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30.07.2007 
Schwächste Glied

Hedge-Fonds attackieren Fortis

von Michael Maisch und Ruth Reichstein

Im größten Übernahmekampf der Finanzgeschichte rückt zusehends der belgisch-niederländische Konzern Fortis in den Mittelpunkt. Der Allfinanzkonzern muss sich nach Informationen aus Finanzkreisen gegen eine Reihe von Hedge-Fonds zur Wehr setzen, die verhindern wollen, dass sich Fortis an der Übernahme der niederländischen Traditionsbank ABN Amro beteiligt.

Noch ist das Bietergefecht um die ABN im vollen Gange. Foto: dpaLupe

Noch ist das Bietergefecht um die ABN im vollen Gange. Foto: dpa

BRÜSSEL. Fortis ist zusammen mit der spanischen Großbank Santander Teil eines Konsortiums, das unter Führung der Royal Bank of Scotland (RBS) 72 Mrd. Euro für ABN bieten will. Anschließend plant die Bietergruppe die Zerschlagung der niederländischen Bank. Konkurrenz bekommt das Konsortium von der britischen Bank Barclays, deren vor kurzem nachgebessertes Gegengebot für ABN derzeit 69 Mrd. Euro wert ist. Die Übernahme von ABN wäre für alle drei Mitglieder des RBS-Konsortiums ein finanzieller Kraftakt, aber Fortis gilt als kleinste der drei Banken als schwächstes Glied in der Kette. Ein Ausfall des Benelux-Konzerns könnte bereits den Sieg für den Konkurrenten Barclays bedeuten.

Fortis muss für die geplante Übernahme 24 Mrd. Euro Kapital aufbringen, der Löwenanteil entfällt auf eine Kapitalerhöhung von 13 Mrd. Euro, was einem Drittel der aktuellen Marktkapitalisierung von 39 Mrd. Euro entspricht. Für dieses ehrgeizige Finanzierungspaket braucht Fortis-Chef Jean-Paul Votron die Zustimmung von 75 Prozent der Aktionäre, die am 6. August über den Übernahmeplan abstimmen werden. Votron und seine Mannschaft haben in den vergangenen Wochen mehr als 100 große Aktionäre der Bank besucht und sind zuversichtlich, dass die Anteilseigner die Pläne absegnen.

Allerdings fürchten Londoner Banker, dass sich in den vergangenen beiden Wochen Hedge-Fonds massiv bei Fortis eingekauft haben. Diese Fonds setzen darauf, dass der Kurs von Fortis deutlich anzieht, sobald die teuren Übernahmepläne scheitern, außerdem könnte der Finanzkonzern selbst zum Ziel für einen Käufer werden. Seit Beginn des Übernahmekampfes sackte der Kurs von Fortis um gut 15 Prozent ab.

Analysten des Brokerhauses Keefe Bruyette & Woods schätzen, dass Hedge-Fonds sich durch direkte Käufe oder das Leihen von Aktien einen Anteil von zehn bis 15 Prozent an Fortis gesichert haben. Andere Banker beziffern das Engagement der spekulativen Fonds sogar auf 25 bis 30 Prozent. In den vergangenen Jahren gaben lediglich rund 20 Prozent der Fortis-Aktionäre ihre Stimmen auf der Hauptversammlung ab. Selbst wenn dieser Anteil auf Grund der Bedeutung der aktuellen Entscheidung steigen sollte, könnte bereits eine kleine Gruppe entschlossener Aktionäre großen Einfluss ausüben. Einige Hedge-Fonds versuchten auch, den Fortis-Konkurrenten Barclays in ihre Pläne einzubinden. Die Fonds hätten Barclays aufgefordert, selbst Fortis-Aktien zu kaufen und damit gegen die Übernahme von ABN zu stimmen, schreibt die Zeitung "Sunday Times". Ein Sprecher von Barclays bestätigte den Annäherungsversuch der Hedge-Fonds, die Bank habe das Ansinnen aber abgelehnt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: ABN Amro zieht Empfehlung zurück

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