Die von Widerständen begleitete Integration der Gerling-Versicherungen in den Talanx-Konzern hat der Gruppe 2006 nicht geschadet. Wachstumsträger war vor allem die HDI-Industrieversicherung. Für das laufende Jahr aber zeichnen sich Umsatzrückgänge ab.
rl DÜSSELDORF. Das operative Ergebnis der Talanx-Gruppe verbesserte sich um 5,6 Prozent auf 440 Mill. Euro. Beide Talanx-Töchter – HDI Industrie und Gerling Allgemeine – konnten gegen den Markt-Trend wachsen. Allerdings zeichneten sich im laufenden Jahr bereits Umsatzrückgänge ab, wie Christian Hinsch, Vorstandschef der beiden Talanx-Töchter, am Donnerstag bei Vorstellung der Jahresabschlüsse einräumte.
2006 hat der Umsatz mit Schaden- und Unfallpolicen 6,7 Mrd. Euro (+6,6 Prozent) eingebracht. Abzüglich von Sondereffekten im Industriegeschäft erwartet Hinsch 2007 ein Minus von fünf Prozent, „weil die Preise sowohl im Industrie- wie im Privatgeschäft unter Druck sind.“ Inklusive der Sonderfaktoren rechnet er mit einem Rückgang auf 6,1 Mrd. Euro.
Die drittgrößte deutsche Versicherungsgruppe Talanx, zu der die HDI-Gesellschaften gehören, hat Anfang 2006 die Versicherer der Gerling-Gruppe übernommen. Während die Lebensversicherer beider Gruppen ohne Probleme fusioniert werden konnten, stand dem in der Schadenversicherung bis vor kurzem noch die Abfindung der Kleinaktionäre der Gerling-Konzern Allgemeine Versicherungs-AG (GKA) entgegen. Faktisch marschierten HDI und GKA 2006 zwar gemeinsam, rechtlich aber noch getrennt. Bis September soll die Fusion aber durch sein.
Wachstumsträger war 2006 vor allem die HDI-Industrieversicherung. Sie steigerte ihre Beiträge um elf Prozent auf 1,6 Mrd. Euro. Die Hälfte geht allerdings auf Sondereinflüsse zurück, die Hinsch nicht näher erläutern wollte. Der Rest gehe auf das Konto der Haftpflichtversicherung: „Hier waren wir recht erfolgreich.“ Das ist um so erstaunlicher, als die Raten auf breiter Front nachgeben. Doch auch die GKA verbuchte 2006 noch ein Plus von 1,6 Prozent auf 2,5 Mrd. Euro. Experten werten das als Beleg dafür, dass weniger Großkunden von der Fusion abgeschreckt worden sind, als befürchtet.
Gerling hatte zudem mehr Glück im Feuergeschäft als die HDI-Schwester, die drei Großbrände zu verkraften hatte. „Das ist jedoch gut rückversichert, weshalb sich das netto bei uns nicht niederschlägt“, sagte Hinsch. Da mache sich die Nachreservierung von 100 Mill. Euro für US-Haftpflichtschäden bei der GKA stärker bemerkbar. „Dieses Geschäft haben wir zu Beginn des Jahres eingestellt“, sagte Hinsch. Damit verzichtet er auf 109 Mill. Euro Prämie, „aber auf viel mehr Schadenaufwand“, so Hinsch.

