Italiens größter Versicherer Generali ist ins Visier des britischen Hedge-Fonds Algebris geraten. In einem Brief fordert Algebris das Management auf, durch Übernahmen Wert zu schaffen und die Corporate Governance zu reformieren.
MAILAND/LONDON. Algebris läutet damit eine neue Ära in Italien ein. Denn bisher waren Italiens Unternehmen und Finanzhäuser von den Attacken der Hedge-Fonds verschont geblieben. Anders als in den Niederlanden oder Deutschland, wo Hedge-Fonds etwa bei ABN Amro und Deutschen Börse ihre Spuren hinterlassen haben, waren die Machtspielchen in Italien meist von italienischen Investoren bestimmt. Die Aktie legte am Mittwoch aufgrund der ersten Gerüchte um knapp drei Prozent zu.
Bei Algebris handelt es sich um einen Londoner Hedge-Fonds, der sich auf Investitionen in Finanzdienstleister spezialisiert hat und der nach Informationen aus Finanzkreisen zum Einflussbereich von Chris Hohn gehört. Hohn ist der Gründer des Hedge-Fonds TCI, der sich zuletzt mit seiner spektakulären Attacke auf die niederländische Traditionsbank ABN Amro profiliert hat.
In einem Brief hatte Hohn Anfang dieses Jahres das Management von ABN scharf angegriffen und eine Aufspaltung des Instituts gefordert. Wenige Wochen später entbrannte um die niederländische Bank die größte Bieterschlacht der Finanzgeschichte, aus der erst vor kurzem ein Konsortium rund um die Royal Bank of Scotland als Sieger hervorging.
Den Informationen aus Finanzkreisen zufolge gehört TCI zu den wichtigsten Investoren von Algebris. Hinter dem Hedge-Fonds, der jetzt Generali angreift, steht Davide Serra, ein ehemaliger Staranalyst der Investmentbank Morgan Stanley. In London halten sich hartnäckig Gerüchte, dass es Serra war, der die Idee mit der Aufspaltung von ABN Amro entwickelte und diesen Plan im Frühsommer 2006 TCI-Gründer Hohn vorschlug, der sie dann aufgriff und umsetzte. Zum Dank habe TCI für die Anschubfinanzierung gesorgt, als sich Serra im vergangenen August mit Algebris selbständig machte. Später beteiligte sich Algebris selbst an ABN und gehört zu den Profiteuren des Übernahmekampfes. Den Informationen zufolge kauften die Hedge-Fonds bereits im September 2006 die ersten ABN-Aktien, bevor sie im Dezember des vergangenen Jahres ihre Position deutlich ausbauten.
Im vergangenen Jahr verwaltete Algebris rund 530 Mill. Dollar. TCI betreut derzeit nach Berechnungen des Wirtschaftsmagazins Barrons rund fünf Mrd. Dollar.
Aktivistische Hedge-Fonds wie TCI und Algebris sind seit einigen Monaten auch ins Visier der britischen Finanzaufsicht FSA geraten. Den Aufsehern bereiten vor allem die Fälle Sorgen, in denen mehrere Fonds gemeinsame Sache machen. Sollten sich Hedge-Fonds hinter den Kulissen absprechen, um von der Attacke auf ein Unternehmen zu profitieren, könne es sich um verbotene Marktmanipulation handeln, warnt die FSA.
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Vor diesem Hintergrund gab Hohn vor kurzem - um jeden Anschein von Interessenskonflikten zu vermeiden - seinen Posten als Aufsichtsrat des RIT Investmenttrusts der Financiers-Familie Rothschild auf. Im Aufsichtsrat von RIT saß auch Nat Rothschild, der wiederum zur Führungsmannschaft des New Yorker Hedge-Fonds Atticus gehört. Atticus und TCI kennen sich schon lange. 2005 verhinderten sie gemeinsam die Übernahme der Londoner Börse LSE durch die Deutsche Börse. Damals prüfte die deutsche Finanzaufsicht eine mögliche illegale Kooperation der beiden Hedge-Fonds, konnte aber keine Beweise finden. Auch im Übernahmekampf um ABN mischten beide Fonds mit.
Nun richtet sich das Interesse der aggressiven Investoren auf Italien: Generali gehört zwar zu den größten Versicherern Europas. Doch mit einer Börsenkapitalisierung von 44 Milliarden Euro liegt der italienische Marktführer aus Triest hinter Konkurrenten wie der französischen Axa und der deutschen Allianz zurück. Im Vergleich zur Konkurrenz gilt Generali als verschlafen. Mehrfach hat Sergio Balbinot, einer der beiden Vorstandsvorsitzenden Zukäufe im Ausland in Aussicht gestellt, um sich gegen feindliche Übernahmen zu schützen. Zuletzt hat auch der Präsident Antoine Bernheim gesagt, dass eine Übernahme den Marktwert um mindestens 20 Prozent bis 30 Prozent steigern sollte. Doch bisher sind den Ankündigungen keine Taten gefolgt. Lange wurde außerdem spekuliert, dass Generali in Großbritannien Prudential oder Aviva übernehmen könnte.
Auch die Corporate Governance von Generali ist ungewöhnlich: Zum einen hat der Versicherer mit Giovanni Perisinotto und Sergio Balbinot gleich zwei Vorstandsvorsitzende, kam dafür aber in seiner 176-jährigen Geschichte ganz ohne Finanzvorstand aus. Erst im vergangenen Monat hat der Versicherer mit Raffaele Agrusti zum ersten Mal einen Finanzvorstand ernannt. Zum anderen hat der Versicherer mit dem 83-jährigen Bernheim einen Präsidenten, der zwar offiziell ein „non executive chairman“ ist, aber de facto einer der mächtigsten Menschen bei Generali und in der italienischen Finanzwelt.
Hauptaktionär von Generali ist Mediobanca mit mehr als 15 Prozent. Doch auch die Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo und die italienische Zentralbank halten relevante Beteiligungen.

