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01.11.2007 
Chance für Investoren

Hedge-Fonds gehen in die Offensive

von Udo Rettberg

Viele Hedge-Fonds entdecken die Turbulenzen an den Finanzmärkten als Chance. Die Investoren beschaffen sich Kapital, um von Fehlbewertungen an zahlreichen Märkten oder schlechtem Management zu profitieren. Experten sind sich einig: Gerade in Europa gibt es genügend Potential für mögliche Akteure.

Der berüchtigte Hedge-Fonds Manager und Aktivist Wyser-Pratte ist auf der Suche nach unterbewerteten Firmen. Foto: ArchivLupe

Der berüchtigte Hedge-Fonds Manager und Aktivist Wyser-Pratte ist auf der Suche nach unterbewerteten Firmen. Foto: Archiv

FRANKFURT. An zahlreichen Finanzmärkten seien derzeit krasse Fehlbewertungen zu erkennen, sagt Thomas Della Casa von der weltgrößten Hedge-Fonds-Gruppe Man Investments. Das aktuelle Umfeld sei daher sehr positiv für die meisten Hedge-Fonds-Strategien.

Grundsätzlich seien turbulente Märkte gut für Hedge-Fonds, doch sei die hohe Volatilität der Monate Juli und August selbst für die besten Hedge-Fonds-Manager eine große Herausforderung gewesen. Inzwischen hätten sich die Manager jedoch auf die neue Situation eingestellt. „Im September und Oktober hat die Branche gute Anlageergebnisse erzielt“, sagt der Experte, der für die nächsten Monate ein hohes Gewinnpotenzial für die meisten Hedge-Fonds-Strategien sieht.

Attraktiv sei die Situation zum Beispiel für Hedge-Fonds, die auf Fusionen und Übernahmen setzen. Diese „Activists“ investieren in Firmen, die sie für unterbewertet und schlecht gemanagt halten. „Hier gibt es gerade in Europa noch genügend Möglichkeiten“, sagt auch Guy Wyser-Pratte dem Handelsblatt. Der New Yorker Hedge-Fonds-Manager hatte kürzlich eine Beteiligung an TUI erworben und drängt jetzt auf Veränderungen in der Konzernspitze.

„Günstig ist auch das Marktumfeld für Commodity Trading Advisor (CTA)“, sagt Della Casa. Das sind Manager, die mit vollautomatisierten Systemen in Futures und Optionen investieren und auf klare Trends an den Terminbörsen setzen. „Unser AHL Diversified Fonds hat in der vergangenen Woche netto 6,2 Prozent zugelegt“, sagt Domenico Truncellito von der Man Group. Die populären CTA-Indizes dürften im Oktober kräftige Gewinne ausweisen. Zurückhaltender beurteilen Hedge-Fonds die Chancen in den Emerging Markets.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Suche nach neuem Kapital.

Um die bestehenden Chancen nutzen zu können, sind einige Akteure auf der Suche nach neuem Kapital. „An Kapital für Hedge-Fonds mangelt es nicht“, sagt Marcel Giacometti, Präsident des Hedge-Fonds-Pioniers Auda Advisors in New York. Institutionellen Investoren sei nicht entgangen, dass Hedge-Fonds in den ersten drei Quartalen 2007 trotz der Verluste im August per saldo eine stabile Wertentwicklung vorweisen, sagt Oliver Schupp von Credit Suisse.

Der Kapitalzufluss in Hedge-Fonds dürfte daher von Seiten institutioneller Investoren weiter anhalten. Fonds wie MPC Investors oder FRM Credit Alpha sowie Hinde Capital sammelten in den vergangenen Tagen neues Geld ein oder kamen mit neuen Hedge-Fonds an den Markt. Auch etablierte Hedge-Fonds-Gesellschaften wie die Man Group plc und die SEI Investments Company berichten von einem weiteren Anstieg des von ihnen verwalteten Vermögens.

Bei Man stiegen die „Assets under Management“ von 67 Mrd. Dollar Ende Juli auf 68 Mrd. Dollar Ende September dieses Jahres. Die in Oaks in Pennsylvania ansässige SEI Investment meldet für Oktober erstmals einen Anstieg des verwalteten Vermögens in Alternativ-Investments auf über 100 Mrd. Dollar. Am Rande einer Fachveranstaltung in Frankfurt war zudem zu erfahren, dass sich mehrere Hedge-Fonds über Neu-Emissionen an den Aktienbörsen Eigenkapital beschaffen wollen, um so die von ihnen gesehenen Chancen ausnutzen zu können.

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