die Frage nach der sozialen Kompetenz, der Intergrität der dortigen Bankvorstände und der Aufsichtsratsmitglieder ... im übrigen vertraue ich nach wie vor den Abschlußprüfern und - bei Schadenersatzprozessen etc. - unseren unabhängigen Gerichten... und das meine ich auch wirklich so, wie ich das hier schreibe ..

  • Die Deutsche Bank hat nicht nur nach Aussen an Reputation eingebüsst, sondern auch nach Innen. Waren Mitarbeiter vor Jahren noch ziemlich überheblich weil sie bei der Deutschen Bank arbeiten und haben das auch gerne zum Besten gegeben, wollen sie heute nicht wirklich mehr, das jeder weiss, dass sie diesem Geldhaus dienen.

    Dieser Laden ist ein einziger Schrotthaufen. Ich bin kein Kirch-Anhänger, denn der Typ hatte ebenfalls genug Dreck am Stecken, aber endlich hatte mal jemand den A... in der Hose und hat der DB eins drauf gezogen. Die haben es mehr als verdient. Schade nur, dass sich Ackermann vom Acker gemacht hat. Dem hätte ich das gegönnt, dass er sich mit diesem Mist auseinandersetzen muss. Aber die beiden neuen Schnarchnasen bekommen ein gutes Schmerzensgeld, das wird die nicht tangieren. Wählt man sie ab, gehen sie woanders hin. Solche Typen fallen die Treppe rauf und nicht runter.

    Es schüttelt mich schon wenn ich nur den Namen Deutsche Bank höre. Dieses Institut entwickelt sich langsam zu einem Schandfleck für Deutschland.

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